Jenapolis: hyperlokale Kommunikationsplattform verbindet

Einfach mitmachen! Sich einmischen! Das wollen die Macher von Jenapolis, der ersten hyperlokalen Kommunikationsplattform in Deutschland. Und sie wollen, dass die LeserInnen mitmachen und die Kommunikation darüber in die Hand nehmen, was in ihrer Stadt vorgeht.  Bürgerjournalismus in Reinkultur!

„Jenapolis schafft mit seiner Plattform …eine lokale Architektur für Informationen, Ideen, Meinungen, Waren und Dienstleistungen und eröffnet dadurch jedem die Möglichkeit, die Themen, die ihn interessieren, auf die öffentliche Agenda zu setzen und sie dort gemeinsam zu diskutieren.“

Die Seite ist vieles: Marktplatz (Biete alte Platten. Suche Gesangsunterricht!) und Thing zugleich. Doch anders als im Mittelalter, findet die thing-Versammlung hier nicht unter Vorsitz des Königs unter freiem Himmel statt, sondern im Cyberspace, koordiniert vom Jenapolis-Team. Die Web 2.0 affine Crew will…

„eine Brücke schlagen zwischen den Bürgern, der Stadt, den Unternehmen, aber auch Institutionen wie der Universität und der Fachhochschule. Hier kann sich jeder engagieren, ohne gleich zum Aktivisten werden zu müssen.“

So einfach wie es klingt ist es natürlich nicht. Jenapolis ist neu – wenngleich bemerkenswert erfolgreich. Kaum ein halbes Jahr online, spricht schon die ganze Stadt darüber. Doch wer mitmachen will (mehr als nur kommentierend), muss etwas Zeit und Energie investieren: sich einloggen, ein Profil anlegen, das Passwort gut aufheben, die Plattform verstehen.

Journalismus von unten geht auch hier nicht nebenbei. Das Team um den Kommunikationsexperten Arne Petrich setzt deshalb durchaus auf nutzergenerierte Inhalte, macht aber vor, wie’s geht. So gibt es tägliche Zusammenfassungen zu Jena in der Presse, zu Sport und Stadtratsbeschlüssen, Ereignissen in Vereinen und Ortschaftsräten, zu Forschungsergebnissen an wissenschaftlichen Einrichtungen und Meldungen aus der Jenaer Wirtschaft. Petrich und sein Team wollen, anders als die Lokalpresse, nicht einfach für die Bürger dieser Stadt schreiben, sondern mit ihnen kooperieren. Doch: So einfach werden die Leute nicht zum „Prosumenten„, meint Petrich.

Jenapolis lebt also -wie jedes Gemeingut- von den Kümmerern. Und diese müssen irgendwann von der Refinanzierung des Projekts leben. Infrastruktur, Server-, Koordinations- und Redaktionsleistungen müssen in Zukunft bezahlt werden. Je mehr LeserInnen, umso interessanter wird das Projekt für lokale Kleinanzeigen und Werbung. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, künftig Einnahmen zu generieren. Auf das Funktionieren des Geschäftsmodells darf man gespannt sein. Vielleicht engagiert sich irgendwann auch mal die Stadt für die Plattform ihrer Bürger?

Jenapolis ist eine Firma, und die macht -wie jede andere- eine betriebswirtschaftliche Rechnung auf. Dabei profitiert sie von den Möglichkeiten des Schreibens, Publizierens, Bewertens und Diskutierens im Netz – wo Inhalten schnell aggregiert und Informationen einfach (re-) strukturiert werden können.

Die Philosophie aber entspricht dem Motto: „Einfach teilen!“

„mit den Leuten etwas machen, ihre Belange teilen, aber auch ihre und unsere Ressourcen. Ein Beispiel: Jenapolis richtet einen Fotoservice ein und 10 % der Einnahmen kommen der Bürgerstiftung Zwischenraum zu Gute. So die Idee. Selbige wäre hier nicht einfach Kunde, sondern Kooperationspartner. Sie erhält dann nicht nur Unterstützung in der Öffentlichkeitsarbeit, sondern auch eine Möglichkeit, die Stiftungskasse zu füllen.“

Das Prinzip des Teilens ist das wichtigste Prinzip des Commoning – dieser Form des Miteinanders, in der die Menschen ihr Leben (und die Kommunikation darüber), in die eigene Hand nehmen. Warten wir ab, ob die die erste hyperlokale Mitmachplattform Deutschlands diesen hohen Anspruch durchhält.

Patrick Brauckmann jedenfalls hat Jenapolis schonmal als „lokalen Machtfaktor“ identifiziert. Er beschreibt am Beispiel der Zensursula-Abstimmung, wie über die Plattform Macht von unten entwickelt wird:

„Die Redaktion schaute nach, wie die einzelnen MdBs sich in Sachen ‚Internetsperre‘ verhalten haben und hat dazu auch die Ergebnisse der Abstimmung im Bundestag dargestellt. Zusätzlich können die Leser des Online-Magazins selbst abstimmen. …

Die Botschaft entsteht (auf Jenapolis) erst durch die Masse der Teilnehmer, die ihre Meinung abgeben und damit – ganz im Sinne des web 2.0 – die Meinung der Community bilden. Im konkreten Fall waren alle Leser gegen Internetsperren und bewerteten damit auch ihre Abgeordneten – der Machtfaktor ging damit von der Basis der Nutzer der Community aus, kanalisiert über selbige. So funktioniert web 2.0 in der Politik…“

3 Gedanken zu „Jenapolis: hyperlokale Kommunikationsplattform verbindet

  1. Das Konzept von Jenapolis finde ich auf alle Fälle interessant.
    Unter dem Stichwort ‚Bürgerjournalismus‘ finden sich seit längerem in vielen Städten die Regio- oder Stadtwikis. Ich bin mal gespannt wie sich das Ganze künftig entwickeln wird, schön wäre eine Kombination von Stadtwikis mit einer lokalen Wikinews-Seite bzw. dem Konzept von Jenapolis.

  2. Pingback: Jenapolis » CommonsBlog: “Hyperlokale Kommunikationsplattform verbindet Jena” «

  3. Ein schöner Vergleich: „und Thing zugleich…“🙂

    Auch wenn die originären „Thing-Elemente“ noch nicht komplett entwickelt sind. Hier müssen wir noch einiges an Informationsarbeit gegenüber den Bürgern und – leider! – auch bei den Politikern/Entscheidern leisten.

    Herauszuheben ist außerdem, daß auch das Jenapolis-Team in erster Linie aus Bürgern besteht. Das ist in sofern wichtig, als daß wir uns eben nicht als klassische Redaktion sehen, die Inhalte besorgt. Wir koordinieren „lediglich“ das Informationsbedürfnis anderer, wenn man so will.

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