Eintritt zum Einkaufen

Es gibt Dinge, die gibt’s eigentlich gar nicht. Stellen Sie sich eine Einkaufsstraße vor. Allererste Lage. Jemand hat die Idee, den Zugang zur Straße zu sperren und dafür Eintritt zu kassieren. Gibt’s nicht? Gibt’s doch. Und zwar hier. Im touristischen Herzen von Prag.

Es ist das berühmte Goldene Gässchen, die Zlatá ulička. „von Mythen erfüllt… an der Innenmauer der Prager Burg, einer der größten Touristenmagneten…. Die 11 winzigen Häuser stammen aus dem 16. Jahrhundert … Franz Kafka arbeitete im Haus Nr. 22 an seinen Werken.“

Gern zahlte ich Eintritt, um dieses Haus zu besichtigen, so es denn erhalten wird und als Museum offen steht, aber Eintritt zum Einkaufen? Die Gasse ist nämlich unbewohnt. Sie bietet weder Museen Platz noch finden sich bemerkenswerte öffentliche Dienstleistungen. Im Gegenteil. Es gibt dort nichts außer Souvenirläden und Cafés.

eintritt-strase1Wer meint, als freier Bürger -vorbei an alten Häusern- sein Grundrecht auf Bewegungsfreiheit ausüben zu dürfen, wird von diesen Herren und diesem Tor (siehe Foto) daran gehindert.

Ab 18 Uhr gibt es sie dann wieder – die Bewegungsfreiheit. Die Läden sind noch immer geöffnet. Angesichts der Lage „wahre Goldgruben“, sagt mein Reiseführer.

Eingekauft hab ich nix. Vielmehr die ganze Zeit über diesen Zustand nachgedacht.

Es wird wohl nicht mehr lange dauern, da wird der Zuckerhut von Sichtsperren umgeben und nur wer Eintritt zahlt, darf dahinter schauen. Historische Innenstädte sind dann nur noch nach Begleichen des Wegzolls begehbar. Selbst in der Goethegalerie hier in Jena wird demnächst Eintritt kassiert, bevor das Shoppingcenter die Tür zu den dort beherbergten Geschäften öffnet. Eintritt zum Einkaufen!

Übrigens in allen Fällen – dem realen des Goldenen Gässchens und den Fiktiven – kassiert (vermutlich) der Staat. Das macht das Ganze freilich nicht besser. Im Gegenteil: Wer, wenn nicht der Staat, sollte einen Funken Vorstellung davon haben, dass öffentlicher Raum als Gemeingut ein Wert an sich ist?

Fotos: by Maros M r a z (Maros) GNU Free Documentation Licence and A.Ziller

4 Gedanken zu „Eintritt zum Einkaufen

  1. Es ist durchaus kein Einzelfall. Auch die Altstadt im vietnamesischen Hoî An, einem UNESCO-Weltkulturerbe ( http://whc.unesco.org/en/list/948 ), kostet beim Betreten Eintritt. Aber Eintrittsgelder für die Goethegalerie? Warum eigentlich nicht? Das gäbe den umliegenden Einzelhändlern wieder eine reale Existenzchance. Vielleicht sollte man für Kaufrausch-assoziierte Autostellplätze ein Minimum von 10 Euro pro Stunde verlangen und so der urbanen Einkaufsvielfalt eine existenzielle Vitaminspritze verpassen.

  2. Stimmt nicht ganz. In Hoî An darf sich am Einkaufen berauschen wer will – ohne Gebühr. Gezahlt wird nur für die Besichtigung der verschiedenen Sehenswürdigkeiten, Versammlungshäuser, für historische Wohnhäuser, mit entsprechender Führung und kulturelle Veranstaltungen. Das ist schon was anderes. Ansonsten: über die Zerstörung städtischer Gemeingüter u.a. durch die Einkaufseinfalt der Shopping malls, muss hier tatsächlich noch viel geschrieben werden.

  3. Gibt es dort eigentlich noch Bewohner. Wenn nicht, wer hat sie wann wie vertrieben?
    Mein Fokus ist, was kann ich in meinem direkten Umfeld, also hier, sofort machen, angehen, verhindern, … ?
    Auch Commons zurück gewinnen, sichern, schaffen, …

    Ohne Zusammenwirken mit anderen allerdings letztlich nichts.

  4. Pingback: Jenapolis » Schmökern Sie ein bisschen im Commonsblog, der mitten in Jena entsteht.  «

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