Die Vielfalt des Handwerks als Commons: Bootsbauer am Rio Douro in Porto

Seit Hunderten von Jahren transportierten die Produzenten von Portwein ihre Fässer von den Anbaugebieten zu den Kellereien in Porto mit Booten den Rio Duro hinunter. Rabelos, heissen diese 5 Meter breiten und cirka 20 m langen Boote, die aus verschiedenen Holzarten wie Eiche, Eukalyptus und Pinie in Handarbeit gefertigt werden. Seit 1887 eine Bahnlinie am Rio Douro entlang eröffnet wurde haben die Rabelos ihre ursprüngliche Funktion verloren. Im Jahre 1961 soll es noch sechs Stück davon gegeben haben. Heute liegt eine kleine Flotte restaurierter Exemplare vor den Quais von Vila Nova de Gaia, als Touristenattraktion für die Besucher der Portweinkellereien, die sich heute angeblich fast alle in englischem Besitz befinden. Motorisierte Exemplare, die mit ihren alten Vorfahren wenig gemeinsam haben, fahren Besucher vom Hafen aus den Fluss hoch und runter, um die vielen sehenswerten Brücken von Porto zu bewundern.

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Erstaunlicherweise hat sich Ende der touristischen Docks, kaum beachtet von den Besucherströmen, eine kleine Bootswerft für Rabelos erhalten. Insgesamt sieben Bootsbauer gibt es dort noch, die nach eigenen Angaben ihr Handwerk von „den Alten“ gelernt haben. Sie restaurieren alte Boote und bauen auch neue. Man sieht ihnen ihren Stolz und ihre Begeisterung an. Kein Beruf für steile Karrieren, denn einen wirtschaftlichen Sinn macht der Bau von Rabelos am Rio Douro ganz sicher nicht mehr. Für mich ist die Handwerkskunst, die dem Bau solcher Boote seit Jahrhunderten zugrunde liegt, eine wertvolle, vom Aussterben bedrohte Ressource. Ihr Erhalt ist mehr als eine touristische Kuriosität. Für mich ist dies vielleicht schon ein Commons, aber ich weiss darüber bisher zu wenig. Ganz sicher aber ist der Erhalt dieser kleinen Werft ein Fall für die Commons.

Und noch etwas: Falls jemand die Werft einmal besucht. Wenn man die Straße von dort aus am Fluß weiter nach Westen geht, dann kommt man zu dem winzig kleinen, gelben und sehr gemütlichen Restaurante Antiga Casa Ze Da Guida. Man kann dort für ungefähr 7 Euro herrlichen Fisch essen. Eigentlich verirrt sich hierher kein Tourist. Der Preis für Touristen, so sagt die Wirtin, ist aber trotzdem derselbe wie für die Portugiesen. Auch keine Selbstverständlichkeit in diesen harten Zeiten. Ich erzähle an dieser Stelle natürlich nicht aus touristischen Gründen davon. Aber der Erhalt der Vielfalt der Kochkunst ist für mich natürlich auch ein Fall für die Commons.

Fotos: Der Fotograf José Paulo Carvalho Pereira aus Porto hat mir die Bilder für den Beitrag zur Verfügung gestellt. Wer diese oder andere Bilder von ihm nutzen möchte, kann Paulo gerne per Email auf Englisch kontaktieren. Er wird sich sicher über jedes Feedback freuen.

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