Die globale Shopping Mall: Architektur für die Ewigkeit

Foto von BjarteSorensen (Wikipedia)

Ich schreite durch das 927 m lange Terminal 2 des Incheon International Airport in Seoul, vorbei an den Duty Free Shops, in denen man Waren doppelt so teuer wie außerhalb des Flughafens erwerben kann. Man bezahlt dafür aber keine Steuern – deshalb Tax Free. „Drachenfutter“ wird das  Toilettenwasser von manchen genannt. Hier in der globalen Shopping Mall ist es zu einem Kilopreis von cirka 1000 Euro erhältlich. Ha-ha, könnte man sagen. Ein toller Witz. Aber ich blicke aus dem Panorama-Fenster und stelle mir eine ganz andere Frage: Was hinterlässt unser Zeitalter eigentlich der Nachwelt? Auf was werden kommende Generationen zurückblicken, falls sie denn überhaupt auf uns zurückblicken.

Mir fallen die Wüstenbilder der Nazca in Peru ein, die seit über 2000 Jahren auf einer Fläche von über 500 km² von irgend etwas zeugen. Von was bleibt bis heute ein Rätsel. Erich von Däniken hatte die Bilder ja als Signale an Besucher aus dem Weltall gedeutet. Das ist vermutlich Blödsinn, denn wahrscheinlich gibt es keine Ufos aus dem All. Hirngespinste also! Aber ich frage mich natürlich, wie sonst man die Relikte des Incheon International Airports einmal deuten könnte, so in zwei bis drei Tausend Jahren. Bis dahin wird der Alterstod digitaler Daten unsere Kultur ja eliminiert haben und dann bleiben vielleicht nur noch diese steinerne Betonflächen als Zeugen unserer Zeit, so wie eben das Kolloseum der Römer und der Kolibri der Nazcas. Die Wüstenfiguren der Nazcas haben ja eine nicht zu leugnende Ähnlichkeit zu dem Ort, an dem ich mich gerade befinde. Obwohl die Wüstenbilder ungefähr 10x so groß wie der Flughafen sind.

Aber mehr als 30 Millionen Kunden besuchen die Duty Free Shops des Airports hier jährlich und auch ich kann mich einer gewissen Ehrfurcht angesichts dieser Menschenmassen nicht erwehren. Gelangweilt von langen Wartezeiten bummeln sie durch die Läden, Lounges und Restaurants und man fragt sich, wer hier die größeren Umsätze macht. Die Parfümeure oder die Fluggesellschaften?

Im Grunde beschäftigt mich aber eine ganz andere Frage: Mit was können wir eigentlich die Nachwelt in 2-3 Tausend Jahren beeindrucken. Mit den Fußstapfen auf dem Mond? Ok, das war schon bemerkenswert, aber welcher Archäologe wird diese Spuren schon finden? Das Human Genome Projekt? Ich bezweifle, dass dieses zur Datenbank verkommene Menschheitsprojekt mehr Eindruck hinterlassen wird, als der Commodore C64. Und vor der Tatsache, dass wir es geschafft haben in 100 Jahren die Meeresoberfläche um 1-2 Meter anzuheben, wird es vollends verblassen. Zwar können der Koloss von Rhodos und die Hängenden Gärten von Babylon kaum mit dem das Asphaltspinnennetz mithalten, mit dem wir unseren Globus überzogen haben? 32 Millionen Kilometer soll es lang sein, davon 6,5 Millionen Kilometer allein in den USA. Aber ich wette, dass man in 2.000 Jahren nach dessen von Löwenzahn und Gras durchbohrten Spuren suchen muss, ähnlich wie heute nach dem Limes der Römer im Odenwald. Die Pyramiden von Gizeh sind zwar nicht so groß wie der radioaktive Müllberg, den wir produziert haben, aber sie beeindrucken doch ungleich mehr. Auch wenn der Müllberg noch strahlen wird, wenn die Pyramiden längst zu Staub zerfallen sind.

Aber dieser Flughafen hier, der könnte Bestand haben. Als eine riesige und völlig ebene Fläche unbekannter Funktion. Und wenn die intelligenten Wesen zukünftiger Zeiten weiter suchen, dann werden sie herausfinden, dass die ganze Erde mit solchen Flächen bedeckt ist, die in keiner erkennbaren Verbindung zueinander zu stehen scheinen. Vielleicht haben wir Glück und man wird uns als eine Kultur gastfreundlicher Wesen interpretieren, die mit diesen aus dem Weltall deutlich erkennbaren Symbolen einer fremden Kultur aus dem All signalisieren wollten, dass sie hier willkommen ist. Und möglicherweise bleibt in irgend einer geschützten Kammer dieses gigantomanischen Bauwerks ein Hotdog aus Wachs erhalten, den man als Grabbeilage deuten kann.

Ich weiss es nicht. Vielleicht werden wir am Ende im Rauschen der Geschichte untergehen, wie das 7. Jahrhundert nach Christus. Als eine Kultur ohne Bücher, ohne schriftliche Aufzeichnungen und ohne überlieferte Musik. Als Menschen, die die Radioaktivität für göttlich hielten und sie in unterirdischen Salztempeln angebetet haben. Man kann darüber nur spekulieren, aber das ist durchaus nützlich, wenn man nach epochalem Selbstverständnis sucht.

Die Fußspuren auf dem Mond werden werden übrigens bleiben, denn auf dem Mond gibt es keine Erosion. Nicht so die US-Amerikanische Flagge. Denn Kunststoffe zerfallen mit der Zeit im Sonnenlicht zu Staub und ich glaube nicht, dass die Astronauten ein Biobaumwollfähnchen dort oben in die Mondkruste gespiesst haben.

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