Elinor Ostrom und die Fischfangquoten der EU

Durch Zufall habe ich gerade einen Artikel von Hanno Beck über Commons und Elinor Ostrom in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung entdeckt. Sehr lesenswert. Obwohl Beck dies ausdrücklich erwähnt, deuten viele der Kommentare allerdings darauf hin, dass einige Leser sich nicht vorstellen können, dass Commons und Allmende keine von Elinor Ostrom propagierten politischen Ideologien sind, sondern von ihr beobachtete und analysierte Prinzipien in erfolgreicher Kooperation. Man kann es nicht oft genug erwähnen: Es ist nicht die Frage, ob der Mensch kooperieren kann, sondern wie er diese Kooperation am sinnvollsten inszeniert um eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit sicherzustellen.

Einzig an einem Satz habe ich mich heftig gestossen: Allerdings, so Beck, sei fraglich, ob eine solche Kooperation auch bei globalen Allmende-Gütern wie Ozeanen oder der Ozonschicht möglich ist. Stichhaltige Begründungen für diesen Zweifel existieren nämlich nicht. Statt dessen haben Markt und Staat allerdings einen jahrhundertelangen Leidensweg hinter sich, in dem sie bewiesen haben, mit derartigen Problemen völlig überfordert zu sein. Insofern stellt sich die Frage überhaupt nicht mehr. Entweder die Menschheit kooperiert (und wenn sie schlau ist, dann lernt sie dabei aus der unter anderem von Ostrom analysierten Geschichte) oder sie scheitert. Dem Weltall ist es egal, ob die Erde lebt. Das sollte uns allen klar sein.

Und noch etwas. Elinor Ostrom war keine Weltverbesserin. Sie war eine hervorragende und sehr bescheidene Wissenschaftlerin, deren Beitrag zur Lösung unserer aktuellen Probleme allerdings nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Politisch war sie meines Wissens nach aber kaum.

22 Gedanken zu „Elinor Ostrom und die Fischfangquoten der EU

  1. Allerdings, so Beck, sei fraglich, ob eine solche Kooperation auch bei globalen Allmende-Gütern wie Ozeanen oder der Ozonschicht möglich ist. […] Entweder die Menschheit kooperiert (und wenn sie schlau ist, dann lernt sie dabei aus der unter anderem von Ostrom analysierten Geschichte) oder sie scheitert. Dem Weltall ist es egal, ob die Erde lebt.

    Der Menschheit ist es allerdings auch egal solange sie nicht wirklich als eine Einheit existiert, die als eine solche Entscheidungen treffen könnte. Die Herstellung eines globalen Füreinanders, das zur Verfolgung von tatsächlich weltweit gemeinsam (man könnte statt „gemeinsam“ m.E. auch „kommunistisch“ sagen) herausgerarbeiteten, entschiedenen und verfolgten Menschheitszielen befähigt, müsste erst einmal als Ziel formuliert werden eine solche Entscheidungsinstanz herzustellen. Geschieht dies nicht, ist es tatsächich fraglich, ob Kooperationen gelingen könnten, die ein sozial bzw. ökologisch vernünftges Füreinander erlauben. Schon weil Ozeane, die Ozonschicht, die relative Klimastabilität usw. ohne dem gar keine globalen Allmendegüter sind bzw. seien können!

    Sollte das eine ideologische Aussage sein? Nun dann …
    🙂

    Gruß hhh

  2. Na, die Idee von Ostrom war eben gerade nicht, dass man „eine Entscheidungsinstanz“ herstellen muss. Sie hob ja gerade die Vorteile von „polyzentrischen Systemen“ hervor. Vielfalt ist nicht gleich Chaos, sagte sie in ihrem Nobelpreisvortrag. Eine Mischung von kleinen und großen und ineinander verschachtelten Institutionen sei am wirkungsvollsten. Voraussetzung für gelingende Kooperation ist aber 1.) der Wille zur Kooperation, 2.) Vertrauen und 3.) die Kommunikation zwischen den beteiligten Akteuren. Daran muss man arbeiten und zwar hauptsächlich durch Kooperationsbereitschaft, durch Stärkung der eigenen Vertrauenswürdigkeit und durch echte Gesprächsbereitschaft. Zu letzterem gehört übrigens nicht nur das Reden, sondern auch das gelegentliche Zuhören (Was wissen wir zum Beispiel über die Gedanken der Griechen? Nichts!).

    Im Grunde zeigte Ostrom einfach Vorausetzungen für eine gelingende Kooperation auf. Man muss nicht kooperieren. Mann kann auch gegeneinander Krieg führen. Dies wird aber das Klimaproblem nicht lösen. Wir sitzen alle im gleichen Drink und das Glas steht auf einer ziemlich heißen Herdplatte. Wenn die Eiswürfel geschmolzen sind, dann wird es für uns alle gleichermaßen warm. Egal welche ökonomischen oder politischen Interessen wir verfolgen, es wäre besser, in diesem Falle schleunigst zu kooperieren.

  3. Na, die Idee von Ostrom war eben gerade nicht, dass man “eine Entscheidungsinstanz” herstellen muss. Sie hob ja gerade die Vorteile von “polyzentrischen Systemen” hervor.

    Hatte allerdings nirgends geschrieben, dass für die weltgemeinschaftliche Pflege, Nutzung, Erneuerung usw. globaler Allmendegüter nur eine einzige Entscheidungsinstanz zuständig wäre. Und die Fischereikooperative, in der polizentrisch entschieden werden kann, muss ja erst einmal als ein Zusammenschluss existieren in der die polizentrischen Enscheidungsprozeduren festgelegt werden können..

    • Und die Fischereikooperative, in der polizentrisch entschieden werden kann, muss ja erst einmal als ein Zusammenschluss existieren in der die polizentrischen Enscheidungsprozeduren festgelegt werden können …

      Eben nicht! Sie müssen nur miteinander kommunizieren. Es gibt keinen Anführer in einem Schwarm von Staren. Es ist nicht einmal erforderlich, die Bildung eines Schwarms zu beschließen. Er bildet sich einfach … sofern es sich um Schwarmvögel handelt, die gewissermaßen eine Bereitschaft zu kooperativem Handeln mitbringen. Hundert Molche wird man nie dazu bewegen, im Schwarm zu schwimmen. Hundert Heringe tun dies automatisch.

      Um dies nochmals auf polyzentrische Verwaltung zu beziehen: Laut Ostrom ist eine Mischung verschiedener Institutionen unterschiedlicher Größe erfolgreicher, als eine einzelne hierarchisch strukturierte Institution. Sie sagt: Vielfalt und Komplexität bedeutet nicht Chaos. Es ist völlig akzeptabel, ein totales Durcheinander von Prozeduren auf lokaler Ebene zu haben, solange zwischen den einzelnen Institution Vertrauen, Kommunikation und Bereitschaft zur Kooperation existiert.

      Und dies ist keine politische These, sondern eine wissenschaftliche Beobachtung.

      • Es gibt keinen Anführer

        Auch von der Notwendigkeit von Anführern ist bei mir keine Rede. Ich denke im Übrigen nicht, das globale Menschheitsprobeme nach Starenart bewältigt werden können – ob nun polyzentrisch oder eineweltschwärnersisch. Diese Vorstellung stützt im meinen Augen geradezu die Bedenken des FAZ-Autors, dass fraglich sei, „ob eine solche Kooperation auch bei globalen Allmende-Gütern wie Ozeanen oder der Ozonschicht möglich ist“ Oder mit anderen Worten, dass es auch globale Allmende-Güter geben könnte.

  4. Ich wollte Dir keine Anführer unterschieben.🙂

    Aber Ozeane und die Ozonschicht sind längst Common-Pool-Ressourcen. Sie gehören niemandem und werden gemeinsam von der gesamten Menschheit und der sie umgebenden Natur genutzt.

    Die Frage ist, ob sie erfolgreiche erhaltene Common-Pool-Ressourcen werden oder solche, die durch Übernutzung oder Exzesse der Märkte zerstört werden – und wir Nutzer gleich mit.

    Der Gedanke einer eineweltschwärmerischen Starenherde, welche die Welt rettet, war nun auch nicht meiner (insofern 1:1). Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass komplexe Systeme (wie ein Starenschwarm) funktionieren und zwar ohne eine hierarchische Organisation. Dass dies auch in komplexen gesellschaftlichen Zusammenhängen möglich ist, war bei Ostrom kein politisches Programm, sondern eine Beobachtung.

    Sie macht diesen Punkt in ihrer Nobelpreisrede sehr prägnant:

    Not a single instance was found where a large centralized police department outperformed smaller departments serving similar neighborhoods in regard to multiple indicators.

    Welche hierarchische Organisation funktioniert denn so gut, dass sie das Weltklimaproblem bewältigen kann?

    Welches wachstumsorientierte Markt hat denn bisher dazu beigetragen, die CO2-Emissionen wirkungsvoll zu reduzieren?

    Keine! Alle bisherigen Bemühungen haben hoffnungslos versagt.

    Ich bin überzeugt, dass dieses Problem nur durch einen kooperativen Ansatz zu bewältigen ist. Ob eine erfolgreiche Kooperation allerdings rechtzeitig zustande kommen kann, darüber spekuliere ich lieber nicht. Denn dafür benötigt es laut Ostrom Vertrauen, Bereitschaft und Kommunikation. Und genau daran hapert es an allen Ecken und Enden.

    Aber in Depression zu verfallen, nützt dem Klima auch nicht. Man muss daran arbeiten. Eine Alternative dazu gibt es nicht.

  5. Vielfalt ist nicht gleich Chaos

    Das ist richtig. Aber was bringt dich auf die Idee, dass es eine Nivellierung von Vielfalt bedeuten würde, sich als eine Menschheit zu formieren um in der Lage zu sein, gemeinsam Menschheitsprobleme zu bestimmen und deren Bewältigung weltgemeinschaftlich anzugehen?

    Eine Mischung von kleinen und großen und ineinander verschachtelten Institutionen sei am wirkungsvollsten.

    Genau. Anders ließe sich die Formation einer Menschheit, die weltgemeinschaftliche Schlauheit erlaubte, wohl auch nicht vorstellen.

    Voraussetzung für gelingende Kooperation ist aber 1.) der Wille zur Kooperation, 2.) Vertrauen und 3.) die Kommunikation zwischen den beteiligten Akteuren. Daran muss man arbeiten und zwar hauptsächlich durch Kooperationsbereitschaft, durch Stärkung der eigenen Vertrauenswürdigkeit und durch echte Gesprächsbereitschaft.

    Klingt etwas tautologisch, oder?

    Was Ostroms Voraussetzungen angeht, meine ich mich zu erinnern, dass es dabei auch um klar definierte Zwecke der Kooperation geht, wer warum dazu gehört usw.

    Zu letzterem gehört übrigens nicht nur das Reden, sondern auch das gelegentliche Zuhören (Was wissen wir zum Beispiel über die Gedanken der Griechen? Nichts!).

    Zeigt nicht die Art, wie du hier das WIR bestimmst, nämlich national oder zumindest ohne „die Griechen“ und auf ansonsten unbestimmte Peers verweisend, dass Schwarmintelligenz nicht unbedingt zur „Schlauheit der Menschheit“ führt?

    Ich lese ganz schön viel Gottvertrauen aus deinen Zeilen. Sich nicht am Ende zur Menschheit formierende Nationen, Individuen, Institutionen usw. können aber auch ganz anders als von dir erhofft auf den Klimawandel reagieren. Sie könnten zum Beispiel auf die altdeutsche Idee kommen, ihnen missliebige Teile der Menschheit auszurotten um so zumindest den eigenen Preers auch weiterhin ein cooles Dasein zu ermöglichen. Faschistische Ideen aller Art können eben auch „Schwarmintelligenz“ generieren.

    • Uff. Du verteilst mal wieder harte Nüsse. Nun gut. Hier also meine verzweifelte Gegenwehr:

      „Sich als eine Menschheit zu formieren“

      ist auch ein ambitioniertes Projekt.

      „Klingt etwas tautologisch, oder?“

      Warum?

      „Zeigt nicht die Art, wie du hier das WIR bestimmst, nämlich national oder zumindest ohne “die Griechen” und auf ansonsten unbestimmte Peers verweisend, dass Schwarmintelligenz nicht unbedingt zur “Schlauheit der Menschheit” führt?“

      Wie kommst Du auf national? Ich rede von uns. Von Dir und mir. Mein Leser und ich. Kommst Du aus Griechenland? Dann können wir als Beispiel statt der Griechen (in der Eurokrise) auch meine Nachbarn nehmen. In dieser Hinsicht bin ich ziemlich flexibel. Mir ging es eigentlich nur darum, dass man in einer Kommunikation auch hören und nicht nur reden muss.

      „Ich lese ganz schön viel Gottvertrauen aus deinen Zeilen. Sich nicht am Ende zur Menschheit formierende Nationen, Individuen, Institutionen usw. können aber auch ganz anders als von dir erhofft auf den Klimawandel reagieren. Sie könnten zum Beispiel auf die altdeutsche Idee kommen, ihnen missliebige Teile der Menschheit auszurotten um so zumindest den eigenen Preers auch weiterhin ein cooles Dasein zu ermöglichen. Faschistische Ideen aller Art können eben auch “Schwarmintelligenz” generieren.“

      Ich habe nie behauptet, dass ein Schwarm Heringe Schlau sei. Ich habe nur gesagt, dass er ohne Top-to-Bottom-Struktur funktioniert.

      Ostrom sagte, dass in den von ihr analysierten Projekten die polyzentrischen Organisationen immer erfolgreicher waren, als monozentrische, Top-to-Bottom-Hierarchien. Man kann das Nachhören in ihrer Nobelpreisrede:

      http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/economic-sciences/laureates/2009/ostrom-lecture.html

      Das altdeutsche Beispiel geht mir eindeutig zu weit. Commons sind doch keine heilsbringende Religion. Natürlich sind Commons kein Ersatz für Ethik. Etwas derartiges hat aber niemand je behauptet.

      • Tautologisch klingt in meinen Ohren, wenn ich aus einer unbewiesenen Behauptung die Notwendigkeit einer zweiten, ebenso unbewiesene Behauptung abgeleitet höre. Ich warte also gespannt auf eine Erörterung von Bedingungen für den als notwendig erkannten Willen zur Kooperation und höre dann lediglich, dass für den Wilen zur Kooperation Kooperationsbereitschaft notwenig ist😉

        Kommst Du aus Griechenland?

        Nein, aber es war in Frage gestellt, ob sich hinreichend Kooperationsbereitschaft, Vertrauen und Kommunikation im globalen Füreinander herstellen ließe, um etwa im Hinblick auf Nutzung, Pflege, Schutz, Wiederherstellung, Weiterentwicklung von Naturressourcen zu vernünftigen Produktionszielen, -methoden, -mengen usw. zu kommen. Und ich meine, dass dies tatsächlich nicht gelingen kann, solange diese Frage einem WIR überlassen ist, zu dem „die Griechen“ offenbar nicht dazu gehören😉.

      • Ich habe nie behauptet, dass ein Schwarm Heringe Schlau sei.

        Du hattest Hoffnung geäußert, dass die Menschheit die Sache mit der Reduktion von Treibhausgasen schlau anfängt und ich habe eingewandt, dass die Menschheit erst einmal als etwas formiert sein müsste, das sich schlau oder dumm anstellen kann. Worauf du entgegnetest, dass sich ein schlaues Handeln polyzentrisch und mittels Schwarintelligenz herstellt. Offenbar hattest du mich aber missverstanden.

        Ich habe nur gesagt, dass er ohne Top-to-Bottom-Struktur funktioniert.

        Die Notwendigkeit einer Top-to-Bottem-Struktur hatte ich ja gar nicht behauptet.

        Ich behaupte ja lediglich, dass partiell regional oder lokal begrenzte Vergesellschaftung (Wirtschaftskreisläufe etc.) ohne globale Kooperation hinsichtich gemeinsamer Ziele und Standards nicht nachhaltig funktionieren können.

      • Ich glaube, im Schwäbischen nennt man das Griffelspitzigkeit. Ein mildes Schimpfwort, ausgehaucht im Modus der Verzweiflung.

        Die Beobachtung, die ich beschreiben wollte, war:

        1.) Kooperation gelingt häufiger, wenn sie nicht erzwungen wird, sondern die Beteiligten tatsächlich gemeinsam eine Lösung finden wollen.
        2.) Kooperation gelingt häufiger, wenn die Kooperationspartner Vertrauen zueinander haben.
        3.) Kooperation gelingt häufiger, wenn die Kooperationspartner möglichst viel und häufig miteinander kommunizieren.

        Dies war nur ein Ausschnitt, der mir besonders wichtig erschien. Ich hoffe, es wirkt jetzt weniger tautologisch. Ostrom hat solche und viele andere Beobachtungen und ihre Signifikanz ausgiebig statistisch untermauert und dies in zahllosen Fachartikeln publiziert.

        Vielleicht sollten wir uns in die Orginalliteratur vertiefen, statt uns mit meiner ungelenken Formulierungkunst herumzuschlagen.🙂

        Was die Griechen betrifft, so dachte ich eher an die Phrasen zur Reform der griechischen Wirtschaft, die allenthalben kreuz und quer durch den Äther schwirren. Ungeachtet größter Ahnungslosigkeit darüber, was die Griechen selbst eigentlich für Gedanken hierzu haben.

        Aber jetzt genug! Ich werde nie wieder das Wort WIR benutzen. Ich schöre es bei meinem Haupthaar. Denn ich bin kein Nationalist, der die Griechen aussperren will.

    • Sich als eine Menschheit zu formieren”

      ist auch ein ambitioniertes Projekt.

      Ja, so ambitioniert, dass bisher so gut wie niemand auch nur daran zu denken wagt. Gegen die Notwendigkeit eines globalen Füreinanders, das auf ein – am Ende weltgemeinschaftliches – Nachhaltigkeitsmanagement basiert, sehe ich dennoch weit und breit keine vernünftigen Einwände.

      Natürlich muss verstanden werden, dass das eine als solche handlungsfähige Menschheit nicht von heute auf morgen Realität sein kann. Aber diese Perspektive im Blick hilft, im Hier und Jetzt verborgenen Potenziale zu erkennen, die unter Umständen in diese Richtung gehen bzw. bewegt, weiterentwickelt usw. werden können.

      • Ich habe oft den Gedanken, bei der Commons-Bewegung ginge es genau darum. Aber die Menschheit kann sich nicht hierarchisch formieren. Vielleicht kann sie sich jedoch wie ein Schwarm formieren – emergent aus neuen oder wiederentdeckten Handlungsmustern, die so überzeugend sind, dass sie sich selbst verbreiten.

  6. Aber Ozeane und die Ozonschicht sind längst Common-Pool-Ressourcen. Sie gehören niemandem und werden gemeinsam von der gesamten Menschheit und der sie umgebenden Natur genutzt

    Genau das bestreite ich, weil ich denke, dass es tatsächlich keine Commons ohne Commoning gibt. Dass etwas niemand gehört und also niemand über deren mehr oder auch weniger schlaue Nutzung bestimmen kann, macht es nicht zum Common.

    Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass komplexe Systeme (wie ein Starenschwarm) funktionieren und zwar ohne eine hierarchische Organisation. Dass dies auch in komplexen gesellschaftlichen Zusammenhängen möglich ist, war bei Ostrom kein politisches Programm, sondern eine Beobachtung

    Spontan entstehende Handlungsmuster, die sich um irgend etwas Schlaues herum herauskristallisieren und super vernetzte Eigeninitiativen generieren, können natürlich eine sehr kommunismusproduktive Rolle spielen. Nur hängt deren Potenzial in jede Richtung (im Guten wie im Schlechten) eben auch von bestimmten Voraussetzungen, Grenzen, Mindeststandards usw. ab, die durchaus auch einmal für alle gelten könnten, also am besten auch gemeinsam, und das kann aben auch weltgemeinschaftlich heißen, (mit) bestimmt sind.

    Welche hierarchische Organisation funktioniert denn so gut, dass sie das Weltklimaproblem bewältigen kann?

    Zu organisieren bedeutet immer, zu hierarchisieren, wie Frage ist stets wie, für wen, was usw..

    Dass die schlecht ausgestatteten und überhaupt sehr machtlosen Gremien der UN, die derzeit dabei sind, Nachhaltigkeitsziele auszuarbeiten, im Hinblick auf die gegenwärtige Destabilisierung unseres Klimasystems nicht das an Zielen setzen, geschweige durchsetzen können, das notwendig wäre, um eine nicht mehr beherrschbare Klimasause zu verhindern, zeigt doch gerade die Notwendigkeit der Etablierung einer als solche handlungsfähigen Menschheit. Wir müssen uns die Möglichkeit erarbeiten, unser globales Füreinander auf Grundlage eines – am Ende weltgemeinschaftichen – Nachhaltigkeitsmanagement zu organisieren.

    Ich bin überzeugt, dass dieses Problem nur durch einen kooperativen Ansatz zu bewältigen ist.

    Genau, und deshalb muss die Möglichkeit des vertrauenvollen Kooperierens auch auf Weltebene geschaffen werden😉.

    • Dass etwas niemand gehört und also niemand über deren mehr oder auch weniger schlaue Nutzung bestimmen kann, macht es nicht zum Common.

      Ich schrieb, dass Ozeane und Ozonschicht sogenannte Common-Pool-Ressourcen sind und nicht, dass sie ein Commons wären.

      Ein Commons ist kein Ozean, sondern eine Art und Weise, gemeinsam Ressourcen zu nutzen.

      Eine Common-Pool-Ressource kann aber ein Ozean oder eine Ozonschicht sein.

      Zu organisieren bedeutet immer, zu hierarchisieren, wie Frage ist stets wie, für wen, was usw..

      Tut mir leid, aber dem kann ich absolut nicht zustimmen. Nur weil dies meistens so gemacht wird, ist es längst nicht erforderlich.

      Es gibt längst eine handlungsfähige Menschheit. Es gibt nur keinen handlungsfähigen König, der alles für uns richtet. Wir können nicht warten, bis die Menschheit sich einig ist.

      Wir müssen jetzt handeln. Heute. Sofort!

      • Common-Pool-Ressources.nun gut, Vom Faz-Autor in Frage gestellt war die Möglichkeiten, dass bisheriges Niemandsland oder bisher privateigentümlich (nach Recht des Kaufkäftigeren) ausgebeutete Ressourcen zu globalen Commons gemacht werden könnten.

        Und meine Position ist, dass dies nur so lange fragwürdig ist, wie die Globalisierten dieser Erde sich nicht zu einer Menschheit formieren, die die Verfolgung gemeinsamer Menschheitsziele ermöglicht.

        Zu organisieren bedeutet immer, zu hierarchisieren, wie Frage ist stets wie, für wen, was usw.

        Man kann nicht nicht hierarchisieren.

        Tut mir leid, aber dem kann ich absolut nicht zustimmen. Nur weil dies meistens so gemacht wird, ist es längst nicht erforderlich.

        Prioitätensetzung bedeutet stets Hierchisierung, und Prioitäten müssen doch wohl gesetzt werden. Die Frage ist immer, wie, und von wem, unter welchen Umständen Prioitäten gesetzt werden. Etwa um Menschheitsprobleme zu bestimmen. .

        Es gibt längst eine handlungsfähige Menschheit. Es gibt nur keinen handlungsfähigen König, der alles für uns richtet. Wir können nicht warten, bis die Menschheit sich einig ist.

        Klingt recht widersprüchlich. Eine handlungsfähige Menschheit gibt es demnach, aber nur wenn sie sich, was sie allerdings nicht macht, einen guten König unterordnen würde, der der Menschheit ein gerechtes Väterchen wäre.

        Ich wäre wohl nicht der einzige, der eine solche Hierchisierungsinstanz bzw. eine Hierarchie, die so einen König braucht, nach Kräften bekämpfen würde.

        Wir müssen jetzt handeln. Heute. Sofort!

        Das angesprochene WIR scheint diesen Apell nicht hören zu können. Aber wie verzweifelt muss sein, wer anderes erwartet.

      • Prioitätensetzung bedeutet stets Hierchisierung, und Prioitäten müssen doch wohl gesetzt werden.

        Nein. Wieso müssen Prioritäten gesetzt werden? Jeder Mensch HAT Prioritäten, die sich aus seinen Bedürfnissen ableiten. Du kannst keine Prioritäten für andere setzen. Du kennst doch deren Bedürfnisse überhaupt nicht.

        Wenn 100 Leute ins Kino gehen wollen, dann treffen sie sich dort. Das musst du nicht organisieren. Du musst nur ein Kino bereitstellen, sonst klappt es nicht.

        Das angesprochene WIR scheint diesen Apell nicht hören zu können.

        Wie kommst Du darauf? Es gibt immer mehr Leute, die handeln. Und es lohnt sich, dies mit aller Energie zu unterstützen.

      • Du kannst keine Prioritäten für andere setzen. Du kennst doch deren Bedürfnisse überhaupt nicht.

        Da beschreibst du allerdings den gewohnten, kapitalistischen Zustand dem es bekanntlich an Kommunikation, Vertrauen und Kooperation fehlt🙂.

      • Jeder Mensch HAT Prioritäten, die sich aus seinen Bedürfnissen ableiten. Du kannst keine Prioritäten für andere setzen. Du kennst doch deren Bedürfnisse überhaupt nicht

        .

        Diese Ansicht könnte evt. auf Informationsmangel verweisen, vielleicht auch auf ein mangeldes Bedürfnis nach Informationen, die die eigenen Ansichten womöglich nicht bestätigen.

        Was ist, wenn 100 Leute ins Kino gehen um Starwars zu glotzen, aber keiner von ihnen das Bedürfnis hat, sich das folgende kleine Filmchen zu Gemüte zu führen?

        http://www.e-politik.de/lesen/artikel/2014/wissenswerte-fleisch-und-nachhaltigkeit/

  7. 1.) Kooperation gelingt häufiger, wenn sie nicht erzwungen wird, sondern die Beteiligten tatsächlich gemeinsam eine Lösung finden wollen.
    2.) Kooperation gelingt häufiger, wenn die Kooperationspartner Vertrauen zueinander haben.
    3.) Kooperation gelingt häufiger, wenn die Kooperationspartner möglichst viel und häufig miteinander kommunizieren.

    Ja, das sind Essentials für Commons und das gilt natürlich auch für ein weltgemeinschaftliches Für- bzw. Miteinander.

    Dass dies auf Weltebene derzeit, also auf Grundlage unseres kapitalistischen Für- und Widereinanders nicht funktioniert, ist ja mit deinem Beispiel der falschen Wahrnehmung der Probleme wie sie in Griechenland herrschen oder des Mangels an Interessse daran in unserem fetten Deutschland richtig benannt.

    Nur ist das ja gerade der Grund meiner Behauptung, dass die derzeitigen Interaktionsformen es uns nicht erlauben, als Menschheit zu handeln, d.h.nicht entsprechend gesamtgesellschafticher (oder ökologischer) Vernunft.

    Das große Problem ist, dass die Herstellung von Kooperationen auf Weltebene, die auf freie Kommunikation und daher gegenseitges Vertrauen aufbauen in geselleschaftlichen Strukturen beginnen muss, die zwar die technologischen und teilweise auch kulturellen Voraussetrzungen eines kooperativen Füreinander auf Grundlage von Kommunikation und Vertrauen auf Weltebene schafft, aber in wesentlichen Dingen sowohl Kooperation, als auch Kommunikation und Vertrauensbildung blockiert.

    Es bleibt einem also nicht anderes übrig als das herauszuarbeiten, was in Richtung der gewünschen vertrauensvollen Kooperation auf Weltebene geht oder u.U. gehen könnte. Die Verankerung des Prinzip der gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung in der Erklärung von Rio auf der UN Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro im Jahre 1992 ist in Meinen Augen etwa so ein Kristilisationskern um das herum sich freie Vergemeinschaftungsmuster bilden können, die sich dann auch ganz eigenständig bewegen und weiterentwickeln.

    Ohne verbindliche Emmissionsreduktionsziele und Nachhatigkeitsstandards werden sich die aber irgendwann mausetot laufen.

    Aber jetzt genug! Ich werde nie wieder das Wort WIR benutzen. Ich schöre es bei meinem Haupthaar. Denn ich bin kein Nationalist, der die Griechen aussperren will.

    🙂 Bitte nichts für Ungut, halte dich natürlich nicht für einen Nationalisten.

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