„Vor Verändern kommt Verstehen“

Ingo Stützle provoziert, dass man ihm den Titel dieses Beitrags in etwas abgewandelter Form zurück gibt, … und sich dennoch mit ihm scheibchenweise (open heart/ open mind) über Argumente auseinandersetzt. Die aktuelle a&k hat offenbar eine Pro-Contra Commonsdebatte gewollt. Und  sie hat sie gekriegt. Deswegen ist es recht einfach, auf Ingo Stützle mit Benni Bärmanns sehr gelungenem Plädoyer für die Commons zu antworten.

Hier noch eine kurze Replik auf Ingos Commonsdiskurskritik, in der ich persönlich die Grundzüge der Debatte kaum wieder finde. Habe ich soeben auf eine Liste gepostet und reproduziere das hier einfach.

1. „Keine Güter sind qua Natur Gemeineigentum“ – da hat er recht. Das steht ja in fast jedem Text. Es steht IMHO nicht mal die Behauptung im Raum, dass die Dinge (die Ressourcen, auf die alle gleichermaßen einen Anspruch haben, was nicht dasselbe ist wie „Gemeineigentum“) als Gemeineigentum per Definition besser verwaltet werden, was ja auch eine Provokation ist. Auf die sozialen Aneignungsprozesse kommt es an.

2. aus dem Blick gerate die „Veränderung der Aneignungsweise der Produktionsmittel“. Der Commonsdiskurs läuft selbstredend auf eine andere Form des (Re-)Produzierens hinaus, auf eine, in der Produktion und Reproduktion in eins fallen. Auf eine, in der Privateigentum, Anordnung und Verwertung auf dem Markt in den Hintergrund treten. Das ist ja das Spannende an der Diskussion.

Stichwort: Commons based Peer Production, die zunehmend auch für die Produktion materieller Güter geführt wird. Ich sag’s mal drastisch: Lohnarbeit gibt’s in dieser Idee überhaupt nicht. Es geht exakt um andere Formen der Vergesellschaftung (von der Ingo meint, sie käme in der Diskussion nicht vor)! Empfehle dazu besonders die Lektüre von http://www.keimform.de

3. Zur Staatskritik: Ich muss erstmal in Ruhe drüber nachdenken, warum die einen (von links) der Diskussion unterstellen, über die Commons solle der Staat – wie bei den Liberalen – abgeschafft werden. Und die anderen (ebenso von links) der Meinung sind, in der Commonsdebatte käme der Staat ungeschoren davon und es gäbe keine Machtkritik. Hmmm. Hier eine kleine Diskussion dazu.

4. Den Punkt finde ich richtig: auf Gemeingüter verweisen setzt tatsächlich einen Bezug zu Gemeinschaften voraus. Der Begriff ist an die sozialen Subjekte gekoppelt, ist anders gar nicht denkbar. Und diese Kollektive sind „nicht einfach da“. Korrekt. Das kann man auch als Stärke sehen: es gibt kein revolutionäres Subjekt, an das man seine Projektionen binden kann. Wir müssen die Commons schon selber machen.

3 Gedanken zu „„Vor Verändern kommt Verstehen“

  1. Pingback: Linke Metadebatte über Gemeingüter | Gemeingüter

  2. Pingback: »Vor Veränderung kommt Verstehen« — allerdings! — keimform.de

  3. Pingback: Come on! Commons als neue Stars am linken Diskurshimmel und konkrete Utopie? | Ingo Stützle

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