Zwischen Eiszeitkunst und Weihnachtsmarkt

Auf der Suche nach erzählbaren Beispielen für die Commons habe ich mich heute gemeinsam mit meinem Sohn in die Stuttgarter Innenstadt begeben. Wir besuchten dort zunächst die Venus vom Hohlen Fels, einer vom Tübinger Archäologen Nicholas J. Conard am Hohlen Fels auf der Schwäbischen Alb entdeckten Schnitzerei aus Mammutelfenbein, die mit fast 40.000 Jahren als älteste Frauendarstellung der Menschheitsgeschichte gilt. Conard hat die Entdeckung in der britischen Wissenschaftszeitschrift Nature veröffentlicht, den man hier für 32 Dollar als pdf-File beziehen kann. Wir lösten zwei Ticket für 10 und 8 Euro und suchten die wenige Zentimeter große Figur, um die eigentlich ein ähnlicher Hype entstehen müsste, wie um die Mona Lisa im Louvre (der Eintrittpreis in den Louvre ist mit 9 Euro übrigens 10 % billiger als der ins Stuttgarter Kunstgebäude), und finden sie unauffällig in einem kleinen Glaskästchen … einsam und relativ unbeachtet. Es gibt noch ein paar andere Sensationen in der Ausstellung, wie das älteste Musikinstrument der Welt, einer kleinen Knochenflöte (auch für 32 Dollar zu haben), einem unfassbar schönen Pferd (wie gehabt, Nature: 32 Dollar), einem Vogel, einem Löwen und vieles mehr. Viele der Exponate waren schon zu Ötzis Zeiten 30.000 Jahre alt. Ich würde gerne ein Bild von den Figuren hier zeigen, aber in der Ausstellung ist Fotografierverbot (warum eigentlich, denn ein Blitzverbot wäre völlig ausreichend), die Postkarten haben ein Copyright und der Ausstellungskatalog (knapp 25 Euro) auch (als ob die Venus vom Hohlen Fels kein Kulturerbe der Menschheit, sondern ein urheberrechtlich geschütztes Produkt wäre). Schade, denn im Prinzip hätte ich sehr gerne noch etwas effizienter Werbung für diese bis zum 10. Januar 2010 andauernden Ausstellung im Stuttgarter Kunstgebäude gemacht. Naja – für nur wenige Hundert Euro kann man sich ja durch Lektüre einschlägiger Literatur ein Bild vorab machen (werde ich zu zynisch?).

Naja, so ein richtiges Gemeingut zwischen mir und meinem Sohn war die Kunst der Eiszeit ohnehin noch nicht. Wir haben uns stattdessen auf eine gemeinsame Currywurst auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt gleich nebenan geeinigt. Von Gemeingütern auch hier keine Spur? Der Verdacht drängt sich auf, denn ohne Moos ist hier nichts los. Die Currywurst kostet 3.50 Euro pro Stück und wird im praktischen Pappmülleimer serviert – Gesamtarbeitszeit der Abfertigung pro Wurst maximal 7 Sekunden und da die Leute Schlange stehen vermute ich bei 40 Cent Material und 10 Cents Nebenkosten pro Wurst mit einer Nettoabfertigung von 500 Würsten pro Stunde einen Rohertrag von circa 3.000 Euro pro Stunde – aber lassen wir das. Jedenfalls steht fest, dass man auf diesem Weihnachtsmarkt ohne einen dicken Geldbeutel im Grunde nichts tun kann als aufzupassen, dass man nicht in einen Senfhaufen oder einen stehengebliebenen Glühweinnapf tritt. Ich bin mir trotzdem nicht ganz sicher: Wenn man den Käufer in weihnachtlicher Kaufstimmung als begrenzte Ressource begreift, den es langfristig und wiederkehrend zu erhalten und zu bewirtschaften gilt … und die Standpächter als Commoners … ??? … ach was … lassen wir auch dies!

PS:  In der Internetseite der Ausstellung heisst es Die auf dieser Website veröffentlichten Inhalte unterliegen dem deutschen Urheber- und Leistungsschutzrecht. Jede vom deutschen Urheber- und Leistungsschutzrecht nicht zugelassene Verwertung bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des Anbieters oder jeweiligen Rechteinhabers. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigung, Bearbeitung, Übersetzung, Einspeicherung, Verarbeitung bzw. Wiedergabe von Inhalten in Datenbanken oder anderen elektronischen Medien und Systemen. Inhalte und Rechte Dritter sind dabei als solche gekennzeichnet. Die unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe einzelner Inhalte oder kompletter Seiten ist nicht gestattet und strafbar. Lediglich die Herstellung von Kopien und Downloads für den persönlichen, privaten und nicht kommerziellen Gebrauch ist erlaubt. Die Darstellung dieser Website in fremden Frames ist nur mit schriftlicher Erlaubnis zulässig. Es tut mir deshalb leid, nichts näheres berichten zu dürfen.

Ein Gedanke zu „Zwischen Eiszeitkunst und Weihnachtsmarkt

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