Die Vielfalt der Commons ist das Fundament ihres Erfolgs

Enzian in den Pyrenäen

Ein wichtiges Grundprinzip in der Entstehung der Arten wird seltsamerweise oft übersehen, da es sich zurückhaltend hinter der Wucht des Darwin’schen Konkurrenzgemetzels verbirgt: Die Vielfalt!

Biologische Vielfalt selbst zeigt sich in vielfältigen Schattierungen. Sie tritt in Farben und Körperformen, in Tarnmethoden und Ernährungsweisen und in unfassbar vielen anderen Weisen in Erscheinung. Bisher wurden allein rund eine Million Insektenarten wissenschaftlich beschrieben, die sich allesamt fast wie die Commons verhalten. Sie verbinden Gemeinsamkeiten (z.B. sechs Beine), aber wie genau sie die spezifischen Probleme ihrer jeweiligen Art lösen, das bestimmen und entwickeln sie seit Millionen von Jahren ganz alleine.

Wir sprechen oft von vielfältiger Ernährung und halten dies zurecht für gesund. Wir sind nämlich Generalisten, genau wie die Ratten und dies macht uns ausserordentlich erfolgreich. Es gibt aber auch andere Strategien in der Natur, …die Nahrungs- oder Standortspezialisten. Einige davon findet man beispielsweise im Hochgebirge, wo sie sich oft an den unmöglichsten Standorten festkrallen, wie der Vampir am Hals der Kuh. So mag der Blaue Enzian oder das Edelweis für den Wanderer faszinierend anzuschauen sein, aber warum? Weil er es sonst nirgendwo sieht! Diese Planzen sind so hoch spezialisiert und eigentlich völlig lebensunfähig, dass sie nur in derart unwirschen Biotopen überleben können, in die sich kein Konkurrent rein traut. Das Problem dieser Spezialisten ist ihr beschränktes Weltbild. Die Torrey-Pinien existieren beispielweise nur im winzigen Torrey Pines State Reserve bei San Diego und nirgendwo sonst auf der Welt. Wird ihr Lebensraum durch ein Erdbeben ins Meer geschüttelt, dann aus die Maus.

Spezialisten insgesamt sind aber sehr erfolgreich. Warum? Ganz einfach deshalb, weil es eben eine unglaubliche Vielfalt dieser Spezialisten gibt und das kontinuierliche Aussterben dieser teilweise recht abstrusen und seltenen Arten zwar bedauerlich ist, aber insgesamt meist nicht weiter auffällt.

Ich mag die Vorstellung, es gäbe ein kunterbuntes Kaleidoskop der Commons und ich bin überzeugt, dass dem auch so ist. Die ungeheure Vielfalt von Ressourcen, die unser Leben erhalten und seine Qualität erhöhen können, ermöglichen aus meiner Sicht Millionen diverser Commons, in denen manchmal wenige, manchmal viele Menschen unendlich vielfältige Möglichkeiten finden und entwickeln können, um diese Ressourcen zu erhalten, zu vermehren und zu nutzen.

Bienenragwurz (Foto: BerndH, Wikimedia)

Wenn sie dann noch voneinander abschreiben, sich gegenseitig in den Kochtopf gucken, nachahmen, ausprobieren, sich austauschen (neudeutsch: sich vernetzen), dann stellt dies potentiell einen ungeheuren Stabilitätsfaktor für gesellschaftliches Wohlbefinden und kulturelle Weiterenntwicklung dar. Strukturen wie das Internet haben dieses Potential in den letzten Jahrzehnten wesentlich erhöht.

In der Natur ist dieses Prinzip übrigens schon Millionen von Jahre alt. Die Natur hat es nämlich nicht nötig, wie früher die Streber Schultaschen in der Klassenarbeit neben sich auf dem Tisch aufzubauen, damit niemand bei ihnen abspicken kann. Oder Patente und Kopierrechte (als ob das Copyright ein Recht zum Kopieren sei) in Stellung zu bringen, damit keiner illegale Mimikry begeht.

Meine Lieblingsbeispiele sind die Ragwurzen. Diese faszinierenden Orchideen ahmen mit ihren Blüten allerlei Insekten nach, die dort einen Paarungspartner orten, sich darauf stürzen und begeistert versehentlich die Pflanze bestäuben. Ich glaube nicht, dass die Insekten unter diesen frechen Raubkopien leiden oder gar je deswegen ausgestorben sind. Im Gegenteil. Ich glaube eher, sie haben Spaß daran.


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