Arduino: Open Hardware + Geschäftsmodell

Hier berichtet GOLEM über Arduino: ein erfolgreiches Projekt freier Hardware, das derzeit hauptsächlich von  Künstlern und Bastlern verwendet wird. Arduino bringt auch Geld. Das Erfolgsrezept scheint mir: eine Kombination aus Vortrefflichkeit des Produkts und Offenheit des Designs.

Doch beginnen wir am Anfang: Eine (italienische) Firma entwickelt etwas, das sie Arduino nennt. Es könnte ein Rasierapparat sein, mit dem man auch Rasen mäht oder ein Fahrrad, das auch kurze Distanzen überfliegt. Aber Arduino ist ein Mutterbrett (ein motherboard), also so etwas wie die Hauptplatine eines Computers, auf der alles Wichtige steckt, um den  Rechner zum rechnen zu bringen. Hauptprozessor, Speicher, Steckplätze und so weiter.

Arduino wird mit Programmierschnittstellen geliefert (engl. API) und mit Anwendungsprogrammen zur Softwareentwicklung (engl. IDE). Was immer das genau bedeutet – das Produkt leistet ziemlich viel und es öffnet allen möglichen Anwendungen Tür und Tor.

Dem Board, so sagen jene, die es bewerben, kann man Beine, Arme, Augen, Ohren und mehr verleihen. Es funktioniert

„wie das zentrale Gehirn für Eigenbau Ideen in denen automatische Abläufe oder Interaktionen mit einem Computer oder dem Internet gewünscht sind“.

Der technische Ausdruck dafür heißt:  „Mikrocontrollerboard„. Ein Mikrocontroller, so musste ich mich belehren lassen, hat mit Überwachung nichts zu tun, sondern es ist ein Steuerungschip wie er praktisch in jedem Gerät steckt, vom Kühlschrank bis zur Waschmaschine.

Die Anwendungsmöglichkeiten des Arduino sind nahezu unbegrenzt.  Er  „kann fliegen, bier brauen, autos fernsteuern, pflanzen giessen, unglaubliche Fotos machen, Türen öffnen, Strom sparen und noch viel mehr.“ Und viele Anwender brauchen zur Nutzung nicht einmal professionelles Wissen über Elektronik. Auch die Software für die Programmierung sowie die Programmiersprache sind einfach gehalten. (vía)

„Offen“ ist Arduino, weil es den Anwendern zur Nutzung freigegeben wird. Das ist so, als würden Sie den Bauplan des Rasierapparats und des fliegenden Fahrrads veröffentlichen, zum Umbau – damit der Rasierapparat am Ende auch Haare verlängert und das fliegende Fahrrad auch schwimmt. Dh. Das Produkt darf also nachgebaut, an eigene Bedürfnisse angepasst und  umgebaut werden. So funktioniert auch freie Software. Das Layout des Boards sowie die dazugehörige Software stehen unter der Lizenz Creative Commons Attribution Share-Alike 2.5 beziehungsweise unter der GPL v2.

Wovon leben die dann? So die Frage, die bei solchen Beispielen immer gestellt wird. Golem schreibt, es sei ein bisschen wie bei den Büchern, die komplett online gehen (so wie auch dieses hier) und die – gerade dadurch – besser verkauft werden:

„Obwohl jeder die Platine nachbauen kann, kommen die Hersteller den Bestellungen nicht hinterher. Allein in diesem Jahr haben sie Arduino und seine Abkömmlinge mehr als 60.000-mal verkauft, letztes Jahr waren es noch 34.000 Stück.“

Die Leute bleiben gern beim Original. Sie verlassen sich gern auf Qualität. Und sie machen nicht unbedingt gern alles selbst.

Ursprünglich wurde die Platine an dem Interaction Design Institute in Ivrea in Auftrag gegeben, wo Professor Massimo Banzi ein Board für ein  Kunstprojekt benötigte. Nachdem das Institut geschlossen wurde, gaben die Beteiligten das gesamte Projekt als Open Source frei. Es sind kollektive oder individuelle Entscheidungen, die einer Sache ihren gesellschaftlichen Charakter verleihen. Das ist eine gute Nachricht. Sie macht deutlich, dass  sich schon in dem Moment, in dem wir in Commonskategorien denken (lernen),  die Möglichkeiten erweiteren, Gemeingüter zu schützen und zu mehren.

Heute gibt es viele, die Arduino als Grundlage für eigene Entwicklungen nutzen. Auch sie müssen nun – entsprechend der Lizenz – wieder zur Nutzung und Weiterentwicklung durch anderer freigegeben werden. So füllt sich die Allmende Freier Hardware.

Mehr Technisches und Andwendungsmöglichkeiten in deutscher Sprache auf dem Arduino Microcontroller.

PS: auf sachliche Korrekturen v.a. zur technischen Seite, freue ich mich.

Foto: by Matt Biddulph; Lizenz: CC BY SA

6 Gedanken zu „Arduino: Open Hardware + Geschäftsmodell

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