Markt, Staat und Commons: Eine bebilderte Kurzgeschichte

Silke Helfrich im Gespräch in Bilbao.

Der Staat kann die Commons sichern und unterstützen, zum Beispiel indem er die Kommunikation zwischen den Menschen fördert. Wie hier in der Innenstadt von Bilbao, wo man die Sitzbänke in drei Teile sägt und so aufstellt, dass die Leute schnell in ein Gespräch vertieft sind.

Sitzbank, so wie der Markt sie sich denkt. Gesehen in der Stuttgarter Shoppingmeile "Königsstraße" beim Hauptbahnhof.

Leider ist der Staat statt dessen meist noch damit beschäftigt, den Markt zu gießen, damit der besser wachsen kann. Und da der Markt nicht mehr wachsen will muss man eben die Menschen daran hindern etwas anderes zu tun, als zu konsumieren. Natürlich ohne zu unmenschlich zu erscheinen. Ein Plätzchen zum Ausruhen für alten Leute muss auch im Markt bereit gestellt werden.

Sitzbank in einem Park in Buenos Aires, wo Angestellte und Arbeitslose gleichermaßen mittags ein Nickerchen in der Sonne machen.

Ups – dieses Bild muss in einem Land entstanden sein, wo man auf das Wachstum der Marktes pfeift und lieber die Blumen gießt. Ach ja, ich erinnere mich. Das war in Buenos Aires, wo man Tango tanzt und Pinguine und Walfische pflegt.

Verräterische Sparsamkeit auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof: Als Armlehnen getarnte Schlafsperren.

Wie der Markt sich das denkt, sieht man hingegen auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof. Hier wird nicht herum gelegen, denn wer auf den nächsten Zug warten muss, der soll nicht schlafen sondern shoppen. Wir Schwaben zeigen auch, wie man das kostengünstig erzwingt: Die Reisenden, die links und rechts außen sitzen – warum benötigen die nur eine Armlehne? Zum bequemen Sitzen?

Im Münchner Hauptbahnhof, wo man manchmal die Bahnsteige kaum findet, sind alle Läden auf übersichtlichen Leuchttafeln ausgeschildert.

Was die Kunden stattdessen tun sollen, das zeigt uns die Bahn auch auf dem Münchner Hauptbahnhof: 365 Tage im Jahr Shoppen und Schlemmen.

Die Menschen aber, das zeigen auch die von vielen ach so ungeliebten Punks in der Stuttgarter Klett-Passage am Hauptbahnhof, die wollen nicht nur 365 Tage shoppen und schlemmen. Sie wollen auch herumsitzen, reden, sich etwas ausdenken und ein bisschen ihren Frust über die Trostlosigkeit des Marktes zur Schau tragen. Ich gönne ihnen das. Und der Staat könnte sie dazu ermuntern, aber er ist gerade mit dem Gießen der Märkte beschäftigt.

2 Gedanken zu „Markt, Staat und Commons: Eine bebilderte Kurzgeschichte

  1. Pingback: Gesehen im Jardin du Luxembourg: Ein winzigkleines Commons in Paris | CommonsBlog

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