Reich werden ohne Kapitalismus

Commons Sommerschule Schuhe Buch by Anja Schoeller CC BY NC0130709190832-ba16ed17-meGastbeitrag von Nicolai Wolfert

(Vorbemerkung: Dies ist ein Auszug der Überlegungen des Gründers von Leila – einem der kohärentesten commoners, die ich kenne – nach der 2. Commons Sommerschule; vollständiger Text); : Die Links habe ich eingefügt und nur ein paar persönliche Danksagungen gelöscht. Der Versuch, verständlich zu bleiben und Commons alltagstauglich zu vermitteln, ist Nicolai hervorragend gelungen. Deshalb freue ich mich, diesen Beitrag hier publizieren zu können.)

Philosophie der Praxis der Commons – Wir haben wichtige Frage gestellt…

Auf der Sommerschule wurde mir bewusst, dass Commons praktische Philosophie brauchen. Das Konzept von “Commons” geht tief an die Wurzel von Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Organisation, aber auch an unser Miteinander und uns Selbst. Ziemlich viel Interdisziplinarität und dann auch noch Machen. Nur das Ganze ist das Wahre. Fragen entfalten sich bei mir: Wie behandeln wir andere, den nächsten, die Person, die vor mir steht? Andererseits stelle ich fest, dass wir als KonsumentInnen und Arbeitende Teil des “Systems” sind. Was tief in uns wurzelt, sind unsere Gewohnheiten (Denkgewohnheiten, Handlungsgewohnheiten, Soziale Gewohnheiten, Arbeitsgewohnheiten, gar Rituale), dagegen ist es – wie Silke betont – wichtig eine Sprache der Commons.zu formulieren, denn Sprache schafft Wirklichkeit (danke Nele). Oder anders gesagt: Ist erst das Reich der Vorstellung revolutioniert, so hält die Wirklichkeit nicht Stand. Georg Friedrich Wilhelm Hegel (1770 – 1831), Philosoph.

Doch wie entstehen nun Commons?

1.. Durch Sprache (als Erkenntnis und Vorstellungswelt),
2.. Durch ein Zusammentreffen von Menschen, die sich gemeinsam Regeln und Pläne geben
3.. Durchs Machen im Alltag
4.. Durchs gemeinsame Umsetzen und Gründen von Institutionen (wie CSA, Leihläden, kollektiven Wohnprojekten etc.
5.. Durch teilen von Arbeit und Konsum (Freude, Gegenstände)
6.. Rückblick und Verbesserung auf das Geschehene.

Wie werden Commons erhalten?

1.. Durch uns selbst
2.. Vertrauen, Anerkennung und Einhaltung der gemeinsamen Regeln
3.. Ausreichende Produktivität und Schutz der Güter (und nicht Tragik der Allmende)
4.. Ausreichend feiern und arbeiten.

Zur Commons-Sprache gehört eine “Semantik der Commons”, die wir noch entdecken. Die Dinge sind nicht als Dinge in unserem Alltag, sondern die Dinge erhalten eine Bedeutung (vgl. Blumers Symbolischer Interaktionismus) von uns für uns und andere in der Gesellschaft. Wir können eine Weide als Allmende oder Eigentum betrachten. Es ist eine Frage der Interpretation, Anschauung und Rechts-Interpretation. Wir können Dinge wie Erdbeeren als Ware oder als Commons-GÜTER und Geschenk für andere betrachten und danach handeln.

If men define something as real, it will be real in the consequences.(Thomas-Theorem)

Es liegt an uns wie wir unsere Welt und unser Miteinander gestalten. Wir sind am Hebel der Zukunft, auch wenn wir es nicht merken. Wie Regeln gemeinsam hergestellt (Rechtfertigung) werden, so entstehen Bedeutungen/ Definitionen/ Interpretationen gemeinsam in der Gesellschaft (Habermas Lebenswelt, bei Gidden Signifikation, Dimension des Sozialen).

Commons bestehen aus Beziehungen und Geflechten aus Beziehungen wie ein Netzwerk. Weil wir uns kennen, müssen wir uns nicht als VerkäuferIn und KäuferIn begegnen und z.B. Preise aushandeln, sondern können – fast wie Freunde – uns Dinge oder Dienstleistungen teilweise schenken oder teilen oder leihen (Stichwort Leihladen). Fast ohne Geld, aber mit Vertrauen und Regeln. Wie in einer WG.

Die beiden Arten von Beziehung
1) die asymmetrische Käufer-Verkäufer-Beziehung und
2) die symmetrische Freund-Freund-Beziehung

hat auch der polnisch-brititsche Soziologe Zygmunt Baumann herausgearbeitet. (Zygmunt Baumann 1984, S. 126 Gabe und Tausch). Es gilt nun von Geld-Beziehungen auf Vertrauen durch Regeln umzuschalten. Shift. Umdenken. Von Schulden auf Beitragen. Vom Tausch von Ware gegen Geld hin zum Teilen. Vom KonkurrentIn/en zum CommonerIn.

Wichtig ist auch der Prozess des Commoning, der ein Kennenlernen, Vertrauen, gemeinsame Regeln schaffen und akzeptieren bedeutet. Commoning bedeutet, dass Menschen zusammenkommen (Polis). Mit dabei sind Gefühle, Regeln und Interessen. Dazu definiert der Soziologe Max Weber:

“Vergemeinschaftung soll eine soziale Beziehung heißen, wenn und soweit die Einstellung des sozialen Handelns (…) auf subjektiv gefühlter Zusammengehörigkeit der Beteiligten beruht. Vergesellschaftung soll eine soziale Beziehung heißen, wenn und soweit die Einstellung des sozialen Handeln auf rational (wert- oder zweckrational) motivierten Interessensausgleich oder auf ebenso motivierter Interessenverbindung beruht.” (Weber 1922, S. 21).

Yeah! „Reich werden“ ohne Kapitalismus –


Commons – The Easiest Way to Make an Easy Living

Commons werden sich durchsetzen, wenn
1) in allen Lebensbereichen und Bedürfnissen (Wohnen, Essen; Musik, Beziehungen) wirtschaftlich tragfähige Konzepte und Institutionen entwickeln (danke Gunter), wenn
2) wir uns vertrauen und auf uns verlassen können
3) wenn wir Gutes tun und selbst gut sind. Dann bestehen sie in guten wie in schlechten Tagen.

Was tun gegen Einhegungen (enclosure)?

Strukturen schaffen, die
a) offen für alle und
b) strukturiert sind durch gemeinsame Regeln und Schutz vor Einhegungen.

Was ist das Ziel von Commons?

Ein gutes Leben für alle. Ich glaube, dass das gute Leben einen guten Menschen in einer guten Gesellschaft braucht. Ich möchte kein idealistisch-verlogenes Menschen- und Weltbild, aber Commons können nicht nur funktional-mechanisch geplant und organisiert werden, sie brauchen unsere Überzeugung, aber nicht erstarrte Dogmatik. Vertrauen entsteht nur zwischen guten Menschen und wenn erwartet warten kann, dass das Vertrauen gut behandelt wird.

Wie befriedigen Commons unsere täglichen Bedürfnisse wie Hunger oder Wärme?

Wissen, Produktionsmaschinen und Dinge sind heutzutage soweit ausgefeilt, dass sie zu einer (Über-)Fülle an Güter geführt haben und uns von übermäßiger Arbeit entlasten (Stichwort Automation). Eine Commonie muss produktiv sein, um alle zu versorgen und die Kühlschränke zu füllen. Lasst uns Open Source Ecology nutzen! http://opensourceecology.de/ Unser produktives Wissen (Orga-Knowhow, Baupläne für Maschinen und Produktion) teilen mit anderen Communien weltweit! In der Communie brauchen Menschen weniger. Warum? Weil sie auf ihre Bedürfnisse hören können und nicht auf bedürfnisstimulierende Werbung.

Wie schaffen wir die kritische Masse?

Wir schaffen es, wenn wir unsere Freunde anfixen. Wenn alle die Vorteile von Commoners verstehen und mitmachen.

Commons sind mehr Freiheit vom Lohnarbeit und Geldzwang.
Commons sind mehr Miteinander als Gegeneinander.
Commons pflegen die Natur statt sie auszurauben.
Commons sind effizienter als Eigentum.
Commons bedeuten weniger soziale Ungleichheit statt Kampf von Arm und Reich.
Wir schaffen es, wenn Commons sichtbar bei uns und der Öffentlichkeit sind.

Beginnen wir bei den Menschen, die Commons schon leben und verbinden uns mit ihnen. Überzeugen wir auch unsere Bekannten. Diskutieren wir mit SkeptikerInnen.

Jetzt ist er da! Der Durchbruch für Commons

Nikolas sagt zu mir: “Die Timeline: Jetzt ist sie da!” Die Timeline war für uns ein konkreter Weg in die Commons. Jeder Schritt soll klar sein. Von hier aus geht es in die Commonie. Dieser Weg wird kein leichter sein. Der Weg wird ein gemeinsames Ziel haben. Die Richtung braucht einen Plan von der Wirklichkeit (ein Szenario von einer Commonie). Die Anforderung an Kraft fordert uns auf stark zu sein und durchzuhalten wie beim Marathon.

Auf zahlreiche Fragen haben wir TeilnehmerInnen viele Antworten gegeben. Wir haben die Architektur und den Stadtplan der neuen Commons-Wirtschaft skizziert. Und auch von Gesellschaft und von uns (Stichwort Kompetenzen). Wir können an dieser Architektur planen, sie besprechen. Wir können uns überlegen, ob wir die jetzige Wirtschaft sanieren, modernisieren oder abreißen. Eine Stadt der CommonistInnen: wird durch Räume, Pläne, Szenarien entstehen.– Sargfabrik, CSA, Leihladen, Mitmachparlament (Schweiz).

Wir haben erste umfassende Modelle geschaffen, die in Leben und Wirtschaft schon bedeutend sind. Danke an Dave und Gunter. Dave für den Überblick über das Ganze. Ich würde es die Systemfrage nennen. Gunter dafür Commons in allen Lebensbereichen zu denken und umzusetzen. Das nenne ich die Existenzfrage.


Schritte in die Commonie

Lerne Commons zu denken Als Gemeinschaft (engl. gathering) und als gemeinsame Ressource.
Lerne Commons zu fühlen, zu sehen und hören.
Lerne Commons zu gründen, zu wirtschaften, zu planen
Lerne Commons gemeinsam zu regeln,
Lerne Commons Freunde, Fremden zu erklären und sie von den Vorteilen anzufixen,
Lerne Commons zu konsumieren, besser zu feiern!
Lerne Commons zu erarbeiten und stärken
Lerne Commons- Kompetenzen zu entwickeln und wirklich anzuwenden!
Lerne Commons-Institutionen zu gründen und es wirklich zu tun!
Lerne Commons mit deinen Bedürfnissen zu vereinbaren.

——
Und hier geht’s zum pad für die weitere Diskussion.
Danke Nicolai!

14 Gedanken zu „Reich werden ohne Kapitalismus

  1. Die Dinge sind nicht als Dinge in unserem Alltag, sondern die Dinge erhalten eine Bedeutung (…) von uns für uns und andere in der Gesellschaft.

    Alle „Dinge“ waren allerdings schon immer lediglich in ihrer BEDEUTUNG innerhalb bestimmter Wechselwirkungen (jeweils mit anderen als Einheiten bzw. Elemente bestimmten Dinge).relevant.

    Das Neue mag sein, dass im Zuge der Commons-Diskussion die aus dem kapitalistischen Füreinander naturwüchsig hervorgehende Vorstellungen stärker hinterfragt wird, dass die derzeit vorherrschenden (kapitalistischen) Formen des Füreinanders eigenen AUSTAUSCHRELATIONEN zwischen den als Gebrauchswerten funktionierenden Arbeitsergebnissen deren Eigenschaft sind.

    Was ebenso urwüchsig falsche (bzw. angesichts der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts untaugliche) Rechtsvorstellungen bzw. Unrechtsvorstellungen hervorbringt, die zum Beispiel Raubbau als Mehr an sozialer Gerechtigkeit erscheinen lassen..

    Siehe http://oekohumanismus.wordpress.com/2008/11/23/sind-wir-des-warensinns/

    Eben deshalb mystifiziert das unter Kapitalismusgegner_inen so beliebte unbestimmte „UNS“ und „ANDERE“ nur die Verhältnisse und und die sie bildenden und aus ihnen hervor gehenden Persönlichkeiten. was ich ich für die Entwicklung eines klaren Commons-Bewusstseins eher für abträglich halte.

    Wir können eine Weide als Allmende oder Eigentum betrachten. Es ist eine Frage der Interpretation, Anschauung und Rechts-Interpretation.

    Die Konstruktion eines solchen Gegensatzes ist m.E. Ausdruck einer dieser Mystifikation bzw. der Betrachtung von „Eigentum“ als ein „Ding“ statt zu sehen, dass die Entscheidung über die Verwendung von Gebrauchswerten (wie etwa einem Internetbrowser) entweder in privaten, von Privatinteressen bestimmten Händen liegt (wie etwa von Google) oder gemeineigentümlich (am Ende weltgemeinschaftlich) darüber entschieden werden kann.

    • Danke für deinen Kommentar. In dem ich schreibe, dass wir als KonsumentInnen und Arbeitende Teil des (kapitalistischen) Systems sind, gibt es die Grenze zwischen UNS und Andere nicht mehr. Trotzdem ist es wichtig sich als Commons-Mensch selbst zu vergewissern, welche Position eingenommen wird. Diese Position ist innerhalb des Systems und dessen Denken und Interpretierens (Ideologie), reicht aber etwas daraus hinaus. Wichtig ist auch, dass wir selbst unsere Welt und uns schaffen (hier und jetzt) – nicht vollständig, aber etwas. Anders formuliert: Die existenziellen und idellen Grundlagen unter denen wir handeln, leben, denken, lieben, essen können wir schon teilweise (!) bestimmen. Einige systemkritische Debatten verbleiben auf dem Niveau der Systemkritik. Da sind wir in der Commons-Debatte etwas weiter. Wir können eine Debatte entfalten, die auf der „Höhe“ des kapitalistischen System ist und auch produktiv (bzw. nicht nur Rhetorik) und emanzipativ werden.

      • Ja, ich vergaß den Hintergrund des Ganzen, also die Commons-Sommerschule die ja z.T.als ein Mittel verstanden wird, zu so etwas wie einem Sebstverständnis von Commons-Bewegten zu kommen. Da wird das Wir dann nachvollziehbar.

  2. Sehr interessanter Beitrag. Leider ist er sehr utopisch. Unsere Gesellschaft ist nicht darauf aus zu teilen. Da muss schon ein riesen Unglück passieren, damit die Menschen zusammen finden.

    • Hallo Boris,
      wo ist denn der Artikel utopisch? Ich habe ein großes Desinteresse an Utopien. Mir geht es um eine Analyse und eine Antwort über das gemeinsame Miteinander. Fakt ist doch, dass jeder Mensch, die ganze Zeit mit Menschen zu tun hat. Und du bestimmst, ob du dass nett und empathisch machst oder nicht.

  3. Es liegt an uns wie wir unsere Welt und unser Miteinander gestalten. Wir sind am Hebel der Zukunft, auch wenn wir es nicht merken

    Ich sehe kein irgendwie geartetes Wir und UNS an den Hebeln der Zukunft. Wer soll dieses Wir sein? Und an welchen Hebeln sind die dran?

    • Witzigerweise hat Zygmunt Bauman auch über die Konstruktion von „Wir“ und die „Anderen“ geschrieben. Im Buch „Vom Nutzen der Soziologie“, ab S. 56. Die Verwendung des Begriffs „Wir“ ist ein rhetorisches Mittel. Andere rhetorische Frage: Wer ist den eigentlich „Ich“? Da der Mensch nur durch Menschen zum Menschen wird, ist der Mensch immer auch sozial (Wir, Gruppen-Wesen, sozialisiert durch Eltern, Freund, Gesellschaft) – und natürlich individuell (Ich). Wobei kein Ich ohne Wir. Es gibt ja keine Kasper Hausers.

      „Wir“ sind alle Personen angesprochen, die ein Interesse haben Commons zu verstehen und umzusetzen.

      Zu den „Hebeln“: Ein Hebel funktioniert, a) wenn du einen Archimedischen Punkt gefunden hast.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Archimedischer_Punkt

      Die Commons-Debatte hat diesen Punkt umkreist, jetzt kann der Hebel angesetzt werden.

      b) wenn Kraft aufgewendet wird. Da ich meine gedanklich, rhetorischen, körperlichen Kräfte für die Aufgabe, die zu bewerkstelligen ist, als eher klein ansehe, machen wir es lieber gemeinsam in der Gruppe. Die Commons-Debatte legt das auch nahe.

      Hebel sind Prozesse des Commoning (Gruppenbildung, Entstehen von Gemeinsinn für Gemeinwohl). Hebel sind auch Technologie und Produktionsmaschinen (auch diese Internetseite ist ein Hebel in diesem Fall für Silke und uns, quasi ein Sprachrohr-Hebel).

  4. Max Weber:

    Vergemeinschaftung soll eine soziale Beziehung heißen, wenn und soweit die Einstellung des sozialen Handelns (…) auf subjektiv gefühlter Zusammengehörigkeit der Beteiligten beruht. Vergesellschaftung soll eine soziale Beziehung heißen, wenn und soweit die Einstellung des sozialen Handeln auf rational (wert- oder zweckrational) motivierten Interessensausgleich oder auf ebenso motivierter Interessenverbindung beruht.” (Weber 1922, S. 21)

    Yeah! „Reich werden“ ohne Kapitalismus

    Ich verstehe den Kommentar nicht. Weber konstruiert hier (auf Basis seiner damaligen Erfahrungswelt) einen überhistorischen Gegensatz zwischen einer auf rationalen Interessensausgleich aufbauenden (modernen) Vergesellschaftung wie sie sich auf kapitalistischer Basis herausgebildet hat und einer auf Sentamentalität, Mythen und Zwangsverhältnisse beruhenden (altmodischen) Vergemeinschaftung vergangener Tage.

    Die gegenwärtige Herausforderung scheint mir in der Notwendigkeit der Herausbildung moderner, d.h. individuell freiheitlicher und zugleich hochgradig rationaler (weil auf Mitbestimmung, ökologisch-wissenschaftliche Kompetenz und Planung fußende) Formen der Vergemeinschaftung zu liegen – am Ende der Menschheit.

    Das ergiebt sich aber nicht aus der Zauberkraft des Begriffs Vergemeinschaftung und schon gar aus dessen Vermischung mit dem Begriff der Vergesellschaftung.

  5. wenn wir Gutes tun und selbst gut sind. Dann bestehen sie in guten wie in schlechten Tagen

    Das erinnert schon sehr an ein Eheversprechen. Eben das meint Weber, wenn er „Vergemeinschaftung“ etwas nennt, das (auf das globale Füreinander bezogen) den Anforderungen (Fähigkeiten, Bedürfissen, Gefahren usw.) moderner Zeiten nicht mehr gerecht wird.

    Moderne, freiheitliche Formen der Vergemeinschaftung zeigte sich zu Beispiel an der Fähigkeit (und zuleich Notwendigkeit) zur Rechtfertigung des eigenen Tuns gegenüber Kritik.

    • Ehe ist eine Form der Gütergemeinschaft. Eine sehr kleine. Commons sind etwas größer. Sie brauchen eine Verlässlichkeit und Verantwortlich.
      Den Konflikt von Freiheit und Solidarität oder noch schärfer von individueller Freiheit (a la FDP) und gesellschaftlichem Zwang (a la Blockflöten-Sozialismus) würde ich gar nicht aufmachen. Commons sind für mich eine gute Verbindung von Freiheit und Solidarität.

      Zu deiner Aussage „Moderne, freiheitliche Formen der Vergemeinschaftung zeigte sich zu Beispiel an der Fähigkeit (und zuleich Notwendigkeit) zur Rechtfertigung des eigenen Tuns gegenüber Kritik.“ Es braucht wohl beides Selbstkritik und Rechtfertigung in der Gruppe oder Genossenschaft oder wie auch immer es genannt wird.

  6. Was tun gegen Einhegungen (enclosure)?
    Strukturen schaffen, die
    a) offen für alle und
    b) strukturiert sind durch gemeinsame Regeln und Schutz vor Einhegungen.

    Man sollte allerdings aufpassen, die Ablehnung von „Eingrenzung“ nicht zu einem Dogma zu machen, das auf alles und Nichts anwendbar scheint.

    So beruht etwa der Schutz indigener Produktionsweisen im Amazonasbecken auf die Eingrenzung der indigenen Territorien und der Möglichkeit Außenstehender, sie für sich zu nutzen.

    http://www.indigene.de/20.html?&L=1

  7. Was macht Commons zu solchen?

    Ein gutes Leben für alle.

    Führ mein Gefühl fällt das hinter einer Bestimmung von „nachhatiger Entwicklung“ zurück nach der am Ende alle gut leben können sollen ohne dass dies die ökologischen Grundlagen des guten Lebens auch anderer Lebenwesen zerstört.

    Vertrauen entsteht nur zwischen guten Menschen

    Das alte Problem: was mit den vielen bösen Menschen machen?

    • Ich kenne nicht viele „böse“ Menschen. Kein Mensch wird „böse“ geboren. Es ist die Wirtschaft und die Kultur des Gegeneinander, der Konkurrenz, aber das wird uns von oben runtergetrichtert. Es ist eine römische Herrschaftsstrategie „Divide et impera“.

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