Charme of the Commons: Silvester im Palast des Sultans von Foumban

img_3950

Darbietungen lokaler Künstler vor dem Sultanspalast von Foumban

Ich weiß, Ende April ist etwas spät für dieser Thema, aber es fällt mir gerade jetzt erst ein: Brot statt Böller war schon in der 80er Jahren ein Ausdruck des Protests gegen Geldverschwendung und Kommerzialisierung des Jahreswechsels. Gegen die Verschwendung riesiger Geldmengen, die sich buchstäblich in Luft auflösen … oder in eine Wolke von Schwefel- und Pulverdampf, um genau zu sein. 124 Millionen Euro haben allein die Deutschen zum letzten Jahreswechsel in die Luft geballert. Und ehrlich gesagt: Ich habe ein kleines bisschen mitgeholfen.

Den Jahreswechsel 2012/2013 hatten wir allerdings ganz anders erlebt. Anlässlich einer traditionellen Begräbniszeremonie (über die ich ein andermal berichten werde), waren wir im westafrikanischen Kamerun unterwegs. Silvester erlebten wir vor dem Palast des Sultans von Foumban. Ein unglaubliches Spektakel! Vor dem Sultan und seiner Familie traten Tänzer auf und Sänger, die ihr Bestes gaben. Ich habe selten so beeindruckende Tänze und so berauschende Musik erlebt, wie in diesen Stunden. Die Künstler wurden anschließend von der gesamten noblesse (die man sich nicht so vorstellen darf wie hier -> am nächsten Tag trifft man schonmal eine der Frauen des Sultans an einem Marktstand oder auf dem Feld) mit Geld überschüttet und zwar offenbar auch nach Bedarf und nicht nur aufgrund der Aplausstärke, wobei ohnehin jeder Auftritt an diesem Abend von der umstehenden Bevölkerung frenetisch gefeiert wurde.

img_3904

Der Sultan von Foumban schlägt eigenhändig die Trommel auf der Silvsterfeier in seinem Palast

Wie durch Geisterhand geführt (oder von der unserer frisch gewonnenen kamerunischen Freunde) landeten wir Punkt 24 Uhr im Inneren des Palasts. Was für ein Hexenkessel? Hypnotisches Trommeln. Stimmengewirr. Gesänge. Bunte Gewänder. Es riecht nach fremden Dingen, die ich nicht erkennen kann. Nach Rauch. Nach Schweiß. Nach fremden Mensch. Unmöglich, nicht mitgerissen zu werden. Nicht mitzutanzen. Nicht mitzutrommeln. Auch die Prinzen trommeln. Auch der Sultan trommelt. Auch ich schwenke ein Instrument, das sich anhört wie ein Sack voller Nägel.

Eine Silvesterparty, die ich nie vergessen werde. Es gibt keine Kasse und es gibt nichts zu kaufen. Keine Cola, keinen Burger, keine Böller, keine Souvenirs. Nichts. Null Kommerz. Ein Fest, an dem die Marktwirtschaft aber nicht den kleinsten Anteil hatte. Sozialbeziehung in Reinkultur. Ein pures Commons. Einfach großartig!

Kamerun ist eines der reichsten Länder, die ich je bereist habe: Reich an Farben, an Kultur, an Düften und Aromen, reich an Sprachen, an kultureller Vielfalt und an wundervollen Menschen, reich an Gastfreundschaft und reich an Problemen. Nur Geld gibt es kaum. Ein Land, in dem man auch sehen kann, wie wenig globalisierte Märkte zur Lebensqualität der Menschen beitragen und wieviel zu ihren Problemen.

PS: Falls jemand den ganzen Tag nachlesen will: Hier.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s