@Commoners: Nutzt freie Lizenzen!

Selbstredend müsste die Überschrift lauten: @ alle: Nutzt freie Lizenzen! Aber ich will mich zunächst auf jene beschränken, die über Commons schreiben und dann all ihre Rechte an Dritte abtreten, statt sie für die Commons zu nutzen. Das macht das Republizieren, Übersetzen, Bearbeiten und Weiterverbreiten alles andere als einfach.

Dabei liegt es doch im Interesse aller, die über Commons publizieren, insbesondere im Interesse der Wissenschaftler, ihre Ideen zu verbreiten!

Anlaß dieser Anmerkung ist eine Rezension von Stefan Janson über das im Februar erschienene Büchlein Elinor Ostrom: Was mehr wird, wenn wir teilen.

Janson steigt mit harscher (wenngleich nicht ganz unberechtigter) Kriktik ein. Dass diese Publikation „in Eile auf den Markt geworfen wurde“, davon kann allerdings keine Rede sein. Vielmehr hat es Monate gedauert, bis auch nur die Erlaubnis der Erstverleger eingeholt war. (Was sie gekostet hat… weiß ich nicht.)

Im Vorwort des rezensierten Bändchens erzähle ich, wie einfach es hingegen war, Ostroms Erlaubnis zu bekommen. Aber Ostrom hatte eben vor Jahren nicht daran gedacht, ihre Arbeiten und Interviews so zu lizenzieren, dass wir es leichter haben sie zu nutzen. In anderen Worten: Ihr Entgegenkommen war erfreulich, aber nicht entscheidend.

Und die berühmteste Commonsforschering der Welt ist kein Einzelfall. Ich arbeite gerade an einer Monographie, an der knapp 100 Autor_innen beteiligt sind. Bereits Publiziertes können wir kaum nutzen. Das wäre nur dann einfach, wenn es frei lizenziert wäre. Aber daran denken eben selbst commoners nicht immer. Es mag schlicht Nachlässigkeit sein, Streß, Gewohnheit oder auch Unwissenheit. Nicht auszuschließen ist auch die Scheu vor der Auseinandersetzung mit dem Neuen und mit den kommerziellen Kooperationspartnern (z.B. den Verlegern), die in der Regel von Freien Lizenzen nicht so begeistert sind. Vermutlich ist es eine Mischung aus allem. Ich erinnere mich noch gut, wie lange ich brauchte, um meine Position so klar zu bestimmen, dass ich sie auch durchargumentieren und durchsetzen kann.

Aber jetzt ist sie klar: Wenn wir die Wissenallmende bereichern wollen, aus der wir schöpfen, wenn wir wollen, dass sich Ideen verbreiten – und Interessen Dritter dieser Verbreitung nicht im Weg stehen -, wenn wir Kohärenz herstellen wollen zwischen den Inhalten unseres Schreibens einerseits und der Art zu publizieren andererseits, dann müssen wir unsere Urheberrechte so nutzen, dass wir das Weiterverbreiten EINFACH machen: indem wir freie Lizenzen nutzen. Immer!

Und nun zurück zu Jansons gelungener Rezension mit treffend ausgewählten Zitaten und einem elementaren Punkt: Nämlich dem Hinweis darauf, dass und warum Partizipation im klassischen Sinne nicht ausreicht. Ostrom transportiere, so Janson eine „Absage an Scheinpartizipation“. Zur (auch Ostromschen) Kritik an der Neoklassik schreibt er:

„Die Neoklassik huldigt ebenso einem doch sehr einfachen Bild des Menschen als einem „rational egoistisch motivierten Nutzenmaximierers“. Sicher muss man dieser Theorie zu Gute halten, dass sie sich auch gegen diejenigen richtet, die über höhere Weihen in der Erkenntnis der „wahren Bedürfnisse“ der Menschen verfügen und damit von einer Herrschaft der erzeugten Bedürfnisse zur Diktatur über die Bedürfnisse gelangen. Aber […] die Neoklassik kann wirtschaftliches und soziales Handeln von Menschen, Kollektiven und Gesellschaften weder adäquat erfassen noch erklären. Sie ist immer weniger in der Lage, ihre Hegemonie in den Wirtschaftswissenschaften aufrechtzuerhalten. Dieser Sieg der Vernunft über das Dogma ist mit der Verleihung der Wirtschaftsnobelpreise an Akerloff 2001 und Ostrom 2009 manifestiert worden.“

Zu den abschließend im rezensierten Buch veröffentlichten „Fünf Elementen einer anpassungsfähigen Regierungsführung“ (auch hier nachzulesen), die „die basalen Anforderungen für Gemeingüter noch einmal schlagwortartig zusammenfassen“ meint Janson pointiert:

„Welche konkrete Regierung sich zu einem solchen Programm der tendenziellen Selbstabschaffung verstehen könnte, bleibt allerdings ungeklärt.“ (Herv. S.H.)

Danke dafür!

Ein Gedanke zu „@Commoners: Nutzt freie Lizenzen!

  1. Danke für den Beitrag und den Hinweis auf das Buch, das ich noch nicht kannte (gleichwohl ich das Problem mit den Lizenzen selbst sehr wohl kenne). Ich bin auch dafür, freie Lizenzen zu nutzen, doch scheinen mir vor allem im klassisch-schriftlichen Bereich hier noch immer große Vorbehalte und klassische Künstler(selbst)bilder einer Entwicklug hin zu Creative Commons u.ä. entgegenzustehen. Aber es geht auch anders. Leute wie Cory Doctorow, Paolo Coelho oder – im deutschsprachigen Raum – Arthur Missa haben es vorgemacht. Man kann auf Papier drucken und zugleich seine Bücher online stellen. Und nicht selten bedient man sich dabei freien bzw. offenen Lizenzen. Kopieren also nicht nur nicht verboten, sondern erwünscht. Sogar das Texteverändern, -weiterschreiben und -umarbeiten ist – zumindest bei Missa – erwünscht. (Ich habe sein Buch vor kurzem auf einem kleinen Label entdeckt, dass ausschließlich Musik und Texte unter CC-Lizenzen veröffentlicht: http://www.digitalkunstrasen.net/Homepage/DKL015.html)
    Die Autoren sollten also nicht passiv in ihren Ohrensesseln verharren (deren Ohren zu oft als Scheuklappen dienen). Ein neues Bewusstsein muss her – und das schafft man am besten, indem man die Wege, die die eigenen Werke nehmen bzw. nehmen können, erweitert. Offene Texte, freie Lizenzen, ein anderes (Künstler-)Selbstbilde und nicht zuletzt die Frage nach einer anderen Ökonomie, nach einem anderem Umgang der Menschen miteinander und ihren „Kultur“gütern – all das wären Ansätze, die es konkret auszuprobieren gilt.

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