Klima als Commons. Päpstliche Einsichten.

Laudato Si 1

Der Titel ‚Laudato si‘ – Gepriesen seist du – ist dem Sonnengesang des Franz von Assisi entnommen. Die Titel einer Enzyklika sind immer identisch mit den ersten Worten des Lehrschreibens. Der Untertitel ist stark: ‚Über das Sorgetragen für das gemeinsame Haus.‘

Morgen, am 18.6. wird im Vatikan die sogenannte Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus der Öffentlichkeit vorgestellt. Zumindest in der Klima-Community wird dieses Datum auch jenseits christlicher Organisationen mit Spannung erwartet. Immerhin war der Papst bereits mehrfach mit deutlicher Kapitalismuskritik („unerträglich“) zu vernehmen und das Eine hat ja mit dem Anderen zu tun.

Eine Enzyklika ist ein Lehrschreiben des Papstes an die Bischöfe und so ziemlich das (ge)wichtigste, was ein Papst verfassen kann. Enzyklika heißt in etwa Rundschreiben (vom gr. εγκύκλιος „im Umkreis“, „im Kreis laufend“). Es kann als ‚belehrend‘ und ‚ermahnend‘ verstanden werden (vom obersten Hirten zu den gemeinen Schafen) aber auch wie eine Botschaft, die von Mund zu Mund geht und stets weitergegeben werden soll.

Der amtierende Papst Franziskus jedenfalls bleibt der Etymologie verpflichtet, denn wie nur wenige zuvor richtet sie sich nicht nur an die Bischöfe, sondern explizit an alle Menschen auf der ganzen Welt. Normalerweise wird eine Enzyklika auf Latein verfasst. Diese nicht. Titel und Text sind in italienischer Sprache. (Eine deutsche Übersetzung wird am Donnerstag von Kardinal Marx in München vorgestellt.) Das unterstreicht, dass sich das Schreiben explizit auch an Menschen außerhalb der katholischen Kirche richtet. Schon insofern ist die erste eigenständige Enzyklika dieses Papstes eine besondere. Und sie ist besonders politisch, weil sie zu einem Zeitpunkt erscheint, an dem die Weltgemeinschaft vor Weichenstellungen steht: Im Juli findet die 3. UN-Konferenz über Entwicklungsfinanzierung statt. Im September sollen auf einem UN-Gipfel – der übrigens vom Papst eröffnet wird – neue Entwicklungsziele (die so genannten SDGs) beschlossen werden und im Dezember steht ein neues Klimaabkommen auf dem Plan. (Vielleicht setzt sich Papst Franziskus ja als Staatsoberhaupt des Vatikans mal einige Tage in die Verhandlungen, um dann in gemeinverständlicher Sprache zu erklären, was darin passiert. Das Recht dazu hat er, denn der Vatikan besitzt Beobachterstatus. Und eine enorme Zuhörer_innenschaft ist ihm schon von Amts wegen sicher.)

Zugleich ist die Enzyklika eine „gewöhnliche“, weil sie an frühere Lehrschreiben und Positionen zum Thema Umwelt sowie an die Katholische Soziallehre insgesamt anknüpfen wird, die aktiv aufzugreifen sich für Commoners ohnehin lohnt! Der Mensch ist Teil der Natur und von ihr abhängig, er steht nicht außerhalb der Natur – all das wird eine Rolle spielen. Das Umweltthema – oder die Schöpfung wie es „auf Katholisch“ heißt – ist für Franziskus und sein Pontifikat zentral. Doch wer Evangelii Gaudium gelesen hat, wird auch scharfe Kritik an unserem Modell des Wirtschaftens, der dominierenden Idee von Entwicklung sowie an der von derlei Modellen und Ideen zugerichteten Gesellschaft erwarten. Spannend wird, wie genau Franziskus das eine zu dem Anderen in Beziehung setzt, wie er die Zusammenhänge kommuniziert. Was die Umwelt-Enzyklika enthalten wird, lässt sich anhand der vielfachen Äußerungen des Papstes zum Thema erahnen und in einer am Montag geleakten italienischen Fassung nachlesen. Die sei aber nicht final und autorisiert. Heute morgen zitiert die Süddeutsche aus einem Entwurf – auf der Titelseite der Printausgabe. (Siehe auch SZ-Panorama zu Papst Franziskus und Themenseite zur Enzyklika auf katholisch.de)

Was hat das nun alles auf dem Commons-Blog zu suchen? Der Papst wird in seinem Schreiben das Klima als Commons bezeichnen – oder so ähnlich. Im Italienischen heißt es: ‚bene comune‘, was meist mit commons übersetzt wird; oft auch mit dem ökonomischen Verständnis von common good / Gemeingut. Ich werde mir die verschiedenen Sprachfassungen anschauen, da ich erhebliche Mängel befürchte. Übersetzungen sind mächtig, auch ein mächtiges Manipulations- und  Missverständnisproduktionsinstrument.

Die päpstliche Akademie der Wissenschaften jedenfalls hatte im April zu einer Konferenz in den Vatikan geladen unter dem Titel Protect the Earth, Dignify Humanity. The Moral Dimensions of Climate Change and Sustainable Humanity. Neben UN Generalsekretär Ban Ki-moon und Kardinal Peter Turkson (einem der Hauptautoren der Enzyklika) war auch Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des PIK dabei. (Die Konferenz hat übrigens unter den Klimawandelskeptikern für viel Aufruhr gesorgt.) Anschließend hat die Akademie dieses Papier veröffentlicht:  Climate Change and the Common Good: „A Statement of the Problem and the Demand for Transformative Solutions.“ Natürlich ist mir klar, dass der Begriff „common good“ hier nicht so emanzipatorische gewendet ist, wie wir das in der Commons-Community zu denken versuchen. Es ist eher die Version des IPCC bzw. die Herangehensweise des PIK- oder des Mercator Research Institut for Climate and Global Commons, MCC: „Climate change is a global commons problem“ sagt z.B. Ottmar Edenhofer. Und das ist ein Anknüpfungspunkt für unsere Debatten. Denn zunächst mal kann man fragen: Wieso rahmt einer der wichtigsten und bekanntesten Klimawissenschaftler der Welt die Klimafrage als Commons-Problem (nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Edenhofer übt schärfste Kritik an Garrett Hardins „Tragedy of the Commons“). Und dann kann man fragen: „Bene Comune/Commons? Was ist das überhaupt?“ Das werden nach der Enzyklika mehr Menschen tun und schon deswegen bin ich froh, dass es sie gibt..

Commons sind nämlich nicht nur ein Problem, sondern vor allem auch eine Lösung.

Und jetzt noch was kurzweiliges: Dieser vermeintliche Kinofilm-Trailer fasst die Kernaussagen der Enzyklika – zumindest zum Thema Klima – in 1,5 Minuten zusammen: The Encyclical. Der Clip wird von einem brasilianischen Klimanetzwerk verbreitet und ist auch auf Spanisch und Portugiesisch verfügbar.

Und zum Schluss: Achtet morgen bei twitter auf #PopeForPlanet -> vielleicht wird daraus irgendwann ein #PopeForCommons

2 Gedanken zu „Klima als Commons. Päpstliche Einsichten.

  1. Hm, die österreichischen Katholiken übersetzen „bene comuni“ mit Gemeinwohl … ist ja nicht ganz falsch, aber doch schade!

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