Treuhänder als Commoners: eine Einführung in die Gemeingüterdiskussion

Vergangene Woche hatte ich das Vergnügen, auf der Mitgliederversammlung der GLS-Treuhand zu sprechen. „Vergnügen“ ist in diesem Fall alles andere als eine Floskel. Der Saal brechend voll und lauter Menschen die vielleicht nicht immer über Gemeingüter oder Wissensallmende in dieser Weise sprechen, die aber aus ihrer Praxis heraus sofort Zugänge dazu finden.

„Die 1961 gegründete GLS Treuhand e.V. ist ein Zusammenschluss von über 288 gemeinnützigen Trägern (Ende 2008) mit sozialen, ökologischen und kulturellen Anliegen. Sie berät Privatpersonen bei der Gestaltung von Testamenten, Erbschaften und individuellen Schenkungsvermögen.“

Die Stimmung war so, dass man vom Fleck weg Gemeingüterinitiativen hätte entwickeln können. Viel Debatte, viel positives feedback. Ich habe eine bildhafte Einführung versucht, die Lust auf das Thema machen soll. Wer sowas mal braucht: Hier die Präsentation! Und hier Ausschnitte aus der Rede: (Nur die Geschichte von Hardin und der Tragik ist nicht ausgeführt, weil ich sie schon singen kann und zum aufschreiben zu faul bin)

„Was wäre, wenn Sprache kein Gemeingut wäre?… Dieses Sprachbeispiel gefällt mir, denn es lehrt uns Einiges über die Natur der Gemeingüter:

1.Das Wichtigste, weil Mutmachende: Es gibt (noch) viele Dinge, da ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sie als Gemeingut funktionieren.

2.Es gibt eine Menge Bedingungen dafür, dass etwas als Gemeingut funktioniert.

Zunächst einmal: Wir können uns den Gemeingütern gegenüber nicht passiv verhalten. Wir müssen aktiv etwas tun. Wir selbst, nicht die anderen. So, wie wir Sprache selbst lernen müssen. Wer das von klein auf tut, hat es leichter, doch auch er muss sie pflegen. Gemeingüter müssen gepflegt werden. Wer eine Sprache im Erwachsenenalter lernt weiss, wie müßig das sein kann.

Wenn wir verstanden werden wollen, müssen wir Regeln respektieren. Grammatikalische, phonetische, aber auch soziale. Wir können nicht einfach sprechen wie wir wollen und wir können nicht einfach sagen was wir wollen. Wir müssen achtsam sein – die Umgebung, die Interessen der anderen berücksichtigen.

Wir müssen eine bestimmte Anzahl von Nutzerinnen und Nutzern haben – also eine hinreichend große Gemeinschaft, die die Sprache gebraucht und sie pflegt. Stirbt die Gemeinschaft, stirbt das Gemeingut, die Sprache. Und umgekehrt. Stirbt die Sprache stirbt ein Teil des kulturellen Gedächtnisses, ein Teil der Seele der Gemeinschaft.

Sterben die Wälder, sterben ganze Gesellschaften, wie eindrucksvoll die Geschichte der Osterinsel zeigt. Das heißt: Gemeingüter sind immer an konkrete Nutzungsgemeinschaften gebunden.

Zum Verhältnis von Gemeingütern und Wirtschaft:

„Das Verhältnis zwischen der Sphäre der Gemeingüter und der der (Real-)Wirtschaft ist sehr leicht zu verstehen. Es ist das Verhältnis zwischen Riese und Zwerg. Das eine ist groß. Das andere klein. Aber die Wirtschaft hat gegenwärtig die Tendenz, sich wie ein Giftzwerg zu verhalten und sich gnadenlos aufzublähen – zu Lasten der Gemeingüter.

Dabei ist klar, so wie kein Mensch ohne Gemeingüter leben kann, kann auch kein Unternehmen ohne Gemeingüter Geld verdienen. Die Wirtschaft entnimmt der Sphäre der Gemeingüter ihre Rohstoffe – unter und auf der Erde. Sie nutzt ihre Transport- und Kommunikationsräume – den Äther zum Funken, den Luftraum zum Fliegen, die Ozeane, um sie zu befahren. Sie profitiert von über Jahrhunderte entstandenem Wissen und kulturellen Praktiken und was tut sie? Was geht aus den warenproduzierenden Prozessen zurück in die Sphäre der Gemeingüter? Meistens Müll. Abbaubare und nicht-abbaubare Abfälle in der Biosphäre, Werbemüll, Reizüberflutung und Lärm verdrängen soziale und kulturelle Entfaltungsräume.“

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