Kapitalismus ja bitte?

Errungenschaften des Kapitalismus: Ein hübsches Zuhause für jedermann

Die meisten Teilnehmer (2000 Regierungschefs, Firmenchefs und Wissenschaftler) im Weltwirtschaftsforum in Davos, so schreibt die Tagesschau, hielten es mit der These von David Rubenstein von der Investorgruppe Carlyle (ein Spezialist in Sachen Alternativen zum Kapitalismus):  „Kapitalismus ist möglicherweise die schlechteste aller Wirtschaftsformen, abgesehen von allen anderen Wirtschaftsformen.“ Auf Deutsch bedeutet dies wohl: Alles läuft schief, aber im Grunde können wir zufrieden sein. Das ist ja irrsinnig visionär! Ein solches Problemlösungspotential hatte ich unserer akademische, ökonomischen und politischen Weltelite gar nicht zugetraut. *stürmischer Applaus!*

Errungenschaften des Kapitalismus: Ein bequemes Bett für die Nacht

Da freue ich mich über einen Bericht vom Weltsozialforum in der TAZ:

„In Rio“, so lese ich dort, „werden die sozialen Bewegungen zeigen, dass sie Vorschläge haben, die sowohl quer zum klassischen Wachstums- und Entwicklungsmodell als auch quer zur Green Economy liegen“, gibt sich Silke Helfrich, die auf dem Weltsozialforum eine der „strategischen“ Arbeitsgruppen leitet, zuversichtlich“.

Apropos Wachstum: Das einzige, was munter immer weiter wächst, ist ein Karzinom.

Das erinnert mich an ein altes Kinderbuch – Kakadu in Nöten. Da versucht sich der Wachposten mit Schlaftabletten wachzuhalten, denn Hustentropfen helfen gegen den Husten und somit Schlaftabletten gegen den Schlaf.

Ähnlich einer Psychotherapie (welche die Psyche heilt) heilt eine Krebstherapie also den Krebs – damit er gesund und munter weiterwachsen kann.

Ein Gedanke zu „Kapitalismus ja bitte?

  1. Immerhin scheint man sich in den Kreisen wieder genötigt, das kapitalistische Vereinzelungswirtschaften zu rechtfertigen. Wenn man dort aber immer noch meint, dafür ohne eine Spur von Argumente auskommen zu können, zeigt das vielleicht auch, dass für die Formulierung von Alternativen immer noch einiges zu tun bleibt. Silke Helfrichs Mission in Rio macht da direkt Hoffnung. Kristilisationskerne der nachhaltigen Entwicklung besserer Formen des Weltwirtschaftens könnte das mächtig voran bringen.

    Als jemand, der ökokapitalistische Perspektiven für notwenige (!) Zwischenschritte hält und als solche verteidigt, muss ich natürlich sagen: Ohne Entwicklung kompromissloser (und gerade dadurch attraktiver) Vorstellungen für ein Wirtschaften, dass tatsächlich auf gemeinsame Verantwortung und kooperative Entscheidungsmacht aufbaut, könnten „Green Economy“ und „nachhaltige Entwicklung“ niemals aus ihrer kapitalistischen Hülle schlüpfen.
    🙂 Gruß hh

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