Commons: ein Energiespender – wegen der Menschen und Stuttgart 21

Gestern schleppte ich mich verschnupft und verspätet zum Vortrag. Der lief super. Etwa so wie meine Nase. Ein in Pillenform verabreichter Wirkstoff hat das Durchhalten ermöglicht. Daher habe ich über eine Stunde geredet und eine slideshow das Gerede illustrieren lassen. Leider weigert sich WordPress, das Werk hochzuladen. Keine Ahnung warum.

Das Publikum ist irgendwie nicht müde geworden. Anschließend gab’s eine weitere Stunde Debatte, dabei kommt vieles immer wieder: Wovon die Leute leben sollen? Das fragen sich auch ein paar Milliarden Menschen in der realen freien Marktwirtschaft. Ob die Menschen sich wirklich helfen lassen wollen zu kooperieren? Wie die hochvermachteten und finanzintensiven Bereiche aus Commons-Perspektive zu denken seien – Energie, Pharma, Medien?

Da fällt mir immer etwas ein. …Nicht weil ich so gerne rede, sondern weil es überall gute Beispiele gibt: Energie ist Gemeingut und gehört in Bürgerhand. In Sachen Pharmaforschung kann man sich auch andere Lizenzen denken als die üblichen, die Unsummen an öffentlichen Mitteln für Grundlagenforschung exklusiv der Privatwirtschaft überlassen. Und dass man Medien selber machen kann, muss ich kaum in die Blogosphäre zwitschern. Die neuen IT-Strukturen machen’s einfacher. Ich habe gestern ein Jenaer Beispiel zitiert, das vermutlich den hiesigen Zeitungskonzernen (kleine Blätter mit großer Gruppe dahinter) wenig Freude macht. Den vielen Tausend Jenapolis-LeserInnen dafür umso mehr.

Kurz und gut. Mir scheint, es gibt nur wenige Produktionsbereiche, die man nicht endlich radikal dezentralisieren könnte. Alles eine Frage unserer Entscheidungen wenn es um die Frage geht, wie wir leben wollen.

Apropos Fragen: Letztens fragte mich eine Frau in Nürnberg, ob ich denn die Zeitung nicht lesen würde? Eine Katastrophe jage die andere  – wie könne man da so optimistisch sein? „Energie folgt der Aufmerksamkeit!“ Das hatte ich am Vorabend beim Zappen im Hotelzimmer aufgeschnappt. Ich richte meine Aufmerksamkeit auf die Commons und das gibt Energie. Isso. Und sei deshalb „Zur Nachahmung empfohlen“.

Das ist natürlich auch Energie, um den Katastrophen zu begegnen, um sich zu engagieren, Spendenaktionen zu machen oder Protestmails zu unter/schreiben.

Und apropos Protest: Wenn ich auf die beispiellose Situation in Stuttgart schaue, die auch letztes Wochenende bei der Gemeingütertagung von INKOTA Thema war (Brigitte hat über die wunderbare Interpretation des Geschehens durch Rainer Rilling berichtet), dann stimmt das optimistisch: Da entsteht in der Auseinandersetzung um die alten Bäume des Stadtparks ein Commons. Da passiert „commoning“ – über eingefahrene politische und Sozialstrukturen hinweg. Da tritt deutlich vor Augen, dass Gemeineigentum das eine und Commons nochmal was anderes ist (denn die Bäume sind „öffentliches Eigentum“, also von der Stadt verwaltet. Diese sollte die Interessen der BürgerInnen vertreten, hat sich aber als schlechter Treuhänder erwiesen.)

Also „demonstrieren“ uns die Stuttgarter BürgerInnen etwas, wie Heribert Prantl erinnert. Sie zeigen: „Das ist unser“. Unser Terrain, unsere Stadt, unser Steuergeld, unser Park, unsere Zunkunft. Vor allem aber: Unsere Verantwortung! Diese an die Politik oder Bahnchefs zu delegieren und sich anschließend nicht zu kümmern, wäre verantwortungslos. (Damit ist eine der Grundüberzeugungen der Commonsdebatte ganz gut umschrieben.)

Nochmal: Die Stuttgarter wehren sich nicht nur, sie kümmern sich. Genau so entstehen Commons. Nicht über die Definition einer Sache als öffentliches oder sonstwie geartetes Kollektiveigentum, sondern in der Auseinandersetzung mit anderen um diese Sache. Das illustriert den Satz: „Revolution ist nicht für Gemeingüter kämpfen, sondern durch sie.

Und das gibt Energie (auch wenn die Nase läuft.) Denn dieses Verständnis von „Revolution“ begegnet mir überall. Viele Leute haben einen intuitiven Zugang zur Diskussion um die Gemeingüter. Wie  ich immer wieder feststellen darf … so auch gestern Abend. Da kam das Beste zum Schluß.

Nach dem Vortrag kommt eine angehende Studentin auf mich zu und fragt, ob sie das Buch erwerben könne… Natürlich, kann jede/r, etwa: hier. Ich hatte meine letzten Oyas mitgebracht. Sie schaut die erste Nummer der frischgebackenen Zeitschrift an und sagt.

„Den Eröffnungsartikel,„Wovon wir alle leben“, hab‘ ich schon 5 bis 6 mal gelesen, immer neues gefunden und unterstrichen und so. Und dann habe ich mich entschieden Soziologie und Volkswirtschaft zu studieren. Da ist alles drin, Rechtswissenschaften, Politik und viel mehr“ … um den Commons wirklich auf den Grund zu gehen.

Wie würden sie bei mir zu Hause sagen? „Ich war stolz wie Hanne“.

Leider habe ich ihren Namen vergessen: Also so:

„Viel Erfolg beim Studium und wenn mal eine Commons-Hausarbeit ansteht, stehe ich gern zum Austausch zur Verfügung.“

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