Bill Gates: Die Ärmsten der Armen haben keine Lobby außer mir

Ausgerechnet auf einem Flug nach Zentralamerika lacht mich Bill Gates von der Titelseite der Frankfurter Rundschau an wie ein Nobelpreis-würdiger norwegischer Poet. Ich bin gespannt, was die renommierte deutsche Tageszeitung über ihn schreibt. Nach dem Interview mit dem Gründer der Firma Winzigweich®  (abgebildet auf zwei großformatigen Farbbildern – als wüsste nicht längst jeder wie er aussieht) lese ich ein kümmerliches Artikelchen mit dem Titel ‚Ideologischer Treibsand über das Weltsozialforum in Porto Alegre‘. Resultat? Ich zerknülle die Zeitung und werfe sie frustriert unter den Sitz. Frustriert über den deutschen Journalismus, der hier rüberkommt wie ein pubertierendes Kind. Stolz darauf, sich ein paar Minuten lang vom einstmals reichsten Mann der Welt mit Barmherzigersamariterselbstbeweihräucherung zurieseln zu lassen. Der Gipfel in diesem Interview ist die Arroganz, mit der sich Gates damit brüstet, die Polio in Indien ausgerottet zu haben. Kein Wort fällt in dem Interview oder dem Artikel darüber, dass die Entwicklung des ersten Impfstoffs gegen Polio von Jonas Salk entwickelt wurde. Auf die Frage, wer das Patent zu diesem Impfstoff innehabe hat Salk geantwortet: „There is no patent. Could you patent the sun?

Dem Ganzen wird in der FR unreflektiert und unrecherciert applaudiert und zugleich scheint man zu faul (oder ist es bloss zu teuer) über das Thematische Sozialforum in Porto Alegre vernünftig zu recherchieren. Dort machen sich Hunderte von Menschen Gedanken über die Lösung der vom Prinzip Gates* verursachten Probleme in dieser Welt.

Frustrierend! Es reicht für eine große Zeitung einfach nicht, ein handliches Format zu haben! Was für eine absurde Vaterfigur!

Wach auf, Dackel: Von seinem Goldglanz bleibt nichts an Dir hängen, egal wie treudoof Du ihn auch anwedelst.

*Mit Prinzip Gates meine ich Abhängigkeiten und Monopole von essentiellen Gütern zu erzeugen und daraus astronomische Gewinne zu erwirtschaften. Dass man einen Teil (abgesehen von ein paar Milliarden Notgroschen) der so erwirtschafteten Milliarden sinnsuchend wieder spendet um sich beim Nobelpreiskomittee einzuschmeicheln, nimmt den desaströsen Auswirkungen dieser Strategie nichts von ihrer Schärfe. Amüsant finde ich allerdings, dass auch die Großmeister wirtschaftlichen Exponentialwachstums sich am Ende ihrer Berufslaufbahn offenbar mit der Frage „Was nun?“ konfrontiert sehen.

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