Allmende: die Metatheorie des Internets

Götz Hamann nimmt auf ZEIT online einen Beitrag zum gescholtenen Apple iPad zum Anlaß, daran zu erinnern, dass mit dem Internet „eine Allmende entstand„.

Das Faszinierende daran ist, wie „einfach“ mitten in der Moderne die Allmende neu erschaffen werden kann. Sonst klingt das Wort Almende ja immer nach glücklichen Kühen auf Schweizer Almwiesen.

Tim Berners Lee verzichtet auf die Kontrolle dessen was die „virtuelle community“ mit den Ergebnissen seiner Arbeit macht, wie sie mit der Seitenbeschreibungssprache html und dem Internetprotokoll http umgeht. Und das World Wide Web Consortium lässt nur patentfreie Standards für das Netz zu. Fertig! Letztlich dreht sich alles um ein paar einfache Entscheidungen zur berühmten Eigentumsfrage. Die sind im Netz im Sinne der Allgemeinheit gefallen. Und deshalb würde aus dem Netz ein wahres Füllhorn.

Die Allmende, so ZEIT online, „wurde zur Meta-Theorie des Internets. Das Funktionsprinzip ist einfach:

„Zu dieser Gemeinschaft trugen alle bei, damit alle etwas davon hatten. Jeder schenkte, am besten etwas Persönliches: eine Idee, ein Argument, ein Stückchen Computercode, einen Text oder vielleicht ein Lied.“

Dieser Absatz gefiel mir in dem ansonsten verwirrend verworrenen Artikel. Da steht etwa, das Ipad sei

wie ein physischer Beweis dafür, dass der virtuelle Raum nicht von der realen Welt getrennt ist, sondern mit ihr an unzähligen Stellen eins.“

Aha! War bislang irgend einem Internet-Nutzer nicht klar, dass Strom verbraucht wer online geht? Dass ein Chip zu 99,9 % aus Silizium besteht und dass Subjekte aus Kohlenstoff das Internet zum Leben erwecken? Oder dies hier:

Zugleich wird offenbar, dass Offenheit nicht mehr das wesentliche Kennzeichen des Internets ist. Die US-amerikanische Gemeinde der Technologie- und Popkultur-Avantgarde strebt längst in geschlossene Gebilde und baut ihre Geschäftsmodelle darauf auf….

Dem folgt die Aufzählung der Bösen. Am allerbösesten ist Apple

das sich nicht einmal bemüht, internetliberal zu tun, und geradezu mit seinem geschlossenen System wirbt, weil da Software und Hardware am besten aufeinander abgestimmt seien.

Das stimmt! Das ist alles andere als nett von Apple. Das ist allmendefeindlich. Nur leider ist dem ZEIT Autor nicht aufgefallen, dass die Allmende (Internet) das Eine und Geschäftsmodelle von Unternehmen etwas völlig anderes sind. Das große Verdienst der Freien Software Bewegung ist, diese beiden Dinge nicht ständig miteinander zu vermengen und sie schon gar nicht gegeneinander auszuspielen.

Man kann mit Freier Software Geld verdienen (so wie mit dem Schreiben über die Allmende) ohne die Freiheit der Software und ihrer Nutzer_innen einzuschränken. Wir brauchen Geschäftsmodelle, die die Allmende nicht gefährden. Das liegt auch im Eigeninteresse derer, die irgendwie Geschäfte machen, da sie permanent aus der Allmende schöpfen.

Der Rest des Artikels verliert sich in solchen Irrungen und der Sorge um die Zukunft der KulturINDUSTRIE. So sei am Ende…

„endgültig klar, dass die Idee der Allmende, zu der alle beitragen und bei der sich alle nur maßvoll bedienen, nicht mehr trägt. Mit den großen Unternehmen haben die Regeln der realen Welt die Oberhand gewonnen.“

Wieso sollte die Idee der Allmende nicht tragen? Wir können auch weiter im Netz arbeiten, produzieren und kommunizieren. Wir müssen das I-pad nicht kaufen. Klar ist nur – alter Hut -, dass einige Unternehmen mit aller Gewalt Geschäftsmodelle durchsetzen, die unsere Nutzungsformen der Allmende kontrollieren. Eine völlig andere Frage ist, ob wir das zulassen. Denn, dass erkennt zur Ehrenrettung auch ZEIT online:

Das iPad und seine Epigonen bieten den starken Marken und den großen Verlagen eine Chance auf ein zusätzliches Geschäftsmodell. … Indem sich mehr und mehr Menschen dieser neuen ökonomischen und kulturellen Ordnung anschließen, drängen sie die alten Prinzipien weiter an den Rand, und es entsteht ein Internet voller Grenzen.“

Das ist keine schöne Vorstellung. Kein I-pad heißt also, dass wir diese „neue ökonomische und kulturelle Ordnung“ nicht einfach einkaufen. Das ist eine bessere Vorstellung!

Foto: by curiouslee, Lizenz CC By

Ein Gedanke zu „Allmende: die Metatheorie des Internets

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