Allmend auf Switzerdütsch: Zelgen

Das Historische Lexikon der Schweiz definiert die Allmende dreisprachig. Deutsch, Italienisch und Französisch (wann folgt Rätoromanisch?) Die Schweizer benutzen bekanntlich viele putzige Wörter – schon deshalb macht es Spaß, im Lexikon zu blättern. Dabei findet man u.a. die klassische (historische) Allmende gut beschrieben:

„Als A.en bezeichnet werden Weiden -, Wald – und Ödlandflächen, die von den dazu berechtigten Bewohnern eines Siedlungsverbands — eines oder mehrerer Dörfer, Weiler oder Hofgruppen — zur kollektiven wirtschaftl. Nutzung ausgeschieden waren.“

Als idealtypisches Modells dient die verzelgte dörfliche Wirtschaft.

“ … neben der Ackerflur und dem Wohnbereich mit Hofstätten und Gärten die dritte ökonom.-rechtl. Zone(Zelgensysteme).“

Zelgensysteme unterschieden sich substantiell von der Dreifelderwirtschaft. Sie waren waren offenbar produktiver und zwangen -auf Grund ihres Designs- zur Kooperation.

„Als Z. werden Bodennutzungssysteme bezeichnet, bei denen die Ackerflur einer Siedlung in grosse … sog. Zelgen, eingeteilt war. Jede Zelge setzte sich aus Parzellen zahlreicher Besitzer zusammen und wurde mit derselben Frucht bebaut. Weil die Grundstücke nicht durch Wege erschlossen waren, mussten die Dorfbewohner in der Bewirtschaftung kooperieren. Die Fruchtfolgen der Zelgen eines Dorfes waren verschoben, so dass sie im selben Jahr versch. Früchte trugen (oder brachlagen). Zwischen dem HochMA und dem 19. Jh. waren Z. in weiten Teilen Mittel-, Nord- und Osteuropas verbreitet. Im Gebiet der alten Eidgenossenschaft gab es v.a. Zwei- und Dreizelgensysteme…. Im Gegensatz zur Dreifelderwirtschaft , die ledigl. eine auf Betriebsebene und in Einzelhofsiedlungen praktizierte Fruchtfolge beschreibt, waren Z. in herrschaftl. und v.a. kommunale Sozialbeziehungen eingebunden: Die verzelgte Ackerflur eines Dorfes wurde hinsichtl. Anbaurhythmus und -produkt aufgrund von verbindl. Absprachen gleichartig genutzt. Sie unterlag dem Flurzwang, d.h. Normen, welche z.B. die Zeiten der Feldbestellung und Ernte, die Überfahrts- und Beweidungsrechte regelten und in Dorfrechten (Offnungen ) festgehalten wurden.

Der Allmendebegriff ist in der Schweiz geläufiger als bei uns. Das liegt wohl auch daran, dass, wie mir neulich ein Schweizer Historiker schrieb, auch „eine Bushaltestelle oder eine kleine Bahnstation, den Namen ‚Allmänd‘ trägt. Zudem existieren in der Schweiz noch zahlreiche Allmendkorporationen.“

Das seien aber „meist superreiche private Vereinigungen, reich geworden durch die Wertsteigerung des Landes… Privat sind sie, weil das Land bei der Einrichtung des schweizerischen Bundesstaates 1848 nicht in Staatsbesitz bzw. Gemein(de)besitz überging, sondern eben bei den Bürgerschaften, die Allmendrechte hatten blieben.“

Aber das ist eine andere Geschichte.

foto on flickr by hwro

2 Gedanken zu „Allmend auf Switzerdütsch: Zelgen

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