Gemeingüter: Bedroht und doch im Aufwind

Ich habe gemeinsam mit Brigitte Kratzwald diesen Einführungsartikel (siehe unten) für das aktuelle INKOTA-Dossier über Gemeingüter beigesteuert. Das Dossier widmet sich dem Thema aus entwicklungspolitischer Perspektive. Hier geht’s zum Inhaltsverzeichnis, dort sind einige Beiträge verlinkt. Erwerben kann man das Heft für 3.50 + Versand gleich hier.

Die Renaissance der Gemeingüter; Bedroht und doch im Aufwind

Silke Helfrich/Brigitte Kratzwald

Die wachsende Bedeutung der Commons in Süd und Nord

Gemeingüter sind allgegenwärtig und doch bleiben sie häufig unsichtbar. Ob Wasser oder Wald, Saatgut oder Software, Wissen oder Kultur – wir brauchen sie zum guten Leben. Neoliberalismus und der Glaube, dass jeder sein Leben selbst und vor allem mit Geld regeln kann, bedrohen sie. Doch seit einiger Zeit gewinnt die Idee der Gemeingüter wieder an Bedeutung – in der Wissenschaft, aber auch in sozialen Bewegungen vor allem des Globalen Südens.

Wie sollen wir Commons im Deutschen nennen? Gemeingüter? Allmende? Gemeinheit? Wo kein Name, da keine Wahrnehmung“, sorgt sich der Umwelt- und Entwicklungsforscher Wolfgang Sachs. Dabei scheint es, als sähe man den Wald vor lauter Bäumen nicht, denn Gemeingüter sind allgegenwärtig und doch unsichtbar. Um sie wieder sichtbar zu machen, könnte man eine kleine Bausteintheorie entwickeln. …

Der erste Baustein: Die Gemeingüter (engl. commons) bestehen aus Ressourcen, die für uns so wichtig sind wie die Luft zum Atmen: Wasser und Wald, Saatgut und Software, Wissen und Kultur, öffentliche Räume und Zeit. Gemein ist all diesen Dingen, dass wir sie zum guten Leben und zum Produzieren brauchen. Doch sie sind nicht nur für uns da, einige davon existieren nur durch uns. Kein Mensch allein hat sie gemacht, die Sprache nicht und nicht die Vielfalt unserer Kulturpflanzen, die Software nicht und nicht das Wissen dieser Welt.

Der zweite Baustein: Die NutzerInnen. Sie sind in unterschiedliche soziale Zusammenhänge eingebunden, von der Dorf- bis zur Weltgemeinschaft, von einer Bauernvereinigung bis zur community für Freie Software. Gemeingüter – so eine Kernaussage – gehören allen Nutzungsberechtigten gleichermaßen. „Mein“ Wasser ist immer auch „Dein“ Wasser. Unsere Lebensmittel (somit Wasser, Boden, Biodiversität, Energie, Wissen) sind immer auch die Lebensmittel der Anderen.

Wer „Gemeingüter“ denkt, richtet den Blick darauf, wie wir mit diesen Ressourcen umgehen. Gemeingüter sind ohne Bindung an Gemeinschaften und ohne kollektives menschliches Handeln nicht denkbar.
Der dritte Baustein: Dieses Handeln setzt Haltungen, Normen und Regeln voraus, die sich von jenen unterscheiden, die auf Gewinn und wirtschaftliches Wachstum verengt sind. Dann bleibt erhalten und mehrt sich, was uns allen gehört. Die Herausforderung ist dabei, die Ressourcennutzung so zu gestalten, dass die Gemeingüter als Gemeingüter erhalten, das heißt gesellschaftlich verfügbar bleiben.

Wenn dies gelingt, werden wir wieder einen starken Begriff für die Commons haben. Für das, was wir gemeinsam nutzen, indem wir uns gemeinsam kümmern. Dann tritt der Wald hinter den Bäumen hervor und die Idee der Knappheit entlarvt sich als Konstrukt des Marktes. „Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“, wusste Antoine de Saint-Exupéry, und das Wesentliche ist die Fülle der Allmende, die immer wieder aufgefüllt werden muss. Das ist komplex und anstrengend. Doch es gelingt an vielen Orten und zu allen Zeiten. Wagen wir einen Blick in die Geschichte.

Existenzsicherung und Mitbestimmung für alle

Historisch wurden vor allem die in tatsächlichem Gemeindebesitz befindlichen Gewässer, Wiesen und Wälder als Gemeingüter bzw. Allmende (etymologisch: All+Gemeinde) bezeichnet. Ähnliches galt für die Commons im vorindustriellen England. Die politischen Rechte der Menschen sollten durch Nutzungsrechte an Commons abgesichert werden. Alles was die Menschen zum Leben brauchten – Holz zum Bauen und Heizen, Weide und Futter für das Vieh, Wasser und Land zum Anbau von Lebensmitteln –, war zur Nutzung für alle frei. Dadurch wurden Abhängigkeitsverhältnisse vermieden.

Umgekehrt garantierte die Art der Nutzung den Erhalt der Wälder und Weiden. Mit dem Aufkommen des Liberalismus ab dem 17. Jahrhundert ging die Tendenz dahin, Freiheitsrechte durch Privateigentum abzusichern, was schließlich in der US-amerikanischen Verfassung (und in allen Gesetzgebungen der westlichen Hemisphäre) seinen Niederschlag fand. Dennoch blieb die gemeinsame Nutzung von Commons in vielen Regionen und für viele Menschen alltägliche, wenn auch umkämpfte, Praxis. Gerade in Ländern des Südens hängt die Lebensqualität der meisten Menschen in erster Linie von der Vitalität der Gemeingüter ab. „Gemeingüter sind das Netz des Lebens“, sagt deshalb die alternative Nobelpreisträgerin und indische Umweltexpertin Vandana Shiva.

Die Allmende gehörte auch in Deutschland bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zur Lebensrealität, doch mit den Gemeinheitsteilungsgesetzen ab Mitte des vorvergangenen Jahrhunderts verschwand allmählich der Begriff. Durch den berühmt gewordenen Aufsatz des Biologen Garrett Hardin, “The Tragedy of the Commons“ (Die Tragik der Allmende, 1968) schien er endgültig ins Reich der Geschichte verbannt. Gemeingüter galten als überholte soziale Praxis, die dem modernen Menschen und moderner Produktionsweise nicht entsprach. Zwar war die Metapher von der „Tragik der Allmende“ einprägsam, aber wie gut war die Analyse?

Garrett Hardin nutzte das Bild einer Weide „open to all“, auf die alle Herdenbesitzer ihre Schafe trieben. Anders als im richtigen Leben redeten die Hardinschen Herdenbesitzer nicht miteinander und anders als in der historischen und modernen Allmende gab es in seinem Gedankenexperiment auch keine definierten Zugangs- und Nutzungsregeln. Genau genommen hat Hardin also eine „Tragik des Niemandslands“ und nicht eine „Tragik der Allmende“ beschrieben. Er selbst gab in späteren Aufsätzen seinen KritikerInnen in diesem Punkt Recht.

Trotz gravierender analytischer Schwächen wurde der vielzitierte Titel zum geflügelten Wort und rechtfertigte damit auch die Praxis der Einhegung, besonders in den Ländern des globalen Südens.

Héctor Col, Vertreter der kleinen Küstenfischer in Chile, einem Land, in dem 91 Prozent der sich über Tausende Kilometer hinstreckenden Küstenstreifen privatisiert worden sind, beschreibt das am Beispiel des Kampfes gegen die industrielle Lachszucht, die die Lebens- und Einkommensgrundlagen vieler Fischer zerstört hat: „Sie wollen das Meer in Zahlung geben, aber es gehört allen Chilenen. Den kleinen Fischern haben sie schon ihre Fische weggenommen. (…) Sie werden Ihnen nicht auch noch das Meer wegnehmen, der Ort, an dem sie arbeiten. (…) Was uns wirklich interessiert ist, dass uns unser Recht zurückgegeben wird, weiterhin freie Menschen eines freien Meeres zu sein, dass sie uns unsere Ressourcen zurückgeben und dass das Meer auch weiterhin Erbe aller Chilenen ist.“

Die Rückkehr der Commons und ihre Bedrohung

Vor allem in der Wissenschaft und bei den sozialen Bewegungen des Südens erfuhren die Commons in den letzten Jahrzehnten eine begriffliche Renaissance. Letzteres verwundert nicht, ist doch das Verständnis der Welt gerade indigener Bewegungen den Commons sehr viel näher als klassischen linken Konzepten, die meist mit einem bürgerlichen Wertekanon verknüpft sind. Darüber fand die Debatte ihren Weg zurück nach Europa – in einem Moment, in dem die Suche nach dem guten Leben angesichts multipler Krisen und „jenseits von Markt und Staat“ immer wichtiger wird. Das Nobelpreiskomitee für Wirtschaft hat dies bei der Vergabe des Preises 2009 eindrucksvoll bestätigt. Der Preis ging an Elinor Ostrom, die anhand zahlreicher Feldstudien aufgezeigt hat, wie gemeingüterbasiertes Wirtschaften gelingt.

Gemeingüter waren stets und sind auch heute bedroht. Ob der Verlust von Artenvielfalt oder der Verlust von Sprachen: ihre Substanz, der erste Baustein, schwindet. 1.000 von noch existierenden 6.000 Sprachen sind Kleinsprachen mit weniger als 1.000 SprecherInnen. Schätzungen zufolge werden bis zu 90 Prozent der Sprachen noch in diesem Jahrhundert aussterben. Sprachliche Vielfalt aber ist zugleich kulturelle Vielfalt. Jede Sprache ist ein Archiv des Wissens über die Nutzungsmöglichkeiten für viele Tier- und Pflanzenarten. „Wenn ein alter Mensch stirbt, dann ist es, als ob eine ganze Bibliothek verbrennt“, weiß ein afrikanisches Sprichwort.

Sprache, Gemeinschaft, Kultur und Natur sind aufs Engste miteinander verknüpft. Es gibt daher nicht hier die Allmende des Wissens und der Kultur und dort die Allmende an Wasser und Land. Das eine ist mit dem anderen untrennbar verknüpft. Wer das Wissen und die Kommunikation kontrolliert, kontrolliert die Art wie wir produzieren und damit unser Leben. Das zu verstehen, eröffnet sozialen Bewegungen neue bündnispolitische Horizonte. In anderen Worten: Wir brauchen eine große soziale Bewegung für alle Gemeingüter.

Gemeingüter werden aber nicht nur in ihrer Substanz bedroht, sondern auch in ihrem Wesen, und zwar durch die Einschränkung der Zugangs- und Nutzungsrechte an den Ressourcen. Den Ausschluss der Allgemeinheit von der Ressourcennutzung kann man durch Konzentration und Korruption durchsetzen, also mit der Macht des Geldes. Man kann ihn auch politisch legitimieren, etwa durch internationale Vertragswerke zur Liberalisierung von Handel, Dienstleistungen und Investitionen oder durch die Ausweitung sogenannter Intellektueller Eigentumsrechte. Hier geschieht Einhegung durch die Macht des Staates. Am subtilsten erscheinen uns jedoch die Möglichkeiten, die sich durch technologische Einhegungen ergeben. Etwa durch die Terminator-Technologie, die dem Saatgut das Leben austreibt, oder die im sogenannten Digital Restriction („Rights“) Management verankerten Befugnisse, IT-Technik, mit der wir umgehen, so zu programmieren, dass am Ende die Technik mit uns umgeht.

Vor allem aber ist die Privilegierung privaten Eigentums ein Problem. Nicht nur, weil alles zur Ware gemacht wird, sondern auch weil es lange Zeit schien, als wäre Privateigentum für die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse stets am besten geeignet. Die Schattenseiten treten nun ins Licht. Weil alle dachten, sie können alles, was sie zum Leben brauchen, selbst beschaffen oder käuflich erwerben, wurden die gemeinsam genutzten Güter nicht mehr gepflegt. Sie verfielen oder wurden unbemerkt ins Marktsystem eingegliedert.

Aber auch das gilt gemeinhin als Fortschritt. Dabei hat es in vielen Fällen die dramatische Übernutzung von Ressourcen nicht verhindert, sondern eher gefördert. Die Fähigkeiten und Rahmenbedingungen, die wir brauchen, um Gemeingüter als solche zu bewahren, drohen in dieser Weltsicht verloren zu gehen. Die wirkliche Tragik der Allmende ist, dass wir sie vergessen haben. Und wir haben vergessen, was es braucht, damit sie funktionieren.

Faladjis: Commons sind wie Gärten

Ein durch Pflege lebendiges Common sind zum Beispiel die Faladjis. Das Wort stammt aus dem Persischen, doch Faladjis gehören auch uns. Zumindest ideell, denn seit 2006 ist das Aflaj-faladj in den drei omanischen Regionen UNESCO-Weltkulturerbe. Hier sind noch 3.000 der antiken Bewässerungssysteme in Benutzung, einige davon versorgen Tausende von Menschen. In der UNESCO-Begründung heißt es, Faladjis stellten „eine außergewöhnlich gut erhaltene Form der Landnutzung dar“.

Die Bauten folgen einem einfachen Prinzip: An den Berghängen wird das Grundwasser angegraben und dann, die Topographie geschickt nutzend, in Kanälen zu den Siedlungen geleitet. Anfänglich verläuft der Kanal meist unterirdisch durch felsigen Boden, anschließend über mehrere Kilometer offen bis zu den Feldern. Dort wird das Wasser nach festgelegten Regeln so verteilt, dass sich niemand benachteiligt fühlt, „kompliziert aber fair“. Die Nutzer wissen, dass sie vom jeweils anderen abhängig sind, sie folgen gemeinschaftlich bestimmten Regeln und setzen nachfragebasierte Instrumente ein, um das System am Leben zu erhalten. Eine offenbar tragfähige Mischung.

Das Entscheidende – wie bei allen Gemeingütern – ist die Ausgestaltung der Nutzungsrechte. In jedem Faladji muss sichergestellt werden, dass alle ihre Felder bewässern können. Anspruchsberechtigt wird man durch vererbbare Besitzanteile oder durch Erwerb derselben auf Versteigerungen. Die Einnahmen kommen der Pflege der Faladjis zu Gute, um die sich ein maintainer kümmert, bei großen Kanalsystemen ist es eher ein Komitee.

Die Nutzungsrechte sind abgestuft. Man könnte sagen: Je wichtiger für das Leben, umso freier der Zugang: Erstes und wichtigstes Nutzungsrecht ist, dass von allen kostenlos Trinkwasser für Mensch und Tier entnommen werden darf. Darüber hinaus gibt es an geeigneten Plätzen Badestellen. Auch deren Nutzung ist frei für alle. Zudem durchqueren die Kanäle Moscheen und rituelle Anlagen und werden dort für rituelle Waschungen genutzt. Erst danach steht das Wasser für die Bewässerung privater Grundstücke zur Verfügung. Das System ist erfolgreich, weil es verlässlich ist. Jedem Stück Land entspricht ein Bewässerungszeitraum.

Die weitgehend selbstbestimmt verwalteten Faladjis sind mit Existenz und Lebensqualität in den oft dürregeplagten communities untrennbar verbunden, daher geben auch Anteilseigner nicht selten etwas an das Faladji zurück, die Früchte der Dattelpalmen zum Beispiel oder Wasserrechte, die sie nicht nutzen.
Der Umgang mit drohender Dürre, etwa durch Verzicht auf Bodenbearbeitung, durch Nutzung nur eines statt zweier verfügbarer Kanäle oder durch zusätzliche Arbeitsleistung ist abstimmungs- und arbeitsintensiv, aber wirksam.

Das ist ein Grund dafür, warum die Regierung Omans die Erhaltung der Systeme intensiv unterstützt und für deren Ausbau sorgt. Faladjis, so die Experten, werden die Hauptbewässerungsquelle im nördlichen Oman bleiben. Die Alternativen sind schlecht: moderne Tankwagen und Plastikflaschenwasser. Der Zugang zu ihnen hängt vom Geld ab.

Grundzüge der Gemeingüter

Das Beispiel der Faladjis verweist auf Gründzüge der Gemeingüter, die Elinor Ostrom und viele ihrer MitstreiterInnen herausgearbeitet haben:
* Eigentum, so wie es heute verstanden wird – als unbeschränkte Verfügung über eine Sache –, ist weniger wichtig. Wichtiger ist die Unterscheidung zwischen Besitz und Eigentum: Besitz berechtigt zur Nutzung eines Gutes, nicht jedoch dazu, andere von der Nutzung auszuschließen, das Gut zu verkaufen oder zu zerstören. Man kann zwar die Nutzungsrechte übertragen, nicht aber das ganze komplexe System unter den Hammer bringen.
* Gemeingüter brauchen eine möglichst klar definierte Gruppe von NutzerInnen. Bei globalen natürlichen Ressourcen wie der Atmosphäre ist dies die ganze Menschheit.
* Es muss klare Regeln für die Nutzung der Ressource geben. Sie sollten von der Gruppe der NutzerInnen entwickelt und kontrolliert werden.
* Es muss – nicht existenzbedrohende – Sanktionen für Regelverstöße geben.
* Die Regeln müssen vom Staat anerkannt werden, oft erhalten sie Gesetzesstatus. Staat und Unternehmen können einbezogen sein.

Gemeingüter als gemeinsames Handeln

Commons sind also nicht nur eine Gabe, sondern vor allem eine Aufgabe. Nicht nur Lust, sondern auch Last. Ohne die aktive Beteiligung aller NutzerInnen, ohne commoning können sie nicht gedeihen. Man könnte sagen, es geht um das „sich kümmern”, um das Sorgetragen dafür, dass eine Ressource nicht übernutzt wird, oder – was sich unserer Wahrnehmung oft entzieht – durch Nichtnutzung verschwindet. Ersteres gilt für begrenzte natürliche Ressourcen, Zweiteres für Dinge wie Musik, Sprachen oder die Demokratie. Wenn wir aufhören sie auszuüben, sind sie irgendwann mal weg.

Commoning ist geprägt von Kooperation, schließt Wettbewerb jedoch nicht aus. Dieser wird allerdings nicht zum leitenden Prinzip. Commoning braucht Vertrauen zueinander, Respekt und Verantwortung füreinander und eine lebendige Beziehung zu den Ressourcen selbst. Während den einen Wasser heilig ist, kommt es für die Anderen aus der Wand. Das ist ein nicht zu unterschätzender Unterschied. Hier können wir von Partnern im Süden lernen.

Commoning ist also eine Tätigkeit, die nicht nur bestimmte soziale Fähigkeiten braucht, sondern diese auch hervorbringt. Hier werden Sozialbeziehungen gestärkt, die in der Marktwirtschaft in den Hintergrund treten. Gelingendes Commoning misst sich grundsätzlich nicht am Kontostand oder am Bruttoinlandsprodukt, eher schon an Aspekten wie Zufriedenheit und Verfügbarkeit all der Dinge, die wir zum Leben brauchen.

Etwas als Commons, das heißt in seiner Beziehung zur Gesellschaft zu verstehen, verändert die Sicht auf Altbekanntes, auf Konflikte, politische Programme und Entscheidungen. Aus dieser Perspektive zu schauen heißt oft, jenseits der bisweilen unfruchtbaren Polarisierung um Markt versus Staat, öffentlich versus privat, Kooperation versus Konkurrenz, Eigennutz versus Gemeinnutz, Geld oder Leben zu argumentieren. Ganz ohne Geld wird es vorerst nicht gehen, aber die Frage ist, wie machen wir aus dem, was allen zur Verfügung steht, mehr gutes Leben statt einfach mehr Geld?
Die Antwort könnte lauten: Mit der Mehrung von Gemeingütern!

Silke Helfrich, viele Jahre in der Entwicklungspolitik tätig, ist freie Publizistin in Jena. Sie betreibt das www.commonsblog.de – auf dem es Fundsachen von der Allmendewiese zu lesen gibt. Brigitte Kratzwald, www.commons.at, lebt in Graz und arbeitet als Sozialwissenschaftlerin zu Fragen des neoliberalen Umbaus des Sozialstaates, zu sozialen Bewegungen und zu alternativen Gesellschafts- und Wirtschaftsformen.

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