Foodsharing: Wie rivale Ressourcen mehr werden, wenn wir sie teilen

DSC_7691Vermutlich bin ich wieder völlig out of date, aber zufällig bin ich auf der Suche nach Crowd Funding auf einen Film über Foodsharing gestossen, in dem eine wirklich großartige Idee kommuniziert wird. Interessant daran finde ich auch einen prinzipiellen Aspekt: Die Aussage, nur nicht-rivale Ressourcen könnten mehr werden wenn wir sie teilen, ist falsch! Mir ging die Idee schon vorgestern Nacht bei einem Spaziergang durch Wien durch den Kopf. Nach einem hervorragenden Essen im Ristorante La Delizia dachte ich: Es verdirbt einem den Appetit, rivale Ressourcen wie das Essen nicht zu teilen. Denn wenn andere hungern, bleibt einem selbst das beste Tiramisu im Halse stecken. Das erinnerte mich an einen Besuch in Kamerun. Ein junges Mädchen bat mich in Oku um eine leere Wasserflasche, die als Behältnisse für das Leitungswasser sehr beliebt sind. Ich gab ihr eine fast leere Flasche und beobachtete, wie sie den Rest des unerschwinglichen Flaschenwassers ganz gerecht mit anderen Kindern teilte. Die Idee, alles für sich zu behalten, nur weil ihr die Flasche gehörte, kam ihr offensichtlich nicht in den Sinn.

5 Gedanken zu „Foodsharing: Wie rivale Ressourcen mehr werden, wenn wir sie teilen

  1. Ich muss mich schon mal vorab für diesen kritischen Kommentar entschuldigen – aber vielleicht stachelt die zugespitzte Form auch die Diskussion an🙂

    Ich mag foodsharing.de und teile gern Lebensmittel mit befreundeten WGs. Aber ich komme nicht umhin zu sagen, dass ich die Aussage, rivale Ressourcen „würden mehr“, wenn wir sie teilen, problematisch finde. Sie werden es faktisch nicht. Die Lebensmittel „vermehren“ sich nicht, das haben schon Brot und Fisch nicht getan, als Jesus damals angeblich eine ganze Menschenmenge damit verköstigte. Was steigt, ist der Nutzen der wasserteilenden Freunde in Oku. An tatsächlich mehr Wasser sind sie durchs Teilen nicht gelangt.

    Warum die Klugsch***erei? Der Commonsdiskurs gewinnt nicht an Tiefe, wenn er einfache Effizienzerhöhungen (um mehr geht es in den Beispielen nicht: mehr Nutzenoutput aus gleichem Input) in einer menschelnden Sprache verpackt und das als neues Paradigma feiert. Und das sage ich nicht, um solche schönen Beispiele wie foodsharing.de oder die Kinder aus Oku zu diskreditieren. Sondern weil ich davon überzeugt bin, dass hinter Ostroms Erkenntnissen mehr steckt, als nur der Ruf nach einer Share Economy – die Demokratisierung der Wirtschaft durch Prosumentenbeteiligung etwa oder die politische Relevanz, die zivilgesellschaftlichen Wirtschaftsformen gegenüber den klassisch-konkurrenzorientierten erhalten.

    Noch zugespitzter: Was ich mir für die Commonsdebatte wünsche, ist weniger Sozialromantik a la „Sankt Martin teilt seinen Mantel“, und mehr grundsätzliche Arbeit an der Sprache und Idee aufgeklärt-gemeinschaftlichen Wirtschaftens und Lebens.

    • Absolut richtige Schlussfolgerung! Aber ich nehme mir die Freiheit, in einem Blog auch einmal eine beiläufige Beobachtung oder einen Gedanken zu formulieren, der an Tiefe leicht zu überbieten ist. Ein Blog ist ja keine Debatte. Und was die „menschelnde Sprache“ betrifft – das darfst Du gerne näher erläutern. Soll ich meine Sprache entmenscheln, um durch blütenreine Technokratenphrasologie nur ja nicht den Anschein zu erwecken, ein Menschlein zu sein – oder was? Sorry, aber ich führe keinen Diskurs über Ostroms Erkenntnisse im Rahmen grundsätzlicher Arbeit an der Sprache und Idee aufgeklärt-gemeinschaftlichen Wirtschaftens und Lebens. Ich bin einfach überzeugt, dass Commoning – so wie ich es verstehe – ein menschliches Grundbedürfnis ist. Und es macht mir Spaß, dies ins Bild zu setzen.

  2. Lieber Jakob, ich wollte weniger deine Sprache im Blogbeitrag kritisieren, als viel mehr meinem Gefühl Ausdruck verleihen, dass Anekdoten wie diese leider leicht ein missverständliches Bild von Commoning erzeugen (so positiv und lebensbejahend sie auch sein mögen). Dir ist ja sicher auch zu Ohren gekommen, dass die diesjährige Cebit die „Shareconomy“ zum Leitbild erhoben hat. Darauf fanden sich einige Zeitungen (FAZ, ZEIT), die diesen intellektuellen Kurschluss der Cebit und anderer (Teilen ist das neue Besitzen) kritisierten. Ich habe einfach die Befürchtung, dass der Begriff „Commoning“ verwäscht, in dem er in der Öffentlichkeit schlicht mit Teilen übersetzt wird. Das liegt ganz bestimmt nicht in deiner Absicht. Aber ich wollte das einfach mal ansprechen.

  3. Lieber Daniel. Ich gebe zu, ich habe Deinen Kommentar in völlig anderem Kontext gelesen und gebe Dir völlig Recht. Da jeder Blogbeitrag natürlich potentiell für sich steht, müsste man eigentlich stets die gesamte Geschichte erzählen. Dafür fehlt aber leider oft die Zeit. Mir geht es in Beiträgen oft darum, neben der ganzen Theorie und Ideengeschichte auch Bilder zu liefern und zu illustrieren, wie Kooperation eben gerade nicht nur „Sankt Martin“ ist, sondern ein ganz grundlegender Impuls, der dem Menschen ganz fundamental inne wohnt. Die Ideologie, egoistisches Agieren produziere Lustgewinn, während kooperatives Agieren und Teilen eine altruistische Spinnerei für Gutmenschen darstellt, ist sachlich unhaltbar.

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