Zukunftsfähiges Deutschland: eine sympathisierende Kritik

Die Studie „Zukunftsfähiges Deutschland in einer Globalisierten Welt“ (im Fachjargon ZD II) tourt durch Deutschland. Ein beeindruckendes Nachschlagewerk zur Frage, wie wir Ökologie und Gerechtigkeit zusammenkriegen. Die Studie zeigt viele Wege aus der Krise! Und sie rückt die Gemeingüter ins Licht – vor allem jene, die mit unserer natürlichen Umgebung zu tun haben. Vergangene Woche hatte ich das Vergnügen, ZD II ausführlich zu kommentieren ……und dabei die Idee der Gemeingüter vorzustellen. Anlass war diese Tagung in der Evangelischen Akademie Meißen. Was für ein grandioser Tagungsort!
Hier die Rede und hier die Präsentation (bisschen dick, da viele bunte Bilder)

Ein paar Zitate:

„Da haben wir also das Denken in Commonsperspektive auf der einen und das Denken in Kategorien von Konkurrenz, Kontrolle und Kommerz auf der anderen Seite.

Über Gemeingüter (Commons) reden heißt, eine besondere Perspektive auf die Dinge einnehmen. Eine Perspektive, die auf bestimmten Werten und Prinzipien beruht (z.B. „do not harm“ als einfachste Anstandsregel). Ein wichtiges Prinzip ist: Vielfalt statt Konzentration. Ein Anderes: Unabhängigkeit und Selbstbestimmung statt Abhängigkeit und Fremdbestimmung.“

Im Vortrag wird der Ansatz (die Ethik) des Interneterpioniers Tim Berners Lee mit der von Bill Gates verglichen, die Verwertungsstrategie von Walt Disney (Corp.) mit den Ideen des Gründers der Freien Softwarebewegung, Richard Stallman. Im Ergebnis steht:

„Jeder Einzelne, aber auch jede politische Institution sollte sich klarmachen: es gibt keine freie Gesellschaft mit proprietären Technologien.

So wie die Atomkraft nicht zur nachhaltigen Energiewende passt,passt proprietäre Software -egal ob Microsoft oder Apple- nicht zu einer freien Gesellschaft.“

Ich halte ja solche Vorträge öfter. Die Reaktionen sind immer sehr schön. Einerseits, weil sich die Leute immer sofort mit ihren eigenen Ideen und Projekten in der Commonsdebatte verorten (wir sind alle commoners), andererseits weil immer irgend jemand sagt: Morgen steig ich um auf Freie Software!

foto: cc lizenz on flickr by bas:il

5 Gedanken zu „Zukunftsfähiges Deutschland: eine sympathisierende Kritik

  1. Pingback: sonic's status on Thursday, 07-May-09 11:49:30 UTC - Identi.ca

  2. hallo silke,

    dein einsatz für freie software in allen ehren – mich würde jedoch mal interessieren wie du das persönlich handhabst. bist du komplett umgestiegen und arbeitest wirklich produktiv mit *freier* software?

    ich habe da so meine zweifel. das ganze thema ist ja ziemlich mit mythen durchsetzt und schon bei den verwendeten begriffen wie freie software, open source, linux etc. geht es meistens munter durcheinander. hartnäckig hält sich das gerücht, freie, bzw.open-source-software wird des mitternachts von altruisten im kerzenschein zum wohle der menscheit programmiert – doch dem ist (oft) nicht so. hinter vielen erfolgreichen anwendungen und distributionen stehen nun mal ganz klassische unternehmen, die ihre mitarbeiter ganz regulär bezahlen und sich den support für ihre produkte natürlich auch entlohnen lassen.

    mark shuttleworth, der mann (natürlich;-) hinter ubuntu und co. sagt auch gerne mal so sätze wie:“I think a world without regulated capitalism would be a bleak one indeed.“ und wenn seine software auf dem heimischen rechner nicht funktioniert hat man eben pech gehabt. das ist sicher nicht die schuld von herrn shuttleworth nur sollte sich jeder im klaren darüber sein, dass freie/open-source-software unbestreitbare vorteile hat, aber unter den gegeben bedingungen auch sehr viele nachteile…

    viele grüße,

    rey cometa

  3. Hallo Rey, ja natürlich – ich nutze ein freies Betriebssystem und Freie Software. Nichts anderes. Freie Software ist inzwischen für den Hausgebrauch (Textverarbeitung, Grafik, Präsentationen usw.) sehr anwenderfreundlich und auch früher konnte ich mir bei technischen Problemen nicht helfen – da habe ich Windows-Support gebraucht, jetzt brauche ich eben GNU-Linux Support.

    Ein Mythos ist – bei Freie Software ginge es drum, alles umsonst zu kriegen. Dem ist aber nicht so. (Warum sollten nicht Leute, die für’s Programmieren bezahlt werden, freie statt proprietäre Software programmieren?) Bei Freier Software geht es darum, den Nutzern wichtige Freiheiten zu gewähren. Mehr dazu hier. http://www.gnu.org/philosophy/free-sw.de.html

    Beste Grüße
    Silke

    • hallo silke,

      erstmal vielen dank für deine antwort. Du schreibst: „Bei Freier Software geht es darum, den Nutzern wichtige Freiheiten zu gewähren.“

      dem kann ich grundsätzlich nur zustimmen, nur sieht es in der praxis leider oft anders aus. verwende selbst seit knapp drei jahren nur noch freie, bzw open-source-software und oft ist das ein einziger alptraum – mich schränkt freie software definitiv ein, insbesondere bei der wahl der hardware. das ist natürlich nicht die schuld der softwareentwickler, sondern der hardwarehersteller, die einfach keine dokumentationen ihrer komponenten rausrücken.

      für mich als anwender hat das böse konsequenzen, funktionen fehlen, anwendungen funktionieren nicht, hardware wie drucker, scanner, webcams etc. werden nicht erkannt usw…das bedeutet endlose stunden in den entsprechenden foren, gebastel, frust und manchmal auch ein erfolgserlebnis…;-)

      das alles solllte man fairerweise allen menschen auch kommunizieren, die man von den vorteilen freier software überzeugen möchte – sonst geht der schuss nach hinten los und man erweist der idee (und gelebten praxis) der freien software einen bärendienst.

      viele grüße,

      rey cometa

  4. „mich schränkt freie software definitiv ein, insbesondere bei der wahl der hardware.“
    Du sagst es ja selbst. Es ist andersrum: Die Hardwarehersteller haben Deine Freiheit in der Wahl der Software eingeschränkt. Das ist in der Tat ein Punkt, den man sehr klar haben muss. Als ich mir einen neuen Laptop gekauft habe, habe ich mich für einen DELL mit vorinstalliertem GNU/Linux entschieden und fertig. Damit ging alles ganz einfach.
    Also, alle mal herhören: Wer sich für Freie Software entscheidet, sollte schon bei der Wahl der Hardware genau nachfragen!

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