„Krautfunding“ für eine Postkollapsfähige Allmendetechnik

Postkollapsfähige Allmendetechnik. Klingt das nicht irgendwie katastrophisch-charmant? Zumindest aber besser als Commons Based Peer Production?

Bei der Oya wird nicht nur geschrieben, sondern auch gemacht. Es gibt dort einen Allmendeacker, ganz ohne Zaun drumrum und sehr ertragreich. Und es gibt ein erstes Projekt für eine post-kollapsfähige Allmende-Technik, das die umtriebigen Oyas und Oyos mit Studierenden um Ralf Otterpohl (TU Hamburg) angeschoben haben. Es geht darum, den „Prototyp eines revolutionären gärtnerischen Geräts zu entwickeln“, so Oya-O-Ton: Den Bodenfuttertopf. Das ist durchaus im Wortsinne zu verstehen!

Das diesem „Topf“ zugrunde liegende Prinzip hat der Permakultur-Pionier Herwig Pommeresche entwickelt. Er hatte in Norwegen kargen Boden in hochfruchtbare Erde verwandelt indem er das, was normalerweise (langsam und energieintensiv) kompostiert zunächst kleinhäckselte und dann als Jauche ansetzte, so dass sich darin Milliarden lebendiger Bakterien bilden – das Lieblingsessen der Pflanzen. Ein idealer Dünger, finden die Oyas und empfehlen das Gebräu

„gerade für städtische Gemeinschaftsgärten, die oft Schwierigkeiten haben, ausreichend ökologischen Kompost zu bekommen.“

Wie aber kann man postfossil häckseln, also möglichst ohne Strom? Pommeresche hatte einen Küchenmixer benutzt. Das Häckseln mit Küchenmixer  kann in größeren Mengen allerdings so lange dauern wie das Kompostieren und ist (mitunter) fossilstromintensiv. Was liegt daher näher als der Muskelbetrieb? Ergo:“Gebraucht wird ein manuell betriebener Häcksler, der Küchenabfälle und Grünschnitt auf die optimale Größe bringt, damit das Ganze mit einem Heuaufguss versetzt ein leckeres Mikrobenbiotop werden kann. Das werden Ralf Otterpohl & Co erfinden, und zwar nicht, um daraus ein marktfähiges Produkt zu machen, sondern um die Pläne lizenzfrei zu veröffentlichen, so dass eine normal ausgestattete Werkstatt sie nachbauen kann. Dieses Konzept, Pläne für eine Technik des guten Lebens in die Wissensallmende zu geben, wird auch »Open Source Ecology« genannt“. [mehr]

Und da man auf einem Bein nicht gut steht, und

„die Technik ähnlich ist, soll gleich noch eine Frischsaftpresse mitentwickelt werden. Sie schnetzelt Obst und Beeren in einen Sack, damit der Saft aus dem Fruchtmus frisch gepresst werden kann.“

Saftpressen und Häcksler… gibt’s doch alles schon! … könnte manch einer einwenden. Ja, aber eben nur auf dem Markt und nicht Open Source, nicht unter einer Freien Lizenz. So schreiben etwa die Klein Jasedower Oays, dass sie solch eine Presse schon in ihrem Allmendegarten nutzen,

„aber das Gerät wird nicht mehr hergestellt und ist umständlich zu bedienen.“

Mit Postkollapsfähiger Allmendetechnik gehören solche Probleme („wird nicht mehr hergestellt“) der Vergangenheit an. Ihre Bitte um Unterstützung durch Crowdfunding* begründen die Oyas so:

„Wir brauchen heute nicht-kommerzielle Produktionsweisen, die sich daran orientieren, was für ein gutes Leben nützlich ist. Diese beiden Geräte sind Beispiele für eine gemeinschaftliche Produktionsweise. Indem die Pläne veröffentlich werden, stehen sie allen zur Verfügung – werden Teil der Wissensallmende. Das Wissen, wie fruchtbare Erde gepflegt, vermehrt und erhalten werden kann, gehört zu den wichtigsten Basistechniken der Menschheit. Es sollte frei allen zur Verfügung stehen. Für die Entwicklung von Prototypen wird nur ein geringes Budget von 3000 Euro benötigt – wenn diese Summe gemeinschaftlich zusammengetragen wird, entsteht etwas, das viele bereichern kann.“

Hier geht’s zum Mitmachen und zum Spenden.  Und hier erklärt Lara Mallien, die Chefredakteurin der Oya, das Ganze noch einmal im Video.  … und in Klein Jasedow weht der Wind!

* das mit dem Krautfunding war mir auf dem Dottenfelder Hof anlässlich eines Agrecol Seminars eingefallen, aber ich habe inzwischen festgestellt, dass der Gedanke so naheliegend war, dass ihm glatt die Originalität abhanden gekommen ist🙂

3 Gedanken zu „„Krautfunding“ für eine Postkollapsfähige Allmendetechnik

  1. Pingback: Open-Source-Gartentechnik — keimform.de

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