Konkurrenz und Kooperation

Troja (Foto: Hans Paysan)

Kaum zwei Aspekte unseres sozialen Daseins sind so heiss umstritten wie Konkurrenz und Kooperation. Die beiden Streithähne tauchen in allen Bereichen unseres Lebens in den verschiedensten Farben und Schattierungen auf, wie zwei Chamäleons auf dem Kriegspfad. Kapitalismus und Kommunismus, Krieg und Frieden, Teamplayer und Einzelkämpfer, Proletariat im blauen Anton und Lonesome Cowboy im Sonnenuntergang, geldabhängige Warenwirtschaft und Sphäre der Gemeingüter, Homo oeconomicus und Homo reciprocans, Schwarz oder Weiss. Mann und Frau?

Zugegeben, es ist verlockend,… der Konkurrenz etwas typisch männliches zuzuschreiben und die Rivalität zwischen Männern beim Buhlen um die schönste Frau sozusagen zum Archetypus der Konkurrenz schlechthin zu stilisieren. Es wäre schön einfach, wenn unterdessen ein Heer kooperativer Frauen gemeinsam Kinder hütete und Beeren pflückte, während hitzköpfige Männer sich auf der Jagd um das wildeste Wild prügelten, um damit bei der Prinzessin den grösstmöglichen Eindruck zu schinden.

Leider ist das alles nicht so einfach! Zwar scheint die Hypothese gestützt durch Beobachtungen, dass z.B. das Spiel, in dem es nur Konkurrenz und überhaupt keine Kooperation gibt (Schach nämlich) bisher von Wilhelm Steinitz bis Viswanathan Anand nur männliche Weltmeister aufzuweisen hat, während die erste Wirtschaftsnobelpreisträgerin der Welt (Elinor Ostrom) gerade heute in Oslo bei ihrer Auszeichnung ausgerechnet über ein kooperatives Thema (Gemeingüter nämlich) sprechen wird. Aber insgesamt erweist sich diese binäre Betrachtungsweise als völlig haltlos, so wie sich eben auch die Welt nicht durch 1 oder 0, sondern durch eine möglichst komplexe Interaktion dieser beiden Gegenspieler beschreiben lässt.

Blöd: Dass ich keine der Schachweltmeisterinnen von Vera Menchik bis Alexandra Kostenjuk kenne, ist bloss auf meine Ignoranz zurückzuführen und der Beruf des Soldaten ist in vielen Teilen der Welt eine eindeutig männliche Domäne – trotz seines hochgradig kooperativen Charakters. Zwar ging es beim berühmten Trojanischen Krieg um ein klassisches Rivalitätsproblem unter Männern (Paris raubt die schöne Helena und soll von deren Gatten Menelaos dafür eine aufs Dach kriegen), aber der Krieg selbst ist im Gegensatz zum „Zickenalarm“ an Kooperation kaum zu übertreffen.

Janus (Quelle: Wikipedia)

Konkurrenz und Kooperation scheinen eher auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden, als miteinander verfeindet zu sein. Liegt darin der Grund, warum purer Kapitalismus und reiner Kommunismus historisch gescheitert zu sein scheinen? Brauchen wir zwei Währungen in der European Community, den Euro und den Communitytaler? Brauchen wir statt Homo oeconomicus und Homo reciprocans einen Homo janus? Einen Homo reciproeconomicus?

Liegt uns Menschen dieser Zwiespalt im Blut? Seit der Eiszeit in den Genen? Zugegeben, beim Kampf um den attraktivsten Paarungspartner hört die Kooperation auf. Aber einen Mammut alleine jagen? Für sich alleine Flöte spielen? Die Eiszeit allein im kalten Tippi überwintern?

Ist dies der Grund, warum Fussball eines der erfolgreichsten Spiele weltweit ist? Weil es Konkurrenz zwischen den Mannschaften und Kooperation zwischen den Spielern in nahezu idealer Weise vereint?

Träumereien. Zeit fürs Bett.

5 Gedanken zu „Konkurrenz und Kooperation

  1. Alle Ansätze, die Kooperation und Konkurrenz als entweder-oder diskutieren, landen irgendwann auf der Nase. Das hast du sehr schön dargestellt. Also kann beides nur als Verhältnis begriffen werden. Aber wie?

    Im Oekonux-Projekt hatten wir die Diskussion vor längerer Zeit auch mal, und daraus sind zwei Texte entstanden:

    Benni Bärmann: Kooperation und Konkurrenz, http://www.opentheory.org/kooperenz/text.phtml?action=hideall

    Stefan Meretz: Zum Verhältnis von Kooperation und Konkurrenz, http://www.opentheory.org/ko-kurrenz/text.phtml?action=hideall

    Wenn man bei den Texten auf das »Pluszeichen« klickt, kann man die (damalige) Diskussion einblenden.

    • Das sieht ja nach einer sehr spannenden Diskussion aus, die Ihr da geführt habt. Der wichtigste Schritt könnte sein, zunächst einmal sichtbar und spürbar zu machen, dass sowohl Kooperation als auch Rivalität ihren funktionierenden Platz im Netzwerk unserer Gesellschaft haben müssen.

  2. Die Reziprozität wird in der sozialen Austauschtheorie diskutiert, früheste Erwähnung ist Simmel 1908. Zudem werden Konkurrenz und Kooperation in der Koopetion seit Ende der 1990er Jahr sogar in der betriebswirtschaftlichen Strategiedieskussion erörtert, Stichworte hier sind Koopetition, Coopetition, Co-opetition oder auch Koopkurrenz. Ich bin die Diskussion durchgeflogen und habe entsprechende Schlagworte nicht gefunden…

  3. Na das ist mal was………….

    allerdings braucht es nicht auf die platteste – leider aber immer wieder medial und das als „wissenschaftlich “ verbrämt re und reaktivierte Populistische Gender Binär-Terrorschiene heruntergebrochen zu werden. das dies immer wieder so derart versimpeld in unsere Gehirne gepumpt wurde ist ja schon bezeichnend. es ist aufgeladen: seit Darwin
    wurde dieser zumindest um die Hälfte amputierte Zusammenhang ständig per Patriarchale Kapitalimus Perspecktive in repressive sozialdarwinistische Enge überführt, die genutz wird und mit zu Katastrophen wie dem NS beitrug.
    Trotzdem sind wir immer noch nicht so weit endlich mal die so weithin sichtbaren zentralen Stellschrauben der Wahnsinnsmaschine Spekulationskapitalismus als menschheit demokratisch zu kontrollieren.

    (massive Spekulationssteuern, um globalen sozialen und ökologischen Ausgleich zu finanzieren,Derivatenspekulation verbieten, globale Umweltgesetze:wer verschmutzt muss haften und reparatur bezahlen : )

    Hierzu müßten eben doch die vielen lokalen Akteure sich einigen auf eine bis 10 Forderungen, die dann zusammen durchgesetzt werden, bevor der Planet zu vergiftet ist.

    Das seit längerem die Biologen/innen versuchen eine Bresche in die propagandistische Gehirnwäsche zu bahnen,
    und dem Prinzip der Kooperation in der Natur zu seinem
    wesentlichen Recht zu verhelfen., wird gegenüber der platten Binären Naturversimpelungsmasche eben zumeist nicht medial verbreitet, es würde eben allem zuwider laufen,was die „herrschenden Verhältnisse “ sind.

    Dies wurde früh von Anarchistischer Seite versucht in Theorien gegen den( kapitalistischen )Staat umzusetzen, allerdings würde nun das was als globale Struturen um Demokratie statt Kaitalismus ausbalancierend durchzusetzen ben kaum in irgendwelche anarchistischen
    Vorstellungen passen, wie denn das zusammmen kriegen ?

    die herrschenden verhältnisse sind aber gefährlich absurd, inkl.
    Inhaftierung von friedlich für die Rettung aller demonstrierenden bürgerliche Greenpeace Aktivisten, die es gewagt haben mit Luxuskarrossen bei der Königin zum Essen zu erscheinen allein um harmlose Sprüche in die Kameras zu halten, die
    das mindeste verlangen, was von den Herrschenden zu verlangen ist. Wolln die echt erst warten, bis wi wieder die Gullotine raus holen ?

    und wie soll das dann genannt werden ?

    grußchen aus berlin

    Ruth

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