Bausteine einer Commonsarchitektur

Wolfgang Sachs hat anlässlich des 4. Salongesprächs der Heinrich Böll Stiftung „Zeit für Allmende“ sechs Bausteine einer Commonsarchitektur vorgestellt. Präziser: 6 Bausteine der institutionellen Architektur natürlicher Commons. Hier findet sich das Audiofile bei Netzpolitik.

Erster Baustein: Die Passung zwischen Gemeinschaft und Naturgütern finden

Es gibt kein Commons, das nicht beides vereint: Naturbestand und Gemeinschaft. Jede natürliche Allmende hat eine materielle und eine soziale Seite.

Zweiter Baustein: Begrenzung

Der Unterschied zwischen den natürlichen und den kulturellen Commons ist: Bei natürlichen Ressourcen geht es um Begrenzung als Schutz vor unzuträglichem Gebrauch, um Grenzziehung. Bei kulturellen Commons geht es darum, den Fluss und die Interaktion aufrecht zu erhalten, die Verdichtung, die gegenseitige Ansteckung. Es geht darum Hindernisse wegräumen, um Monopolisierungen zu vermeiden.

Dritter Baustein: Neuverteilung

Wenn weniger da ist und je weniger da ist, umso mehr verschärft sich das Verteilungsproblem. Wer soll wieviel kriegen? Wem gehören das Wasser, die Bäume, die Atmosphäre – die klassische Frage der Ressourcenkonflikte.

Die Frage ist: Wie kann man Teilhabe halten und schaffen und wie Verteilung ermöglichen? Es gibt verschiedene Weisen dies zu tun: Verteilung nach Rechtsansprüchen, nach Kaufkraft, nach Bedürfnissen oder nach schierer Macht. (Beispiele Emissionsrechte, Öl, Getreide uvm)

Vierter Baustein: Kooperation

Kooperative Pflege und Kultivierung der Commons findet in der ein oder anderen Weise Eingang in die meisten Commonsarchitekturen. Es geht um jedermans Recht verbunden mit jedermans Pflicht.

Fünfter Baustein: Nutzungsregeln / „Benimmregeln“:

Wer darf was wie lange und wofür nutzen? Dafür gibt es unendlich viele Beispiele: Quoten, Lizenzen, Reviere abstecken usw.

Sechster Baustein: Zahlungen

Zahlungen, um die Pflege der Commons zu gewährleisten sowie Zahlungen für die Nutzung der Commons durch Privatleute. (Vgl. Diskussion Entgelte für die Nutzung globaler Commons, für die Atmosphäre, für den Schiffsverkehr, den öffentlichen Luftraum usw.)

Sachs illustriert die Bausteine am Beispiel des Skytrust – der Klimatreuhand. Der Einstieg in dieses Beispiel ist hoch interessant und zugleich ein treffendes Plädoyer dafür, den Emissionshandel etwas „gelassener zu sehen“.

„Es gibt starke Anhänger des Emissionshandels von rechts, weil das Wort ‚Handel‘ unsere marktliberalen Freunde immer schon begeistert hat. Möglicherweise war die Tatsache, das Ganze emissions trading zu nennen ein Trojanisches Pferd. Es hat dazu geführt, Emissionshandel international so wichtig zu machen, weil alle Neoliberalen nämlich dachten: ‚Das ist unsere Sache‘. Auf der anderen Seite gibt es Kritiker, die allergisch reagieren. Wenn sie das Wort ‚Handel‘ hören, dann kann es eigentlich nur verwerflich sein. Ich glaube das beide Positionen auf einem Missverständnis beruhen.“

„Es steht zwar Handel im Titel, aber Handel ist nicht das Entscheidende. Sondern das Ding heißt Cap and Trade. Und das Caping ist unendlich viel wichtiger als das Trading. Es kann sehr wohl ein Cap geben ohne Trade aber es kann kein Trade ohne Cap geben. Der Trade wird durch den Cap (also die Begrenzung) erst fundiert, weil er überhaupt erst den Wert schafft, die Knappheit künstlich erzeugt, die dann auf dem Markt getauscht werden könnte. Insofern ist Capping das Wichtigere daran …“

Dem folgt eine kurze, fundierte Kritik des gegenwärtigen Emissonsrechtehandels, die zugleich den Gegenvorschlag der Klimatreuhand (des Skytrust) umreisst.

Ausgesprochen anregend fand ich auch folgenden Gedanken zu den so genannten global commons:

Der Begriff der global commons sei einerseits ganz neu und andererseits unpräzise. Z.B. bezogen auf die Atmosphäre

„was ehemals ein Open Access Regime war – wird nun durch Klimaregelungen/-verhandlungen erst zum Commons. Eigentlich kann man den historischen Prozess der gerade läuft als eine Appropriation eines Niemandslands – eines res nullius – in die Commons hinein verstehen“ , sagt Wolfgang Sachs.

Und ich finde, er hat recht.

foto by Herbert Erwin: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bild:Wolfgang_Sachs.JPG&filetimestamp=20070922202811

4 Gedanken zu „Bausteine einer Commonsarchitektur

  1. Pingback: Zeit für Allmende - Viertes Salongespräch « CommonsBlog

  2. Pingback: Cap’n Dividend Excellent Climate Solution « CommonsBlog

  3. Pingback: Ideen, die die Welt verändern « CommonsBlog

  4. Pingback: Fundstellen [1]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s