Commonie in Blog und Buch

Wie würden wir eine Gesellschaft nennen, deren Grundpfeiler auf der Idee der Commons beruhen? In der strukturell alles so angelegt ist, dass teilen und kooperieren einfach geht und wir miteinander aus dem hier Vorhandenen schöpfen? Eine Gesellschaft, in der die Tatsache, dass wir miteinander in Beziehung SIND nicht durch das  permanente Sich-Durchsetzen-Müssen im Wettbewerb konterkariert wird.

Finden wir dafür ein Wort…

„frei von Herrschaft, frei von Gier, Dogma und Ungerechtigkeit, frei und fähig, das gegenwärtige stultistische Zeitalter zu überwinden“?  (> lat. stultus: töricht, einfältig, dumm; S.150)

Finden wir einen Begriff für eine…

„Gesellschaftsform des Gemeinsamen, des Füreinander, der Achtung und des Respekts vor allem was da ist. […] einen Entwurf, der wie ein Filter das kostbare Elixier der Demokratie in ein frisches, neues Gefäß leitet..:?“ (S.150)

Johannes Heimrath meint ja. Commonie und er lädt dazu ein

„‚Commonie‘ anzunehmen wie beispielsweise das schöne deutsche Wort Mütze (von arabisch ‚al mustaquah‘) oder die ‚Gurke‘ (von altpolnisch ‚ogurek‘).“ (S.151)

In seinem jüngst erschienenen Buch  „Die Post-Kollaps-Gesellschaft“ , aus dem ich soeben zitiert habe skizziert er  eben jenes Modell einer

„lebensfördernden, enkeltauglichen Gesellschaft, wie sie sich nach einem Zusammenbruch des gegenwärtigen Systems an einigen Orten entwickeln könnte“: die Commonie. (Auf Seite 150 steht, wie das Wort in die Welt kam. Ich weiß es noch genau: einer von uns hatte sich verhört :-))

Auf dem neuen Commonie-Blog werden in den nächsten Monaten die wesentlichen Grundstrukturen der Commonie zur Diskussion gestellt, wobei die „Erkenntnisse der Commons-Forschung bzw. der Allmende-Ökonomie“ grundlegend sind.
Ansonsten aber muss hier Neues gedacht werden, denn ein Vorbild für eine postmoderne Commonie, die sich auch global denken lässt, das haben wir nicht.

Gestern Abend wurde das Buch in Berlin vorgestellt. Die Heinrich-Böll-Stiftung hatte zum Gespräch mit dem Autor, dem Postwachstumsökonomen Niko Paech und der Kulturwissenschaftlerin Hildegard Kurt eingeladen. Ich hab‘ mir sagen lassen, es war rappelvoll.

4 Gedanken zu „Commonie in Blog und Buch

  1. „Wie würden wir eine Gesellschaft nennen, deren Grundpfeiler auf der Idee der Commons beruhen? In der strukturell alles so angelegt ist, dass teilen und kooperieren einfach geht und wir miteinander aus dem hier Vorhandenen schöpfen?“

    Ich halte das schon deshalb für nicht beantwortbar, weil das WIR dann ein ganz anderes sein dürfte, als das merkwürdig unbestimmte WIR in dieser Frage.Das Gleiche gilt vermutlich für das HIER. In einer Gesellschaft, die auf weltgemeinschaftliches Commoning beruht würde man womöglich verdutzt fragen: „Wie, wurde bisher etwa der Mond ausgebeutet?“ Ich würde so eine Gellschaft im Übrigen schlicht kommunistisch nennen.

    „Eine Gesellschaft, in der die Tatsache, dass wir miteinander in Beziehung SIND nicht durch das permanente Sich-Durchsetzen-Müssen im Wettbewerb konterkariert wird.“

    Ich schätze, dass Wettbewerb ODER Kooperation nicht die ALLES entscheidende Frage wäre sondern die Möglichkeit, (welt-)gemeinschaftlich darüber entscheiden zu können, wozu, wo und zu welchen Bedingungen Wettbewerb zugelassen wird und wo eben nicht. Ich kannmir vorstellen, dass man solche Dinge pragmatisch entscheiden können wird und nicht auf Dogmen zurückgreifen bräuchte.

    Gruß hh

  2. Finden wir dafür ein Wort…
    “frei von Herrschaft, frei von Gier, Dogma und Ungerechtigkeit, frei und fähig, das gegenwärtige stultistische Zeitalter zu überwinden”? (lat. stultus: töricht, einfältig, dumm; S.150)

    Hmm, vielleicht lässt das dämliche Zeitalter ja keine kluge Antwort zu? Wäre es überwunden, würde man die Frage womöglich schnell dem besagten Zeitalter zuordnen🙂. Frei von Herrschaft, Gier Dogma und Ungerechtigkeit? Heute nennt man so einen Zustand „Schwarzes Loch“, oder? .

    Geht ein Zustand, der ZUGLEICH frei von Herrschaft und frei von Dogmen ist? Brauchen wir nicht zumindest eine Form kollektiver Selbstbeherrschung? Herrrschaft von Menschen über Menschen, dass die einen also die anderen zu Handlungen nötigen (können), die ihnen nachhaltig nicht gut tun, kann natürlich (und sollte m.E. auch) minimiert werden. Das gelingt in dem Maße, wie die sozialen bzw. ökologischen Voraussetzungen Mittel und Zwecke, Neben- Nach- oder Fernwirkungen der (Re-)Produktion menschlicher Existenz- und Bereicherungsmittel auf Basis von Übereinkommen und zugleich eines allgemeinen Zugangs zum Erwerb des dafür nötigen Wissen geregelt werden (können), Was im Endeffekt logischerweise verlangt, Lohn- und Gehaltsarbeit und deren Ausbeutung als Grundlage des gesellschaftlichen Füreinanders zu überwinden und ein Miteinander auf Basis eines weltgemeinschaftlichen Nachhaltigkeitsmanagements zu etablieren.

    Gier kann sicher nicht aus der Welt geschafftwerden, aber deren Verbindung mit der Freiheit, sich die sozialen bzw. ökologischen Voraussetzungen Mittel und Zwecke, Neben- Nach- oder Fernwirkungen der (Re-)Produktion menschlicher Existenz- und Bereicherungsmittel durch den Kopfgehen lassen zu müssen.

    In diese Richtung wirkende Prozesse (und angelegte potenziale) würde ich im Übrigen á la Marx schlicht ‚kommunistisch‘ nennen.

    Gruß hh

    • irgendwas-istisch… da kommt bei mir immer ein komisches Gefühl auf. -Ismen wirken so verbissen, und neigen so selten zur Selbstreflektion. Eine gemeingut-basierte Lebensweise kommunistisch nennen zu wollen halte ich nicht zuletzt aus Verwechselungsgründen und dem durchaus schlechten Leumund des Begriffs für unglücklich. Wie will man dem spontan entrüsteten Normalbürger oder auch dem kritischen Berufssozialisten schnell und eindeutig den Unterschied erklären? Ich könnte es nicht.

      MR

      • irgendwas-istisch…

        ???

        da kommt bei mir immer ein komisches Gefühl auf.

        Das liegt wohl an dem ideologischen Zerrbild das der so genannten Realsozialismus und dessen Feinde von „Kommunismus“ zeichneten bzw. noch zeichnen. Glücklicherweise sind aber die Zeiten vorbei, dass sich da wer exklusive Definitionagewalt in der Sache anmaßen könnte.

        -Ismen wirken so verbissen

        Würde ich an Ihrer Stelle nicht so verbissen sehen🙂

        und neigen so selten zur Selbstreflektion.

        ???

        Eine gemeingut-basierte Lebensweise kommunistisch nennen zu wollen halte ich nicht zuletzt aus Verwechselungsgründen und dem durchaus schlechten Leumund des Begriffs für unglücklich

        Aber wozu gibt es Argumente und Meinungsaustausch? ‚Gemein‘ klingt auch nicht gerade nett.Man könnte das Wort mit dem typischen Tun fieser Typen verwechseln.

        Ich nenne das Möglichmachen gemeinsamer Verantwortung für ein sozial bzw. ökologisch nachhaltiges Weltwirtschaften und die Entwicklung einer enstsprechenden Praxis KOMMUNISTISCH. Andere mögen das anders nennen. Bin auch gespannt,was da so alles kommt. Aber ich sehe keinen vernünftigen Grund für eine andere Benamsung außer Angst von Missverständnissen, die ich aber für keine gute Ratgeberin halte.

        Wie will man dem spontan entrüsteten Normalbürger oder auch dem kritischen Berufssozialisten schnell und eindeutig den Unterschied erklären? Ich könnte es nicht.

        Ist jedenfalls leichter als vernünfige Klimaschutzziele zu bestimmen und hinterher auch einzuhalten.

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