Prinzipien des Commonsmanagements II

Auf den P2P Diskussionsseiten gibt es eine interessante Liste von Franco Papeschi & Tory Dunn zu der Frage, woran man ein nachhaltiges Projekt erkennen kann. Es erfasst m.E. zugleich die wichtigsten Prinzipien einer commons based economy, also der Gemeinschaftlichen Produktion von Gleich zu Gleich bzw. der ‚Gemeinen Peer-Produktion‚ jenseits von  Markt und Staat (Apropos,wie klingt der Begriff? Provokant?)

Hier die Übersetzung das Fragenkatalogs mit einigen Ergänzungen von mir. Die assoziierten Prinzipien, so wie ich sie sehe, habe ich in Klammern gesetzt.

  1. Hilft die Initiative/das Projekt den Menschen, ihre Zeit so gut wie möglich zu nutzen? (Zeiteffizienz besser vielleicht noch: Entschleunigung)
  2. Stärkt sie die Beziehungen zwischen den Menschen? (Beziehungsorientierung)
  3. Gibt es einen klar identifizierbaren sozialen Nutzen (oder, falls dieser nicht klar identifizierbar sein sollte, zeichnet sich diese Richtung ab)? (Gemeinwohlorientierung)
  4. Produziert das Projekt/die Initiative mehr für die community/Gesellschaft/Umwelt, als es ihnen nimmt, einschließlich einer ausgeglichenen Gewinnverteilung und sozialer Re-investition? (Vermeidung von Über- und Unternutzung)
  5. Ist die Initiative und ihr Ergebnis auf lange Sicht nachhaltig? Fügt es der Resourcenbasis mehr hinzu als sie ihr nimmt oder belässt sie sie in ungeminderter Qualität? (Nachhaltigkeit)
  6. Sind die Handlungen und Verfahren transparent, inklusive der daraus entstehenden Produkte sowie der damit verbundenen Prozesse und Folgen? (Transparenz)
  7. Gibt es konkrete Maßnahmen, die die soziale Intention und das gewünschte Ergebnis schützen und pflegen? (Monitoring)
  8. Ist das Projekt/Vorhaben zumindest neutral für Menschen, die es nicht benutzen? (z.B. es mindert nicht die Ressourcen für andere Nutzer) (Unschädlichkeit)
  9. Reduziert es Zugangshürden? Macht es Dinge einfacher? Ist es „zugänglich“ im weitesten Sinne des Wortes? Bietet es den Ausgegrenzten und an den Rand Gedrängten Zugang zu zusätzlichen Ressourcen, gibt es Ihnen eine Stimme? (Zugangsgerechtigkeit, Einschluss statt Ausschluss)
  10. Gibt es keine ungerechtfertigten und/oder künstlichen Grenzen des Zu- oder Weggangs vom Projekt? (Freiwilligkeit)
  11. Respektiert es die Menschenrechte und den kulturellen Kontext? (Wenn dies in Opposition zueinander steht, glauben wir, dass die Menschenrechte Vorrang haben.) (Respekt der Menschenrechte)
  12. Respektiert es die Vielfalt? (Vielfalt)
  13. Trägt es dazu bei, verdientes Vertrauen und Zusammenarbeit aufzubauen? (Kooperation)
  14. Stärkt es eine sozial nützliche und nachhaltige Nutzung der Daten und Informationen, die es erzeugt? (Offene Standards, freie Technologien)
  15. Bietet es Möglichkeiten des Tauschs von Werten, die dem Kontext angemessen sind und nutzt es diese? (Kulturelle Relativität)
  16. Sind die Entscheidungverfahren transparent, demokratisch und partizipativ bzw. sind sie von den Betroffenen akzeptiert?(Selbstorganisation, Demokratie)

Weitere Elemente:

  1. Bietet es einen Hebel/ erleichtert es lokale ownership (kulturelle Aneignung) und wirtschaftliche Entwicklung? (Rückgebundenheit)
  2. Ist es auf andere Dimensionen übertragbar? (Skalierbarkeit)
  3. Folgt es den best-practices von Nutzer-generiertem Design? (Exzellenz)

Weitere Prinzipien, die in der Diskussion sind:

  • Überschaubarkeit (die ist beispielsweise bei komplexen globalen ökologischen Systemen kaum gegeben)
  • Vorsorgeprinzip (würde zutreffen, wenn etwas Neue Technologien zum Einsatz kommen, von denen man nicht weiss, wie sich sich künftig auf das oben genannte auswirken werden)

update: 12.11.

  • Gegenseitigkeit, für die es eindeutige und leicht identifizierbare Signale geben muss
  • Konsistenzprinzip, im folgenden Sinne: daß nur diejenigen Umgangsformen mit Gemeinressourcen lokal umgesetzt werden können, die auch global widerspruchsfrei sind. Diesem Prinzip zufolge vermag die Aussenwelt die selbstbestimmten Entscheidungen einer community einzuschränken, wenn das Ergebnis ihres Tuns nicht skalierbar ist (siehe oben.)

Was fehlt?

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2 Gedanken zu „Prinzipien des Commonsmanagements II

  1. Pingback: nachhaltigBeobachtet

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