Muster der Einhegung

Es ist verrückt. Wer einmal das Prinzip gesehen hat, der findet es überall wieder. Ähnlich wie in einem Suchbild. Die Geschichte mit dem Klettern auf Bäumen in der TAZ ist ein besonders exotiscshes Beispiel dafür: Eine alltägliche gemeinschaftliche Erfahrung von Kindern, nämlich das Klettern auf Bäumen, wird zunächst eingehegt. In diesem Fall durch die Einschärfung einer Sicherheitsnorm in den Köpfen besorgter Eltern. Es ist sehr gefährlich auf einen Baum zu klettern! Man kann herunterfallen, sich das Rückgrat brechen und sitzt dann den Rest eines Lebens im Rollstuhl. Als nächstes folgen dann Kommodifizierung und Kommerzialisierung, also die Erzeugung und Veräußerung einer Ware, in diesem Fall das legitimierte (da ungefährliche) Klettern im Hochseilgarten. Ein anderes Beispiel ist die Verpflichtung der Kommunen „Kein Trinkwasser“-Schilder an mikrobiologisch ungeprüften Brunnen anzubringen. Man hört auch immer öfter, Leitungswasser sei gefährlich und durch irgendwelche Giftstoffe kontaminiert. Ich kenne Menschen, die trinke, Biomineralwasser für 7,50 Euro den Liter anstatt Bodenseewasser für 0,13 Cent pro Liter. Eine 5000-fache Preiserhöhung wird klaglos hingenommen, weil es angeblich unsere Gesundheit schützt.

Es ist außerordentlich schwer, sind dieser subtilen Art der Unterwanderung unseres Gehirns zu erwehren. Insbesondere dann, wenn es um die Sicherheit unserer Kinder geht. Aber es ist hilfreich, wenn man das Muster zu erkennen lernt: Einhegung – Kommodifizierung – Kommerzialisierung. Der „Zaun zur Einhegung“ zeigt dabei die erstaunlichste Variabilität, die man sich nur denken kann. Gerade fällt mir noch einer ein: Man darf seinen Internetanschluss nicht frei zugänglich machen, weil dann Unbekannte diesen nutzen können, um Kinderpornografie herunterzuladen. Und um Schlaumaiern wie mir das Handwerk zu legen, schleußt man diesen Blödsinn direkt in die Gesetzgebung ein und macht mich tatsächlich haftbar für alle Internetaktivitäten auf meinem Router. Es ist ein Muster, kein Zufall.

Ein Gedanke zu „Muster der Einhegung

  1. Das kapitalistische System optimiert sich zum maximalen Umsatz und Verbrauch.

    Biomineralwasser für 7,50 Euro ist daher besser als Bodenseewasser für 0,13 Euro. Menschen werden über die Medien und dem gesamten Umfeld so erzogen, dass sie selbst den Umsatz, Verbrauch bzw. Konsum maximal steigern und dass auch noch als Normalität und einzig erstrebenswertes Lebensziel ansehen. Und die Politik unterstützt dass durch die Gesetzgebung.

    Ziel: WACHSTUM, WACHSTUM, WACHSTUM!

    Das böse Erwachen wird wohl erst dann kommen, wenn wichtige Ressourcen wirklich knapp werden. Aber dann kann es zu spät sein, für eine lebenswerte Umwelt.

    Es ist der Zwang des kapitalistischen Systems!

    Nur eine andere Art der Ressourcenbewirtschaftung kann andere Mentalitäten bei Menschen hervorbringen, die den Lebensraum dann dauerhaft erhalten und nicht verbrauchen.

    Viele Grüße

    Roland Dames

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