Jack Wolfskin macht sich lächerlich

Es sieht so aus, dass Jack Wolfskin, obwohl erst 1981 gegründet, die Rechte an Katzenpfoten hat. Wer hätte das gedacht?! Das muss ich gleich den Alten Ägyptern, Walt Disney und dem Pinken Panther erzählen“, so ein Betroffener der jüngsten Abmahnwelle von Jack Wolfskin.

Dem wäre nichts hinzufügen, würde sich Wolfskin nicht ausgerechnet bei Walt Disney in der Nähe Gleichgesinnter befinden.

Das Denken solcher Firmenstrategen kommt mir vor wie aus einer anderen Galaxie. Und gleichzeitig scheint es mir genau unsere Chance – das „alte Denken“ macht sich mit diesem Gebahren einfach lächerlich.

Hier die ganze story mit ständigen updates, bei Netzpolitik eine kurze Zusammenfassung und hier erfahren wir warum…

die taz bestimmte Merchandising-Produkte aus Outdoor-Bereich nicht mit der taz-Tazze bedrucken oder besticken darf – auch dann nicht, wenn neben der Tatze der Schriftzug „die tageszeitung“ eine eindeutige Zuordnung erlaubt„,

Spiegel online hat recherchiert und macht klar, warum wohl so manche Hobbybastlerin demnächst auf Pferdefußmotive umsteigt, denn:

„Das Problem der Abgemahnten: Es könnte sein, dass ein Gericht gegen Jack Wolfskin entscheidet und die Sache ähnlich bewertet wie die meisten Bürger mit gesundem Menschenverstand: Wie kann ein Taschenspiegel, ein Sticker, eine Ohrstecker, der nichts mit Outdoor zu tun hat, nirgends die Marke Wolfskin erwähnt und von ganz anders aussehenden Pfotenabdrücken bedeckt wird, der Millionen-Marke Wolfskin schaden? Es ist aber leider nicht sicher, dass ein Gericht so urteilt. Eine der Abgemahnten bringt es auf den Punkt:

Wolfskin hat mehr Geld, um mit einem Batzen Gutachten auf die Verwechslungsgefahr zu pochen. Ich hatte zwar den Willen, aber einfach nicht das Geld, mich da irgendwie weiter zu rechtfertigen. Bei dem Streitwert kann nicht einmal ein befreundeter Anwalt tätig werden. Schon die Gebühren für Verfahren am Oberlandesgericht sind zu hoch. Viele der Abgemahnten haben Angst vor den Anwälten des Konzerns…“

Update vom 20. Oktober:

Der ursprüngliche Artikel vom Werbeblogger hat eine Lawine der öffentlichen Aufmerksamkeit losgetreten – die so schnell nur übers Netz losgetreten werden kann. Mir scheint, hier bahnt sich ein interessantes Beispiel an wie „alte“ und „neue“ Medien gemeinsam kritische Öffentlichkeit herstellen. Die Geschichte wird zu beobachten sein.

Hier schonmal die Stellungnahme von Wolfskin.

„Leider ist es notwendig, auch verhältnismäßig kleine Anbieter mit einer Abmahnung und entsprechender Kostenerstattung zu kontaktieren.“

Markenrechtsverletzung ist Markenrechtsverletzung ist Markenrechtsverletzung ist … Kopf einschalten! Denn: Imageverlust ist Imageverlust ist Imageverlust.

Update vom 22.Oktober:

Ix kommentiert vortrefflich ironisch:

so erhofft sich jack wolfskin offenbar mit seiner unnachgiebigen und mutigen haltung, werden einerseits die vorzüge des deutschen rechtssystems illustriert und andererseits das image der marke gestärkt (jack wolfskin schützt, ist unnachgiebig, wetterfest, hermetisch und rechtlich gesehen einwadfrei).

nicht nur marktteilnehmer die gedankenlos tatzen auf anziehsachen abbilden und kleben, sondern auch alle potenziellen käufer müssen verstehen, dass es gut für alle ist, wenn deutsches recht bis ans limit und zur vollen härte ausgeschöpft wird. wo würden wir denn hinkommen, wenn gerechtigkeitssinn oder ein gefühl für fairness höher stünden als der wortlaut von gesetzen?“ (Herv. von mir)

und hier noch ein Auszug aus der jüngst veröffentlichten Stellungnahme von DaWanda, eben jenem Marktplatz für Selbstgemachtes, auf dem die inkriminierten Produkte feil geboten wurden.

DaWanda lebt als Marktplatz für Unikate und Selbstgemachtes davon, dass die Mitglieder ihre Kreativität entfalten und fair miteinander handeln können. Wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt, werden diese im Dialog geklärt.

Ich frag mich ja immer noch, ob man jetzt die Anwälte oder das Management von Jack Wolfskin ins Kommunikationsseminar für Anfhänger schicken muss.

17 Gedanken zu „Jack Wolfskin macht sich lächerlich

  1. Könntest Du mal recherchieren, wo man T-Shirts mit Pferdefußmotiven von den Bastlerinnen bestellen kann? Ich werde eines kaufen!

  2. Pingback: Wenn Jack das Fell über die Ohren gezogen wird | Kurz nachgedacht

  3. JW ist für mich seit je her ein „Rotes Tuch“ – ich kann weder den zauselig anmutenden GF Hell noch das prollig vorgetragene Logo leiden!

    Leiden tun eher meine Augen, wenn ich Samstags im Stadion diese „Kotz-Banden“ mit JW und der Tatze beim Blick auf meine Mannschaft ertragen muss…

  4. Pingback: Twitter Trackbacks for Jack Wolfskin macht sich lächerlich « CommonsBlog [commonsblog.wordpress.com] on Topsy.com

  5. Pingback: Homepage Tipp » Verlor Jack Wolfskin durch die Abmahnungen die Google – Site-Links?

  6. Hallo, sind grad erst auf die probleme aufmerksam geworden…haben auch eine tatze in unserem logo, müßte doch aber hoffentlich zu weit entfernt sein, oder? Sind unter http://www.pimpyourpet.de wär ja noch schöner wenn jetz haustierartikel auch noch mit outdoorkleidung in einen topf geworfen werden…was meint ihr?

  7. Die Angelegenheit erinnert an die Machenschaffen der Firma Monsanto zum Erwerb von Patentrechten auf Züchtungsmethoden von Lebewesen, die es schon lange gibt.
    Nun gehört J. Wolfsskin, wie zum Beispiel Lidl, zu den Firmen bei denen ich nicht mehr kaufe.

  8. Pingback: Jack Wolfskin: Im System zuhause « Exportabel

  9. Pingback: Jack Wolfskin – Tatzenklau « AISTHESIS

  10. Pingback: Jack Wolfskin und die Tatzenposse: 1:0 für uns « CommonsBlog

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