Wem gehört das Aussehen von Marilyn Monroe?

Die lange Nacht hat mich gepackt. Genauer: die hörenswerte Sendung über Marilyn Monroe, die in diesem Jahr 85 Jahre alt geworden wäre. Bekanntlich ist sie’s nicht. So ganz und gar nicht. Die Sendung drehte sich am Schluss um die Frage, wem die Persönlichkeitsrechte (moral rights) der toten Diva gehören? Ich dachte ja immer, die seien unveräußerlich.

Also nachgeschaut bei der Wikipedia, in der auch von „Persönlichkeitsrechten“ die Rede ist. Ich muss nicht alles verstehen! (Lass mich aber gern in den Kommentaren aufklären.)

Auf jeden Fall ist die Sache recht erstaunlich. Monroe starb 1962.

„Monroes Persönlichkeitsrechte besitzt heute die 1999 gegründete (sic! – SH) Firma Marilyn Monroe LLC. Eine beauftragte Agentur verwaltet das Copyright mit Bezug auf das Image der Schauspielerin. Darunter fallen ihr Aussehen, ihr Name, ihre Signatur und ihre Stimme. Das Copyright für Fotos, Lieder und Filme gehört nicht dazu. Die Agentur vermarktet Monroe in der Werbung und Modebranche oder für allgemeine Produkte wie etwa Modeschmuck, Puppen, Kalender, Poster, Postkarten, Bettwäsche oder Aschenbecher.“

Weiter heißt es: „Mit Bezug auf die Pressefreiheit und die Bildende Kunst haben ihre verbliebenen Persönlichkeitsrechte keine juristische Bedeutung.“ Hmm, ob das so stimmt? Da gibt es Lieder, die erst 15 Jahr nach ihrem Tod überhaupt veröffentlicht wurden, wie „Oh, do it again“. Das kann man hier hören. … nur bei uns nicht😦. Da geht es also offenkundig um Verwertungsrechte.

Wem also gehört nun das Aussehen von Marilyn Monroe? Wer steckt hinter Marilyn Monroe LLC?

In der deutschen Wikipedia gibt es dazu nur verwirrende Informationen. Die Rede ist von einem „etwas  ungeschickt formulierten Testament“ und einer Psychoanalytikerin, von der sie sich trennen wollte. (Wer’s wirklich wissen will, kann ja hier nachlesen.)

Mit dem „ungeschickten Testament“  war vermutlich Folgendes gemeint. Sie hatte sich von dem eng befreundeten Filmregisseur und Schauspiellehrer Lee Strasberg gewünscht, er würde „distribute [the effects] among my friends, colleagues and those to whom I am devoted“.[152]  Ein paar Dinge aus dem Privatbesitz sind in andere Hände gegangen, aber den Löwenanteil sollte Strasberg verwalten. Ergebnis:  die Firma, die bis heute Aussehen, Unterschrift, Name und Stimme der Monroe vermarktet, gehört zu 100 % der dritten Ehefrau von Lee Strasberg. Ihm waren „nach Abzug der gesamte Privatbesitz und noch bestehende geschäftliche Anteile durch das Testament zugesprochen worden“, allerdings erst nach dem Tod von Monroes Mutter, die die Tochter um 22 Jahre und des Tochters Erben, Lee Strasberg, um zwei Jahre überlebte. So erbte nach dem Tod der Mutter Strasbergs dritte Frau,   Anna Mizrahi Strasberg, die freilich kaum jemand kennt, die aber noch ein halbes Jahrhundert nach dem tragischen Ende der Schauspielerin mit deren „Persönlichkeitsrechten“ einen Jahresumsatz von ca. 2,5 Millionen Dollar erwirtschaftet.

Anna M. Strasberg ist inzwischen schon recht betagt, doch offenbar noch immer streitlustig. Die jüngere Geschichte dieses Falls liest sich jedenfalls wie ein Stück absurdes Theater von Ionesco:

„Anna, [..] successfully sued Los Angeles–based Odyssey Auctions in 1994 to prevent the sale of items consigned by the nephew of Monroe’s business manager, Inez Melson. In October 1999, Christie’s auctioned the bulk of Monroe’s effects, including those recovered from Melson’s nephew, netting an amount of $13,405,785. Subsequently, Strasberg sued the children of four photographers to determine rights of publicity, which permits the licensing of images of deceased personages for commercial purposes. The decision as to whether Monroe was a resident of California, where she died and where her will was probated, or New York, which she considered her primary residence, was worth millions.  […] In October 2007, California Governor Arnold Schwarzenegger signed Senate Bill 771.[158] The legislation, supported by Anna Strasberg and the Screen Actors Guild, established that non-family members may inherit rights of publicity through the residuary clause of the deceased’s will, provided that the person was a resident of California at the time of death.

In March 2008, the United States District Court in Los Angeles ruled that Monroe was a resident of New York at the time of her death, citing the statement of the executor of her estate to California tax authorities […]  Monroe left to Lee Strasberg an archive of her own writing—diaries, poems, and letters, which Anna discovered in October 1999. In October 2010, the documents were published as a book, Fragments.“ [via]

Auch die Firma Marilyn Monroe LLC ist umstritten und wurde bereits mehrfach verklagt. Aber es ist stets genug Geld für Vergleiche da. Wenn wundert’s.

„Sex still sells for Marilyn Monroe“, schreibt Th. Zamito in den Daily News. Geht’s noch etwas danebener?

Foto by eagle1effi on flickr, Lizenz: CC by nc sa

6 Gedanken zu „Wem gehört das Aussehen von Marilyn Monroe?

  1. Ah, danke (ich hatte gerade noch ein wenig den Text korrigiert). Und wie ist es in den USA? Und gehe ich recht in der Annahme, dass weder in der deutschen Wikipedia, noch in der DLF Sendung der Begriff richtig gesetzt ist?

  2. Kann man jetzt das Bild von Marylin für Werbezwecke in Deutschland nutzen, ohne zu zahlen oder nicht?
    Kann mir das jemand von euch verbindlich sagen?
    Danke im Vorraus.
    Gruß gap

    • haben sie jetzt was heraúsgefunden, würde mich mal interessieren?
      Ich weiß es nämlich auch nicht!
      mfg K.

      • Das versuche ich auch schon lange in Erfahrung zu bringen – auch von anderen alten Leinwandgrößen wie Cary Grant, Humphrey Bogat, etc..
        mfG MK.

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