Stell Dir vor es ist kein Krieg, aber jeder geht hin

Bild 412Eigentlich hatte ich nicht vor, nochmal zu bloggen. Ich wollte endlich ein paar Tage Urlaub machen und ausspannen. Ein bisschen Thymianduft einatmen, eine reife Aprikose vom Baum pflücken … was man eben so macht, wenn man mal Ruhe braucht.

RUHE??? Sind eigentlich alle übergeschnappt? Lebe ich neuerdings in einem Gemälde von Hieronymus Bosch? Sind seine Armeen der Hölle direkt aus seinem Triptychon in mein Leben entstiegen? Irre Mörderbanden, die vor laufender Kamera lebenden Menschen den Kopf abschneiden. Und im Gegenzug Raketen aus ferngesteuerten Drohnen, die die Söhne von Müttern und Vätern töten und schreiende Mütter zurücklassen, die wirkungslos in den Staub heulen und zu Allah, zu Gott oder zu sonst wem flehen. Glauben wir wirklich, dass Christen humaner töten?

Und mitten in dieser Apokalypse des politischen und medialen Irrsinns kommt jetzt auch noch dieser Höllenhund Rasmussen aus seinem Brüssler NATO-Loch gekrochen und will offenbar die NATO gegen Russland aufmarschieren lassen. Was hat dieser militaristische Hardliner überhaupt in der Außenpolitik herumzubellen? Ist er demokratisch dazu legitimiert? Man bekommt ja zunehmends den Eindruck, dass wir selbst den Kalten Krieg wiedererrichten wollen und nicht Putin das Sowietimperium.Vor allem aber bekommt man zunehmends das Gefühl, dass sich unter den Politikern in aller Welt eine unbegreifliche Kriegs- und Mordlust ausbreitet, die jedenfalls von mir keineswegs mitgetragen wird. Ist denen langweilig? Sind denn alle in ein intellektuelles Sommerloch gestürzt?

Ich muss an Julia denken. Meine zauberhafte russische Kollegin Julia, die mir in Moskau den Ismailowski-Park zeigte und mir half, dort Souvenirs für meine Kinder zu kaufen. Sie zeigte mir auch den Hund in der Ploshchad Revolyutsii Metrostation, dessen Nase man berühren muss. Das bringt Glück. Wer die Nase berührt, so erklärte sie mir damals, der kommt irgendwann zurück. Ich konnte das nie vergessen.

Die Koexistenz von Menschen und Kulturen ist ein Commons. Man kann den Frieden nicht herbei bomben. Mit Chamberlains Appeasement-Politik hat dieser Gedanke nichts zu tun. Sondern damit, dass Frieden mehr ist als die [oft erzwungene erzwungene] Abwesenheit von Krieg. Es ist allerhöchste Zeit, den Frieden der Politik aus den Händen zu nehmen. Die kann offenbar nur Krieg, aber Frieden ist ein Peer-to-Peer-Projekt. Frieden geht nur von Mensch zu Mensch auf Augenhöhe.

5 Gedanken zu „Stell Dir vor es ist kein Krieg, aber jeder geht hin

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  2. Lieber Jakob B.,
    blogge getrost weiter (nachdem Du ein paar Tage ausgespannt hast). Es ist ja gut, wenn Leute die politische Realität so empfinden wie Du und so darüber nachdenken wie Du es tust. Aber es scheint mir da etwas zu fehlen.
    Du wendest Dich dagegen, dass jemand wie der NATO-Generalsekretär Öl ins Feuer gießt. Einverstanden. Aber müssen wir nicht zur Kenntnis nehmen, dass das Feuer auch ohne dieses Öl schon brennt und schlimm genug ist? und sollten wir dann nicht eine eigene Strategie entwickeln, wie diesem Feuer zu begegnen wäre? Und wenn wir den Mitteln und Wegen der „geläufigen Politik“ (zu der die NATO ja gehört) in einer solche Sache misstrauen, sollten wir dann nicht über Mittel und Wege jenseits dieser Politik nachdenken?
    Das wären dann Strategien der so genannten Zivilgesellschaft(en) in unserem Europa. Und ich will da nur als Beispiel einen Schritt vorschlagen, für den es leider längst zu spät ist, aber der doch deutliche macht, welche Macht ins Spiel zu bringen wäre:
    Ich wundere mich immer wieder, wie es in dieser Generation von web-Nerds möglich ist, dass durch einen kleinen Fehler bei einer Party-Ankündigung in Facebook ein paar tausend Leute in irgendeiner Straße einer deutschen Vorstadt auftauchen, weil sie an einem Samstagabend eine große Partysause dort erwarten. So stand’s ja in Facebook. Jemand hat eingeladen!
    Es ist aber niemand im Februar oder März auf die Idee gekommen, dass – wenn da einige Tausend Menschen über Wochen hinweg auf dem Majdan in Kiev für ihre Sache demonstrieren – es vielleicht eine gute Idee wäre, wenn auch von der anderen Seite, von unserer Seite, sich ein paar Tausend junge Leute auf den Weg nach Kiev machen würden, um dort ihre Solidarität auszudrücken.
    Wie hätte sich die Sache entwickelt, wenn an Ostern 20.000 junge Leute aus dem Rest Europas auf dem Majdan aufgetaucht wären und sich in eine Reihe gestellt hätten mit denen dort, die für eine demokratischere Gesellschaft in ihrem Land kämpften? Hätte Putin und seine russische Propaganda auch alle diese 20.000 zu Faschisten“ erklären können?
    Pazifismus ist keine Art zu denken. Es ist eine Art zu handeln, und es vor allem im richtigen Augenblick zu tun!
    WK

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