Brennender Wunsch an Nils Boeing

oder: Eine neue Wirtschaftsweise ist im Kommen

Nils Boeing glaubt vermutlich nicht mehr an den Weihnachtsmann. Wunschzettel schreibt er trotzdem, noch dazu ganz hervorragende. Wie diesen hier im Technology Review:

„Fünf brennende Wünsche für eine technische Entwicklung, die eine nachhaltige und selbstbestimmte Produktion ermöglicht.“ Eine Entwicklung, die auf die Aufhebung der Trennung von Produzenten und Konsumenten gerichtet ist und uns davor bewahren soll/muss:

„irgendwann nur noch Gesellschaften von wenigen hochbezahlten Spezialisten mit großartigen Maschinen (und) schlechtbezahlten Verrichtern einfacher Dienstleistungen und einem Heer aus Arbeitslosen“ zu haben.

Allesamt Beispiele dafür, wie die Idee der Commons/ Gemeingüter mit der einer neuen Produktionsweise verschmilzt.

1. eine hocheffiziente Anordnung für die photolythische Herstellung von Wasserstoff nur mit Hilfe von Sonnenlicht.

2. eine Anlage für die einfache Do-It-Yourself-Produktion flexibler Solarzellen. Im Gegensatz zur „Vision“, dass eine Handvoll Konzerne den Solarzellenmarkt unter sich aufteilt, entstehen Wärme und Strom künftig hoffentlich vor allem da, wo sie gebraucht werden – in den communities. (siehe auch Energie als Gemeingut)

3. „vertikale Farmen“, für urbane Landwirtschaft und die drastische Reduktion des Flächenverbrauchs, weil weit weg von den Verbrauchern in der Fläche (horizontal) produziert wird. Kommentar: Urbane Landwirtschaft ist auch in der Low Tech Fassung sinnvoll.

4. Ein Personal Fabricator, der nicht nur Kopien seiner selbst herstellen kann, sondern auch Abfälle in die dazu nötigen Rohstoffe zerlegt.

5. Die Gründung eines Creative-Commons-Gegenstücks zu Patenten, denn „kulturelle Erzeugnisse sind … nur das halbe Leben.“, sagt Boeing. Recht hat er.

Was Boeing meint, das hat einen Namen: Commons Based Peer Production. Wir werden demnächst darüber unter dem Begriff Gemeine Peer Produktion schreiben. Mein brennender Wunsch also an Nils Boeing: Titeln Sie den Wunschzettel und schreiben Sie über die Commons Based Peer Production, die Gemeine Peer Produktion – oder wie immer Sie das übersetzen wollen. Das gäbe dem Ganzen Kohärenz und erhöhte die Aufmerksamkeit. Wenn wir die Trends nicht begrifflich zu fassen kriegen, werden sie  als unverbundene Einzelphänomene, nicht als Alternative wahrgenommen.

Einen guten Einstieg gibt’s in der Contraste vom Januar 2009 und in Christian Siefkes‘ Buch „Beitragen statt tauschen“.

Warum die Gemeine Peer Produktion (die commons based peer economy) auf einem guten Weg ist, den Durchbruch in der Wirtschaft und in der öffentlichen Wahrnehmung zu schaffen, schreibt Michel Bauwens auf dem P2P Blog: Die 10 wichtigsten Peer-to-Peer Trends des Jahres 2009 – zusammengefasst und kurz kommentiert im nächsten Blogbeitrag.

3 Gedanken zu „Brennender Wunsch an Nils Boeing

  1. liebe silke,

    vielen dank fürs aufgreifen meines textes! bin jetzt erst drauf gestoßen, shame on me. zum begriff: commons based peer production ist schon noch sperrig und gemeine peer production auch noch nicht rund. mir gefällt ja frithjof bergmanns eigenproduktion, nur fehlt da wieder der commons-aspekt. vielleicht könnte man es auch allmende-produktion nennen? muss ich noch weiter drüber nachdenken.

    ciao, nbo

  2. hi, jetzt musste ich erstmal nachlesen, was ich mir so brennend gewünscht hatte. Die Allmende-Produktion hatten wir verworfen, weil Allmende vielen nach „glücklich grasenden Kühen auf Schweizer Almen“ klingt.

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