Commons jenseits des Wachstums

Am vergangenen Wochenende hatte ich Gelegenheit, auf dem Attac-Kongress “Jenseits des Wachstums” an einem Podium zum Thema “Markt, Plan, Solidarische Ökonomie” teilzunehmen. Alle Referent_innen hatten zunächst Zeit für einen kurzen Input; also hatte ich mich angesichts des ausschweifenden Titels auf das Verhältnis zwischen Commons-Praxis und Wachstumsdebatte konzentriert und einige der folgenden Gedanken vorgestellt. Gute Resonanz im völlig überfüllten Hörsaal! Der ganze Kongress glänzte mit einem wahren Besucheransturm.

Das Ganze konnte ich aus Zeitmangel nicht mit dem Publikum teilen. Das gibt’s jetzt hier zum Nachlesen und kommentieren. Auf Anregungen freue ich mich!

Commons jenseits von Wachstum

Zusammenfassung:

  • Commons reduzieren geldinduziertes Wachstum, weil sie uns unabhängiger vom Geld machen. Je mehr wir als Gemeingut produzieren, umso weniger müssen wir oder der Staat zahlen.
  • Commons reduzieren bevölkerungsinduziertes Wachstum, weil sie – mit vielfältigen Suffizienzstrategien verbunden – Wohlstand durch Teilen schaffen.
  • Commons entziehen sich dem Wachstumszwang, weil all das, was als Gemeingut hergestellt wird, nicht künstlich verknappt werden muss. Es muss nicht künstlich verknappt werden, weil es nicht als Ware hergestellt wird, sondern um Sozialbeziehungen zu pflegen, Bedürfnisse zu befriedigen und Probleme zu lösen.

Soweit der Ausblick in die Zukunft, aber soweit sind wir ja noch nicht. Bis dahin wird noch viel gedacht und erprobt, diskutiert und erstritten werden müssen. Einige Gedanken will ich daher im Folgenden knapp begründen.

 “In Wahrheit gibt es bislang kein überzeugendes Szenario, das für eine Welt mit neun Milliarden Bewohnern stetig wachsende Einkommen mit sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit verbindet”, sagt der Ökonom Tim Jackson (Jackson, 2011: 98), der jüngst mit seinem Buch “Wohlstand ohne Wachstum” Furore gemacht hat. Jackson rechnet durch, warum die Vorstellung wir könnten weiter wachsen wie bisher, ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Worin besteht das akute Problem?

Die kapitalistische Marktwirtschaft hat einiges geleistet aber in wichtigen Punkten versagt. Drei davon seien genannt.

  1. Sie vermag die materiellen Grundbedürfnisse vieler Menschen ebenso wenig zu befriedigen wie die immateriellen Bedürfnisse aller Menschen.
  2. Sie ist ineffizient in Sachen Ressourcenerhalt.
  3. Sie schafft systematisch Arbeitskräfte ab.

Zwischen diesen Problemen gibt es einen Zusammenhang. Arbeit ist in der Regel der einzige Zugang zu Geld. Geld wiederum ist zunehmend die einzige Möglichkeit das zu bekommen, was wir zum Leben brauchen. Oder präziser: Es ist die einzige in der gegenwärtigen Wirtschaftsweise wertgeschätzte und bewertete Möglichkeit. Deshalb hat sich die Vorstellung verbreitet, dass wir vordringlich bezahlte Arbeit brauchen. Obwohl wir eigentlich vor allem leben wollen, tätig sein und unsere Bedürfnisse befriedigen. Manche nennen das was wir suchen ‘Zufriedenheit’. Andere sind etwas verwegener und nennen es ‘Glück’.

Politisches Denken jedweder Couleur ist nun schon seit Jahrzehnten auf die Schaffung von Arbeitsplätzen fixiert. Das hat den Blick verengt, die analytische Schärfe gestumpft und die Argumente verkürzt. Tatsächlich hat das Arbeitsplatzargument schon so manchen sinnvollen Gedanken und praktischen Ansatz für ein Gutes Leben vernichtet. Was nicht einer gewissen Ironie, wohl aber der Logik entbehrt, denn wächst die Wirtschaft, steigen auch die realen Löhne und Gehälter. Daher investieren Unternehmen bevorzugt in Technologien, die Arbeitskraft überflüssig machen. Die Arbeitsproduktivität steigt schneller als die Ressourcenproduktivität.1

Kurz und gut: Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen Unternehmen sparen. Arbeitsplätze! Eine solche Wirtschaftsweise kann in der langfristigen und strukturellen Lösung der genannten Probleme nur versagen. Kurzfristig aber kann sie wachsen, wachsen, wachsen.

Dem Staat ist’s recht. Denn in der gegenwärtigen Wirtschaftsarchitektur hängt der Füllstand staatlicher Kassen und damit die Qualität der Sozialleistungen vom Wachstum ab. Der Staat ist somit – den politischen Willen vorausgesetzt – nur dann in der Lage dieses Versagen teilweise auszugleichen, wenn die Wirtschaft wächst.2  Er sitzt in der berühmten Wachstumsfalle. So die Wirtschaft also wächst und der Staat tatsächlich einspringt3,  verschiebt sich die Problemlage. Das tut sie nicht grundsätzlich. Doch immerhin lindert dieses Einspringen den Juckreiz. Vorrübergehend. Wie es sich für solche Reize gehört. Die drei genannten Probleme sehen jetzt so aus:

Die wachsende Wirtschaft…

  1. vermag die materiellen und immateriellen Bedürfnisse vieler Menschen noch immer nicht oder nur über Zugang zu Geld oder Sozialleistungen zu befriedigen. Alles wird auf der Suche nach Geld in diese Spirale gesogen und zur Ware gemacht – selbst Dinge, die in Fülle vorhanden sind. Selbst Verhaltensweisen und Sozialbeziehungen.
  2. Die absolute Entkopplung von Ressourcenverbrauch und Produktion gerät zur meist ignorierten Nebensache der Welt.4
  3. Arbeitsplätze werden noch immer systematisch ab-, anderswo aber wieder aufgebaut.

Was ist zu tun, um dem Problem beizukommen und nicht dem Juckreiz?

Gegenwärtige Problemlösungsstrategien gehen in der Regel nur eines der genannten Probleme systematisch an. Wachstum etwa soll Arbeitsplätze schaffen. Das tut es auch, opfert dafür aber Anderes. Auch jene, die die Industriegesellschaft nach dem Green New Deal umbauen wollen, führen das Arbeitsplatzargument ins Felde, doch strategisch konzentrieren sie sich auf Ressourceneffizienz sowie die angemessene “Bewertung” (i.e. Bepreisung) natürlicher Ressourcen. Wer jedoch vorwiegend grün dealt muss erklären, wie dies dem ressourcenzerstörenden geld-, schulden- und bevölkerungsgetriebenen Wachstum prinzipiell den Antrieb nehmen soll. Das wird schwierig. Schließlich zeigt sich eine wachstumsgetriebene Wirtschaft der notwendigen absoluten Entkopplung vom Ressourcenverbrauch nicht gewachsen. Seit 1990 haben die Effizienzgewinne nicht einmal das Bevölkerungswachstum kompensiert (vgl. Jackson, 2011: 92). Zudem stellt sich die Frage, ob nicht ein Green New Deal die soziale Frage weiter verschärft, denn das ‘Gute’ wird teurer. Was heißt das für geldarme Menschen? Und wie ist es ihnen zu vermitteln?


Zwischenfazit:

Wir verschwenden zuviel Energie auf zu wenig Problemlösung. Wir brauchen daher nicht nur etwas Komplementäres, sondern etwas grundsätzlich Anderes.  Nur “out of the box” können wir den Blick wieder weiten und die Argumente wieder schärfen. Wir brauchen andere Kriterien, um zu enscheiden, was wir wie produzieren, eine andere “innere Ordnung”, wie Werner Rätz das in seinem exzellenten Beitrag zum selben Podium ausdrückt. Ein anderes Betriebsystem.

Und damit sind wir bei den Commons und somit ‘Jenseits von Markt und Staat’5

Die Commons, verstanden als das was sie in erster Linie sind – vielfältige, selbstbestimmte und -gestaltete, weitgehend robuste, (re-)produktive soziale Systeme – haben einen anderen Betriebsmodus.
Wer Commons denkt und lebt fragt konsequent:

  • Was brauche(n) ich/ wir? Nicht: Was kann ich verkaufen?
  • Was kann ich teilen?
  • Was kann ich zur allgemeinen Nutzung freigeben?
  • Wo und wie kann ich kooperieren, um mit Anderen Dinge nicht als Waren, sondern als Gemeingut zu produzieren, zu pflegen und zu erweitern?

Das ist voraussetzungsvoll! Aber es lohnt sich. Wer Commons fördert schafft Möglichkeiten, viele Lebensbereiche aus dem Markt herauszuhalten. Denn in den Commons wird etwas gemeinschaftlich produziert, um Probleme zu lösen und Bedürfnisse zu befriedigen. Nicht, um Produkte auf dem Markt zu verkaufen. Deswegen sind Commons “wachstumsbefriedend” (Wolfgang Sachs).

Und genau das ist der zentrale Unterschied! Denn ist ein Problem erst einmal gelöst, muss man es nicht noch einmal lösen. Man kann sich neuen Problemen und anderen Bedürfnissen widmen.

Ist hingegen eine Ware verkauft, muss die nächste verkauft werden. Und die nächste, und die nächste. Läuft der Prozess zu langsam oder sind die zu Kunden reduzierten Menschen kaufmüde, wird er auf vielerlei Weise beschleunigt: “Planned obsolescence” gehört dazu, also die Praxis, Dinge so herzustellen, dass sie möglichst bald versagen. Künstliche Verknappung desgleichen. Denken Sie an Kopierschutzmechanismen oder Terminatorsaatgut. Und selbstredend die permanente Ausweitung individueller Eigentumsrechte. Ist der Markt endgültig satt, werden neue Bedürfnisse erzeugt. Dann treibt Marketing die Nachfrage, die Schulden und das ersehnte Wachstum an. Problemlösung spielt hier nur eine geringe Rolle.

Wie urteilte Jackson? “Im Kern ist der Verbraucherkapitalismus überraschend einfach gestrickt.” (Jackson, 2011:103)

Warum dieser Mechanismus auch in satten Gesellschaften so lange wirkt? Weil sich die Konsumkultur auch dadurch am Leben hält, dass sie so erfolgreich in der Befriedigung vieler Bedürfnisse versagt. Und damit wären wir wieder bei Problem Nr. 1. Konsumkultur ist nicht in der Lage, uns glücklich zu machen. Dafür braucht es etwas Anderes, etwas auf die unmittelbare Befriedigung unserer Bedürfnisse Ausgerichtetes.

Je mehr Commons umso weniger Markt und umso weniger Wachstum ist nötig.

Hier stellt sich die von Werner Rätz aufgeworfene Frage: Taugt die Commonsidee, um auch die Produktions- und Infrastrukturen zu verändern? Was muss man tun, damit das möglich wird?

Ich würde diese Frage mit Ja beantworten und habe auch versucht, das während der Podiumsdebatte zu tun. Ein Beispiel:

In den Commons gelten zwei Prinzipien: Begrenzte Ressourcen (Wasser, Wald, Boden) brauchen Zugangsregeln, damit sie als Gemeingut erhalten bleiben. Unbegrenzt vervielfältigbare Ressourcen gedeihen nur dann als Gemeingut, wenn sie für alle zugänglich sind. Schließlich mehrt hier die aktive Nutzung einer Person die Nutzungsmöglichkeiten aller anderen. Das trifft zum Beispiel auf Ideen, Softwarecode, Wissen und Design zu. Und das sind immerhin die wichtigsten produktiven Ressourcen der Gegenwart.

Das Prinzip einer commonsoorientierten Produktion lautet also: Design zu teilen und gemeinsam fortzuentwickeln. Anders gesagt: Kopieren erwünscht! Denn es bringt die besten Ergebnisse für alle.

Fazit:

In den Commons ist das für das Wirtschaftswachstum uninteressante Wachstum interessant.

Das Wachstum von Wissen und Fähigkeiten, der Reichtum von Sozialbeziehungen, die Zeitverausgabungslogik statt Zeiteinsparlogik – da muss nicht immer mehr Konsum in immer weniger Zeit gepresst werden. Das Wachstum an Vielfalt, Autonomie und Selbstorganisation, statt an Monopolen.

Die Wachstumsfrage, so wie sie sich in der kapitalistischen Marktwirtschaft stellt, spielt in den Commons keine Rolle. Vielmehr weisen die Commons weisen einen Weg aus dem Wachstumsdilemma. Um ihn zu gehen brauchen wir:

  • eine Verschränkung von technologischer und sozialer, das heißt auch eigentumsrechtlicher Innovation
  • freies Wissen
  • eine Alternative dazu, dass Geld der einzige Zugang zu Lebens-Mitteln ist. Nur deswegen muss man die Menschen permanent “beschäftigen”, selbst wenn sie vielfältig beschäftigt sind.

Adelheit Biesecker, Mitdiskutantin (hier ihre Thesen), hatte zu dem letzten Punkt in der Diskussion schlicht angemerkt:

“Wir haben nicht mehr soviel Zeit für Erwerbsarbeit. Wir haben Besseres zu tun.”

Diese Alternative finden wir in Gemeingütern.

Die gute Nachricht ist: Es gibt bereits eine Form der Produktion, die über die herkömmlichen Institutionen von Markt und Staat hinausweist, die beide – aneinander gekettet -  in der Wachstumsfalle sitzen: Sie heißt: Gemeine Peer Produktion oder Commons Based Peer Production, ein Begriff, den Yochai Benkler prägte. Zu diskutieren ist, wie diese wachstumsunabhängige Form der Innovation und Produktion auf mehr Lebensbereiche ausgeweitet werden kann. Und auch da ist ein Anfang gemacht.

Anmerkungen:

1. Siehe dazu ausführlich Tim Jackson, 2011, Kapitel 4.

2. Die Tendenz der fallenden Wachstumsrate lasse ich der Kürze halber beiseite. Die Schuldenproblematik desgleichen.

3. Das tut er in Deutschland bzw Mitteleuropa weitgehend. In den meisten Ländern dieser Welt sieht das anders aus.

4. Wie anders ist es zu erklären, dass selbst die Grüne Partei nunmehr materielle Konsumanreize setzen will. Was für eine strukturkonservative Idee! 5.000 Euro für den Kauf von Autos, forderte jüngst Renate Künast. Obwohl sie weiss, dass die absolute Entkopplung auf der Tagesordnung steht und diese nicht mit dem Austausch von Antriebsformen für den Individualverkehr hinzubekommen ist.

5. Vgl. Elinor Ostrom: Die Verfassung der Allmende. Jenseits von Markt und Staat.

Links:

Einen Bericht zur Podiumsdebatte, der auch die Stimmung ganz gut rüberbringt, hat Andreas Exner verfasst. http://www.social-innovation.org/?p=1946#more-1946

9 Gedanken zu “Commons jenseits des Wachstums

  1. Pingback: Commons jenseits des Wachstums | Gemeingüter

  2. Pingback: Was kann ein »Jenseits des Wachstums« bedeuten? — keimform.de

  3. Commons jenseits des Wachstums

    Artikel von Silke Helfrich vom 23.5.2011

    Das was Sie mit Ihrem exzellenten Artikel “Commons jenseits des Wachstums” berichten und was Sie da unter Zusammenfassung, Zwischenfazit und unter Fazit suchen, das ist genau das, was ich seit einigen Jahren als Idee mit mir herumtrage und seit kurzem soweit entwickelt habe, dass es mir als Entrepreneurial Innovation anwendungsreif erscheint.

    In den vergangenen Jahren habe ich privat darüber nachgeforscht, wie für das Dorf (ländliche Räume) Community-Räume für Menschen, die selber unternehmerisch aktiv werden wollen – jenseits des städtischen und damit globalen Einflusses – entstehen können und gestaltet werden sollten, damit sie nachhaltig sind. Der grundlegende Gedanke war, die Entwicklung der Dörfer in die Unterentwicklung, die wesentlich durch Abwanderung der jungen Bevölkerung und Zuwanderung älterer Menschen veranlasst war, also den Gegensatz “Stadt – Land” zu Gunsten eines Gleichgewichts auf dem Land aufzulösen. Da heraus entstanden ist ein Instrument, mit dem lokale Wirtschaftsmodelle gestaltet werden können, die eine Alternative zur kapitalistischen Lebensform darstellen.

    Die Innovation hat zwei Basisaufgaben. Erstens, ein ganzes Dorf in ein Unternehmen zu verwandeln und zweitens, im Inneren des Unternehmens flexible Strukturen für eine Insel des Lebens zu schaffen. Wohl wissend, dass diese Insel vom Meer des Materialismus, Kapitalismus, Bürokratismus und Feudalismus umgeben ist. Also vielfältig und unternehmerisch freien Raum jenseits von Einflussindustrie und -kratie durch Rahmen und Struktur zu schaffen. Die Struktur soll dabei so gestaltet sein, dass von der Energie der Insel so viel wie nötig umgewandelt wird und möglichst lange auf der Insel fließen kann und möglichst wenig der Energie ungenutzt verlorengeht oder ohne Gemeinwohlsnutzen ins Meer gelangt. Vorbilder dazu sind mir neben Yunus, Abouleish, Duttweiler und Ostrom (und anderen) auch der Ameisenstaat und die Entwicklung unseres eigenen Lebens ab Zellteilung.

    Ich nenne mein Start-up-Modell “DORFWIRTSCHAFT”. Ein Wirtschaftsmodell das ähnlich einem Laboratorium aufgebaut ist, in dem bestimmte Prinzipien und Verfahrensweisen getestet werden, die generell anwendbar und für viele Menschen wichtig sind. Wie ich in der Folge feststellen konnte, ist das Denkmodell in der Form des dorfeigenen Social-Business-Unternehmens mit “Mikro-Volkswirtschaft” als Infrastruktur so flexibel gestaltbar, dass daraus als “Sofortprogramm” eine Vielzahl unternehmerischer Initiativen und über die nächsten Jahre ein neues ökonomisches Makromodell entstehen könnte, das gemeinschaftliches soziales Kapital aufbaut und Wirtschaft und Gesellschaft erfolgreich in Richtung Nachhaltigkeit lenkt. Schuldenabbau und Zukunftsperspektiven eingeschlossen.

    Das Konzept ist weder perfekt noch veröffentlicht. Doch der Funktionsansatz ist dort, wo die Mehrheit der Initiativen und Visionen für eine neue Wirtschaftsordnung hängenbleiben bzw. oszillieren, nämlich beim Tun, treffender: beim Gemeinschaftlichen TUN, einmalig.

    Der Grundgedanke zu meinem Konzept ist: die Verwandlung (das Umpolen) einer lokalen Gemeinschaft, zum Beispiel ein (ganzes) Dorf, in ein Sozialunternehmen, in dessen geschütztem Inneren “Raum jenseits von Markt und Staat” geschaffen werden soll. Damit Gemeinwohl vor Ort, dort wo Menschen handeln können, überhaupt und nachhaltig entstehen kann. Dorf ist hier sowohl real als auch als Metapher gemeint. Als “geschützter Raum” ist beispielsweise verfassungsrechtlicher Schutz gemeint, wie ihn der Staat gegenüber seinen Kommunen, auch für das “Dorf”, garantiert (zum Beispiel Art. 28 Grundgesetz).

    Die Liste der Möglichkeiten für das Konzept ist lang und nicht lokal oder national begrenzt. Die Gestaltung seiner Binnenwirtschaft soll flexibel strukturiert sein im Sinne des naturgesetzlichen Energieflusses (Energie geht immer dorthin, wo sie am leichtesten hingelangt).

    Zu meiner Person so viel in Kürze: bin Freiberufler aus dem wirtschafts-/steuerberatenden Bereich im Rentnerstatus, habe Verantwortungsbewusstsein für die nächste Generation und Entrepreneurial Energy weit über den Rentnerstatus hinaus. Meine Heimat ist Bayern, genauer, die bayerischen Alpen. Meine zweite Heimat ist Österreich. Seit ein paar Jahren bin ich passives Mitglied bei Attac Rosenheim.

    Als Erfinder des oben genannten Modells, ich sehe es als Instrument, erlaube ich mir zu behaupten, dass sich dieses durchaus als institutionelles Design im Sinne der Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom eignen kann. Eigene Fehlbarkeit und Demut vorbehalten. Raum zum Experimentieren ist auf dem Land ausreichend vorhanden und in Form eines kleinen Dorfes aktuell gut denkbar. Meine Entdeckung ist privat, unwissenschaftlich und wie genannt, noch nicht veröffentlicht.

    Im Moment trage ich mich mit dem Gedanken, das Instrument der Jugend Spaniens als Sofortprogramm mit Zukunftsperspektiven zu überlassen.

    Herzliche Grüße aus den Bergen nach Jena

    Bernd

    Mai 2011

    • Hallo Bernd Bayerlein,

      DORFWIRTSCHAFT – finde ich sehr spannend. Gibt es dafür schon praktische Modelle oder Ansätze?
      Das Instrument interessiert mich. Wir sind eine Kommune mit 14 Dörfern und einer kleinen Kernstadt (insgesamt 11.000 Einwohner) im Vogelsberg ca. 60 Kilometer nördlich von Frankfurt und erleben wie die jungen Leute weggehen und wir immer älter werden. Auch ich bin Rentner und fühle mich den nachfolgenden Generation verpflichtet.
      Herzliche Grüße aus dem Vogelsberg
      Andreas Drinkuth
      14.8.2011

    • Lieber Herr Bayerlein,
      das Blog lag etwas verwaist, da ich an einem größeren Projekt arbeite und gerade viel unterwegs bin. Entschuldigen Sie also die späte Reaktion. Ich denke ja – so eher grundsätzlich – dass wir Dörfer nicht “in Unternehmen verwandeln” sollten, sondern wieder in rundum lebenswerte Räume, in denen viel von dem reproduziert werden kann, was man zum Leben braucht.
      Auf welchen “Prinzipien und Verfahrensweisen” würde diese DORFWIRTSCHAFT aufbauen? Können Sie das näher ausführen?
      Über diese Prinzipien wäre allerorten zu diskutikeren, nicht nur in Dörfern.

      Beste Grüße
      Silke Helfrich

  4. Pingback: Welche Alternativen zum Wachstum gibt es? Teil II: Eine andere Welt « Philosophenstübchen-Blog

  5. Pingback: Social Innovation Network » Solidarische Ökonomie und Commons: der Kern einer Postwachstumsgesellschaft

  6. “Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen Unternehmen sparen. Arbeitsplätze! Eine solche Wirtschaftsweise kann in der langfristigen und strukturellen Lösung der genannten Probleme nur versagen.”

    Ist das so? Der “Reale Sozialismus” war nicht zuletzt an fehlenden Anreizen zur Einsparung von Arbeitsaufwand gescheitert. Ist die Fähigkeit, für den gleichen Arbeitsaufwand immer mehr und dazu auch noch meist verbesserte Güter und Dienste bereit stellen zu können, nicht eine wesentliche Grundlage sozialer Emanzipation? Ich sehe das Problem nicht in der Freisetzung als solcher sondern darin, dass die gleichen Zwänge, die die zu mehr Reichtum nötigen, verhindern, dass die verbesserten Möglichkeiten in einer sozial bzw. ökologisch vernünftigen Weise genutzt werden können – etwa zum gemeinschaftlichen Müßiggang.

    Gruß hh

  7. Pingback: Commons – Jenseits des Wachstums « johannesrasche

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