Her mit den alten Bräuchen. Weg mit dem Winter!

Sieben Uhr, der Wecker schrillt und ich wage einen Blick aus dem Fenster. Dicke Schneeflocken mit grau drumrum. Ich zieh mir die Decke übern Kopf!

Weiß noch jemand, wie man den Winter austreibt? Nee? Da haben wir den Salat! Kein Wunder, dass er nicht weichen will.

Aber ein paar Tage sind noch Zeit, um dem Winter Beine zu machen – vielleicht hilft es, die  Erinnerung an alte Bräuche, die kulturelle Allmende, zu beleben. Bräuche haben eine strukturierende Wirkung im Chaos und eine belebende im Grau. Sie verbinden uns – mit unserer Geschichte und mit den Rhythmen der Natur. Also: Her mit den alten Bräuchen. Fort mit dem Winter!

Ein paar Beispiele

„Hutzel raus, de Doud is daus“ sangen die Teilnehmer in früheren Jahren am Sonntag Lätarevia

Ein Brauch aus der Lausitz:

Die Frauen banden eine mächtige Strohpuppe zusammen, bekleideten sie mit einem Sterbehemd und hüllten sie in einen Brautschleier. In die linke Hand gaben sie ihr eine Sense und in die rechte einen Besen. Die Strohpuppe stellte den Winter dar.

Unter Rufen, Kreischen und Johlen trug man sie aus dem Dorf heraus“

oder

In anderen Gegenden hängte man das Sterbehemd des Winters in einen einsamen Feldbaum und rief dazu: „Der Winter ist tot! Es lebe der Frühling! Die Prozedur endete schließlich lustig und fröhlich.

vía

In Nürnberg gibt’s das Mittfasten:

Eine alte Nürnberger Tradition ist das „Winteraustreiben“ zu Laetare, dem „Mittfasten“. Am mittleren Sonntag zwischen Aschermittwoch und Ostern, also genau zur Hälfte der Fastenzeit machte früher die Bevölkerung eine Pause beim Fasten: An diesem Sonntag im Frühjahr wurde von Alters her musiziert, getanzt und vor allem gegessen.“

vía

An den Küsten Nordfriesland lodern die Biikefeuer, um Wotan zu besänftigen und den Winter fortzujagen. In Eisenach ist Sommergewinn.

“ Hexenmeister Michael Koch aus Wandersleben empfiehlt in seiner Handschrift aus dem 17. Jahrhundert, man möge doch den Dreck des Winters ins Feuer werfen, dreimal mit freiem Oberkörper darüber springen und dabei in die Hände klatschen. Dann würde es schon wärmer werden.“

erfahre ich gestern in der TA. Und in Jena, so heißt es dort, sei urkundlich belegt,

dass im Jahre 1699 … Leute auf einem Berg sitzend gesungen hatten: ‚So treiben wir den Tod hinaus in unseres Nachbarn Hirtenhaus„.

Welcher Berg war das? Ich lauf morgen gleich hin!

Foto Biikebrennen, by Lizenz CC, BY 

„Hutzel raus, de Doud is daus“ sangen die Teilnehmer in früheren Jahren am Sonntag Lätare

Hettingen. Zeitgleich, mit dem kalendarischen Frühlingsanfang, fällt in diesem Jahr die Winteraustreibung, die der Heimatverein Hettingen am morgigen Sonntag durchführt. Neben der Pflege und Erhaltung der vielen Bildstöcke und Flurdenkmale in der Gemeinde hat sich der Hettinger Heimatverein auch um die Pflege des Brauchtums verschrieben. So findet nun seit Gründung des Heimatvereines und unter dessen Regie bis heute das „Todaustragen“ statt.

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