Quarkkuchen: Eine ausgesprochen rivale Ressource

Es gibt rivale und nicht-rivale Ressourcen, das ist klar. Heute war ich mit meiner Tochter in einem Café der Münchner Innenstadt einen Quarkkuchen mit zwei Pfirsichscheiben essen. Sie schlug vor, dass wir uns einen teilen, denn ein Quarkkuchen in der Münchner Innenstadt hat nun wahrlich nichts mit Gemeingütern zu tun, sondern eher mir Investmentbanking. Wie dem auch sei, plötzlich wird mir klar, dass „Was mehr wird wenn wir teilen“ auch für ausgesprochen rivale Ressourcen gelten kann. Die junge Dame teilt jedem seine eigene Scheibe Pfirsich zu und ich bin beeindruckt von der Erkenntnis, dass ein gemeinsam verspeister halber Quarkkuchen doppelt soviel Spass macht, wie ein ganzer für sich alleine. Mathematisch augedrückt: 2*0,5 = 2. Das heisst aber noch lange nicht, dass ich in Zukunft jeden von meinem Kuchen abbeissen lasse.

Nicht-rivale Ressourcen haben übrigens auch nichts dagegen, wenn sie geteilt werden. Einem Buch, zum Beispiel, ist es gerade Recht, wenn es mehrmals gelesen wird, bevor es im Altpapier landet. Meine Tochter hat mir auch hierzu etwas beigebracht heute: Sie las die 300 Seiten des Spiegelbestsellers „Plötzlich Shakespeare“ von David Safier in ungefähr vier Stunden. Dann hatte sie leider kein Buch mehr, sonst hätte sie noch eins gelesen. Ich weiss zwar nicht, wie man so schnell lesen kann (ich versuche seit 10 Jahren die erste Seite der Principles of Optics von Max Born zu lesen), aber ich weiss warum sie heute kein zweites Buch mehr lesen wird: Ich kann es mir nämlich nicht leisten jeden Tag zwei Bücher für meine 13-jährige Tochter zu kaufen, nur weil die sich partout Bildung aneignen will. Mit nicht-rivalen Ressourcen, wohlgemerkt, denen es eigentlich ganz Recht sein müsste, sie würden geteilt. Das entspräche nämlich ihrem Naturell.

Am Ende des Tages denke ich, ich habe etwas gelernt. Ich bin mir nur nicht ganz sicher was.

5 Gedanken zu „Quarkkuchen: Eine ausgesprochen rivale Ressource

  1. „dass ein gemeinsam verspeister halber Quarkkuchen doppelt soviel Spass macht, wie ein ganzer für sich alleine.“
    Wie sagt der Voklsmund: „Geteilte Freude ist doppelte Freude – geteiltes Leid ist halbes Leid.“

    • Hallo Brigitte. Das sehe ich nicht so. Für mich ist eine Bücherei eine kommunale Dienstleistung und kein Commons. Die Nutzer der Bücherei sind nicht an der Bibliothek beteiligt und haben auch keinen Einfluss auf die Nutzungsregeln etc. Unsere Gesellschaft könnte allerdings den Zugang zu Literatur als Commons organisieren, sodass die Interessen der Autoren genauso geschützt würden wie das Interesse der Leser – was sich ja nicht widerspricht. Welcher Autor hat denn einen Nutzen von Vermarktungsstrategien, deren Hauptwirkung es ist, den Profit der Verwerter zu maximieren und gleichzeitig ihren Aufwand zu minimieren? Welchem Autor nutze es, dass meine Tochter nicht jeden Tag ein Buch lesen kann – oder auch mal zwei? Eine Bibliothek ist das keine Lösung, denn die geht auch davon aus, dass nur manche Leute lesen. Würden alle lesen, dann wäre die Bibliothek nämlich leer. Aber das heutzutage ein Jugendbuch 30 – 40 Euro kosten muss, das ist kein Schutz der Autorenrechte und auch keine Aufwandsentschädigung für fleissige Verlage. Es ist einfach Strassenräuberei. Profitmaximierung durch künstliche Verknappung einer Ressource, die sich nahezu kostenlos vervielfältigen lassen würde.

      • hallo jakob!

        ich geb dir teilweise recht – büchereien sind derzeit als kommunale dienstleistung organisiert und nutzerinnen könnten viel mehr einbezogen werden, warum nicht auch autorinnen. trotzdem hat die nutzung von büchereibüchern viele parallelen mit commons, weil es eben nicht nur um einen dienstleistung geht, sondern um konkrete dinge, die gemeinsam genutzt werden. auch die frage, wovon autoren leben, müsste unter einer commonsperspektive neu behandelt werden, aber das gilt nicht nur für autoren, sondern für fast alle menschen, wenn man aus der commons-perspektive denkt.

        aber was die bücher betrifft, so meine ich, dass sie sich geradezu idealtypisch als commons eignen. sie werden nicht weniger dadurch, dass sie einer liest. meist liest man sie auch nur einmal, dann stehen sie jahrelang herum, verstellen platz, staub sammelt sich an, sie werden zum problem, wenn man übersiedelt und vielleicht liest man sie nach jahren wieder einmal, aber das ist noch lange kein grund, dass jeder mensch 1000e bücher bei sich zu hause horten muss. das verursacht ein veritables platzproblem (ich weiß wovon ich rede!) und hat noch einen ökologischen aspekt. wieviele bäume müssen sterben, damit jeder alle bücher selber haben kann? es müsste dann eben mehr büchereien geben, damit menschen weniger bücher selber kaufen müssen. und klar, wir alle haben unsere lieblingsbücher, die wir immer um uns haben wollen, aber das ist doch nur ein kleiner teil der bücher, die dann wirklich bei uns rumstehen, und das will ich ja auch keinem verbieten.

  2. Hallo Brigitte. Das Bibliothekswesen auszubauen und zu modernisieren ist sicher ein interessantes Projekt. Was mir hier allerdings viel mehr ins Auge sticht ist die künstliche Verknappung des Zugangs zu Literatur durch die Verlage, mit dem Ziel der Aufwand zu minimieren und gleichzeitig den Gewinn zu maximieren. Gerade bei Jugendkultur halte ich dies für unverantwortlich. Nehmen wir ein Beispiel: Der House of the Night-Bestseller Gezeichnet (vom Fischer Verlag empfohlenes Lesealter ab 14) ist als gebundene Version am 23. Dezember 2009 für 16 Euro 95 erschienen. Die günstigere Taschenbuchausgabe für 8 Euro 99 bei Bastei Lübbe lies bis zum 29. Dezember 2010 auf sich warten. Man beachte das Detail! Die Taschenbuchausgabe kommt nicht nur ein Jahr später, sondern nach Weihnachten. So muss man den Zugang der Jugend zu Literatur nicht organisieren und eine Gesellschaft muss solche Vermarktungsstrategien für Jugendbücher auch nicht tolerieren. Denn machen wir uns nichts vor: Hier findet auch eine soziale Benachteiligung junger Leser statt, deren Eltern sich diesen Spaß nicht leisten können (es gibt insgesamt 8 Bände davon = 135 Euro, die liest meine Tochter in einer Woche). Und in der Bücherei kriegst du die Dinger nicht, denn wenn die Jugend mal so richtig im Leserausch ist, dann alle gleichzeitig dasselbe. Warum? Na, sie wollen eben darüber kommunizieren. Wer wollte es ihnen verübeln.

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