Commons durchsetzen, Marktwirtschaft zähmen – Jetzt!

Die Zeit ist reif, findet Jay Walljasper. Reif für einen Perspektivwechsel. Die Zeit nach den Wahlen in den USA und nach den diversen Bankrotterklärungen, die die Schwachstellen der staatsbekrükten real existierenden Marktwirtschaft nun auch in den Zentren offenlegen.

Wir könnten von der Rechten lernen, die seit den 60er unbeirrbar ihre marktfundamentalistische Ideologie durchsetzte, weil sie  Eins vestanden habe: „Modern politics is a battle of ideas“.

Die Zeit ist reif, denn… diese marktliberale Ideologie ist nicht mehr hegemoniefähig. Die Akzeptanz ihrer Kernelemente (individuelle, wirtschaftliche Handlungsfreiheit und Konkurrenz in allen gesellschaftlichen Bereichen) bröckelt in dem Maße wie sozialer Zusammenhalt und politische Einbindung zerfallen.

„Thatcher and Reagan were articulate advocates for the idea that the market should be the chief organizing principle of all human endeavor. Mitterand, … was a dedicated socialist but soon discovered that the rising influence of international capital rendered him powerless to carry out promises of his 1981 election victory. That was the sure sign that we had entered a new age of corporate domination.“

Diese Ära (des Denkens) hinter uns zu lassen ist nicht leicht. Immerhin werden marktliberale Grundsätze von Vielen gar nicht als Ideologie empfunden, die man in Frage stellen könnte, sondern als „undiskutierbare Wahrheit, auf ähnlichem Niveau wie die physikalischen Gesetze“, schreibt Walljasper.

Und er hofft, dass sich das nun ändert. Nicht zuletzt mit dem wichtigsten Protagonisten des Wandels in den USA; Barack Hussein Obama.

„While Obama has not used phrases like „the commons“,“ his clearly articulated approach to governance is built upon ideas of the common good, which creates an opening to talk about the commons to a much wider audience.

A group of activists and thinkers championing a commons-based society is prepared to do just that …. At this point, they’re a small bunch with backgrounds in various social causes, movements and internet initiatives (ich finde, es ist schon ein big bunch!) –not so different from the dedicated market advocates of the 1950s and ’60s, except in where they place their hopes. These commoners… argue that a commons paradigm is beginning to emerge which could replace the market paradigm.

This idea of the commons… could become a rallying point for people of diverse ideological stripes who question the market party line.“

Eine Gemeingüterbasierte Gesellschaft wäre keine, die die Marktwirtschaft völlig zerlegt, oder die ihr völlig konträr gegenüber stünde. Sie würde vielmehr das „marktbasierte Wirtschaftssystem zähmen“.

„Ideally, the market and the commons work together to keep society in a kind of natural balance. There is a difference between using the market as an efficient technique for allocating resources in appropriate situations (market tools) and prescribing it as an all-purpose solution for every social and economic problem (market paradigm).“

Rejecting the narrow „private sector vs. state“ arguments that have defined political discussion for so long, commoners envision a society that utilizing the strengths of the market along with those of civil society and government to provide for the common good.“

Warum jetzt? Weil es ein einzigartiger historischer Moment ist:

  • die öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema steigt (was schnell bemerkt, wer den Begriff „commons“ vor 5 Jahren gegoogelt hat und jetzt nochmal) – auch wenn die Idee der commons oft missverstanden wird
  • die alten Ideologien bröckeln und neue Ideen setzen sich vor allem dann durch, wenn sie vermitteln wofür, nicht wogegen sie stehen. Auch den „Commoners“ muss es gelingen, Visionen neu zu labeln.

„The promise of a commons-based society offers considerable appeal for progressives after a long period in which the bulk of their political engagement has been in reaction to right-wing initiatives. Activists across many social movements, now aware that an expansive political agenda will succeed better than narrow identity politics and single-issue crusades, are starting to embrace the language and ideas of the commons.

  • Die Idee der Commons schlägt  Brücken zum konservativen Denken.

„In the truest sense of the word, the commons is a conservative as well as progressive virtue because it aims to conserve and nurture all those things necessary for creating a better world.“

  • Die Bereitschaft wächst, am Status Quo zu rütteln und vielleicht auch eigene Gewohnheiten zu ändern.  Die Suche nach Neuem, nach Alternativen (ob in Verkehr, Ernährung oder Medizin) ist allgegenwärtig.
  • Die Web 2.0 Revolution ermöglicht neue, offene Formen der Ausübung von „Staats-“ Bürgerschaft

Now is a great time to inaugurate a new paradigm of citizenship.“, schreiben die Kollegen von onthecommons.org, doch das wäre mal einen eigenen post wert.

Weil die Zeit reif ist – JETZT!, haben wir – vier kosmopolitische Bürger (citizen) aus Deutschland, Italien und den USA – zu einem ersten internationalen Commonsstrategietreffen eingeladen. Ende Juni, in Deutschland. Ich freue mich schon drauf!

Foto on flickr by David Rees

Ein Gedanke zu „Commons durchsetzen, Marktwirtschaft zähmen – Jetzt!

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