Commons in SZ und F.A.S.

Artikel in der FAS vom 27. Mai 2012

Die Süddeutsche strapaziert die Gärten und die F.A.S. die berühmten Almkühe.

Leider stehen beide Artikel, in denen das Commons-Buch ausgiebig gewürdigt wird, nicht im Netz. Aber hier gibt’s ein paar Kommentare.

Zuerst die Süddeutsche (22.05./ Feuilleton S.11): In einer kreativen Assoziation bringt Felix Stephan das Erscheinen unseres Bandes „über den Postkapitalismus“ mit …der leidenschaftlich geführten Urheberrechtsdebatte, dem jüngsten James Bond Film und einer deutschen Hauptstadt zusammen, die „randvoll [ist] mit illegalen Guerilla-Gärten.“

„Das alles ist kein Zufall, sondern Zeitgeist“, so Stephan.

Mich freut, dass er auf den Beitrag des Techniksoziologen Josh Tenenberg eingeht. Tenenberg zeigt am Beispiel der Planung der brasilianischen Hauptstadt, wie eine „als autoritär empfundene Ordnung mit den Bedürfnissen der betroffenen Menschen“ kollidiert. Stephan sieht in den  vielfach widerständigen Prozessen des Commoning eine „schleichende Revolution“. Die funktioniere durch das „Überdehnen der sozialen Ordnung“, die das bestehende System delegitimiert und Neues hervorbringt.

Dann die F.A.S. vom 27.Mai (S. 32), die sich an einer meiner Lieblingsfragen aufhängt: Was haben eine Almwiese und das Internet gemeinsam? (oder was Saatgut und Software?)

„Die Parallele von Almwiese und Wikipedia (beziehungsweise Linux) ist das etwas anarchisch-kollektivistische Verfahren: In beiden Fällen wird gleichsam kein Zaun um das Privateigentum gezogen, und es greift auch kein Staat ein – und trotzdem gibt es kein Drunter und Drüber.“

Schön zusammengefasst. Die Autoren Benedikt Coekoll und Christian Siedenbiedel rollen die wirtschaftswissenschaftliche Güterkategorisierung auf. Ist mir natürlich sympathisch, denn das ist ja auch Thema meines Buchbeitrags. Sie tun das sehr nachvollziehbar!

„Andererseits haben konkrete Artikel oder Bücher im Internet den Charakter von privaten Gütern: Man kann Menschen (etwa mit Bezahlschranken) sehr wohl daran hindern, Artikel im Internet zu lesen. Andererseits werden Internet-Texte durch das Gelesenwerden nicht verbraucht. Anders als ein physisches Buch oder eine Zeitung, die immer nur einer in der Hand halten kann, können im Internet problemlos unbegrenzt viele Menschen gleichzeitig auf dasselbe Werk zugreifen. “

Wohltuend ist zudem, wie unaufgeregt sie ein paar Kernaussagen des Bandes zur Urheberrechtdebatte aufgreifen und einordnen:

„Man brauche nicht nur Rechte, die Autoren davor schützen, kopiert zu werden – sondern genauso starke Urheberrechte für gemeinschaftlich entstandene Werke gegen ihre unerlaubte Reprivatisierung.“

Im Schlussakkord werde ich dann so zitiert:

„Wir plädieren für ein Nebeneinander unterschiedlicher Formen. Urheberrecht darf nicht bedeuten, dass die Produktion von geistigen Inhalten gegen Geld die einzig zulässige ist.“

Aber Geld musste ich trotzdem bezahlen, um an den Artikel zu kommen, zu dessen Entstehung ich in einem langen und angenehmen Gespräch beitragen durfte. Irgendwie sind die Dinge immer falschrum.

 

Ein Gedanke zu „Commons in SZ und F.A.S.

  1. Pingback: Wo Kühe weiden und Urheber grasen « Das Urheberrecht

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