Honoré de Balzac zur globalen Schuldenkrise

Gerade blicke ich in mein Bücherregal und traue meinen Augen kaum. Da steht in der obersten Reihe links ein längst vergessenes Büchlein von überraschender Aktualität, nämlich Die Kunst, seine Schulden zu bezahlen von Honoré de Balzac. Ich schmökere ein bisschen hier und da und entdecke gleich eine Passage, die mir gut gefällt: Konfuse Schulden, so schreibt Balzac, das sind diejenigen, deren Rechtsgründe ein wenig verwickelt sind, so daß derselbe Mensch zur gleichen Zeit Gläubiger und Schuldner desselben Individuums, so daß weder der eine noch der andere Klarheit genug über die Natur seiner Schulden hat. Und wenn nun einer der beiden die Grundlagen oder die Begründung der Schuld ein wenig in Unordnung bringt, so vollzieht er eben auf diese Weise schon die „Amortisation“ (Balzac, 1827).

Irgendwie erscheint mir dies, wie eine prägnante Analyse der derzeitigen Lage und erinnert mich an einen Witz:

Ein deutscher Tourist wünscht in Griechenland ein Hotelzimmer zu besichtigen. Können Sie machen, sagt der Wirt, wenn Sie 100 Euro Kaution hinterlegen. Gut sagt der Deutsche und legt das Geld auf den Tresen. Als der Gast im Zimmer ist, nimmt der Wirt das Geld, geht zum Krämerladen und bezahlt damit seine Schulden. Der Krämer trägt das Geld in die Autowerkstatt, um eine ausstehende Rechnung zu begleichen. Der Mechaniker geht zum Elektriker und begleicht dort seine Schulden. Der Elektriker geht ins Hotel und bezahlt dort dem Wirt die letzte Übernachtung und als er das Geld auf den Tresen legt, kommt der Deutsche, nimmt das Geld und geht. Alle Schulden sind somit beglichen.

Wie ist das möglich?

5 Gedanken zu „Honoré de Balzac zur globalen Schuldenkrise

  1. Wie das möglich ist? Ist doch logisch. Der Wirt hat die Übernachtung gegen die Krämerware getauscht. In Griechenland kann so etwas auch funktionieren, da die Griechen sich weitestgehend autark im Inland versorgen.

    • Ich habe schon oft überlegt, ob man eine Weltwirtschaftskrise lösen könnte, indem man das Geld einfach ignoriert und weiter macht, was man bisher tut. Das Problem ist ja nicht das fehlende Geld, sondern die fehlende Überzeugungskraft – oder?

  2. @Jakob B: Sehe ich auch so. Aber je stärker man sich Importe zur Versorgung stützt und auf exportorientierte Einnahmepolitik, umso schwerer ist es, das lokal umzusetzen. Die Griechen haben es da etwas einfacher, da sie keine große Autoindustrie haben oder sowas sondern größtenteils was sinnvolles machen wie Tomaten oder Gurken züchten und Oliven anbauen.

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