Commons im Roten Club

Am Montagabend präsentierte Silke auf Einladung von Andrea Ypsilanti einige Commons-Ideen im Roten Club im Frankfurter Gewerkschaftshaus. Auch ich hatte mir die Veranstaltung nicht entgehen lassen, da ich gespannt auf die parteiübergreifende Diskussion mit den Genossinnen und Genossen war.

Meine Neugier wurde nicht enttäuscht. Als hart aber herzlich könnte man den Austausch wohl bezeichnen und man spürte, dass dies eine erste vorsichtige Annäherung war. Zu den Einwänden, die mir besonders gut gefielen, gehörte die Frage nach dem Nutzen dieser Debatte für den LKW-Fahrer, der seine Joghurtbecher ans Ziel bringen muss und dafür einen fairen Lohn benötigt. Da wurde mir (mal wieder) klar, wie wichtig konkrete Beispiele sind und wie wichtig es ist, dass jeder mit der Commonsbrille auf der Nase in seiner eigenen Welt danach suchen kann, wo und wie ihn diese Idee betrifft und berührt.

Ich selbst bin noch immer davon fasziniert, alle Nase lang neue Betätigungsfelder für Commoners zu finden – die Welt ist übervoll davon. Aber wie gesagt: Zunächst muss man ihren Kern entdecken und der verbirgt sich im Inneren einer verdammt harten Nuss. Auch die Bitte um eine verständliche Sprache erschien mir wichtig. Denn Commons, Allmende, Enclosure, Homo oeconomicus, GURT-Technologien, „commons-basierte Peer-Produktion“ und gentechnologische Patente sind Begriffe, die gerade dem akademischen Ei entschlüpfen und noch längst keine Themen in jeder Betriebskantine sind.

Die Diskussion streifte dann natürlich auch das Thema Genossenschaften, nach dem Motto: Alles schon dagewesen“, stellte sich die Frage: Was ist an den Commons eigentlich neu? (An dieser Stelle sei verwiesen auf einen Beitrag im aktuellen taz-Genossenschaftsbuch). Und schließlich die zur Zeit wohl unvermeidlichen Themen „Urheberrecht und Geistiges Eigentum“. Wahnsinn, wie sich der Begriff der Umsonst-Mentalität in unser Denken gefressen hat und wie schwierig es ist, bei der Rede vom „freien Zugang zu Kultur“ nicht an Geiz-ist-geil zu denken. Wie heftig der eine oder andere Besucher sich für das so genannte geistige Eigentum engagierte hat mich dennoch überrascht. Ich hätte eher damit gerechnet, auf eine Forderung nach gerechter Entlohnung für kreative Arbeit zu stossen, als auf eine Forderung nach gesicherten Privatgrundstücken in der Kulturlandschaft. Denn freier Zugang zu Bildung und Kultur für Arbeiterkinder … aber wie gesagt, demnächst in diesem Theater.

Fest steht, es war ein lohnender Abend. Einer, der vielleicht die commonsdebatte etwas näher an das Institut für Solidarische Moderne rückt (meint Silke). Wir haben den Abend jedenfalls sehr Genossen – im wahrsten Sinne der Worte.

3 Gedanken zu „Commons im Roten Club

  1. Was waren die Überraschungen und was war so spannend? So wirkt wirkt dein Eintrag nur wie eine Pressemeldung, welche wichtigen Leute sich getroffen haben….

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