Kulturschande in Venedig

Commons bemerkt man nicht gleich, sondern erst, wenn sie in Gefahr geraten. So einen ähnlichen Satz schrieb heute die Süddeutsche, weil der Markusplatz in Venedig Gefahr läuft, verramscht zu werden. Dabei liest sich eigentlich alles so logisch. Geht es doch angeblich (und zunächst tatsächlich) um die Sanierung der historischen Fassaden, um den Erhalt der EInzigartigkeit des Platzes, um einen heeren Zweck.

Das Mittel der Wahl: Sichtverschmutzung!…

In Form von Werbung. (Das mag für den Potsdamer Platz normal sein, aber nicht für das Herz Venedigs.)

„Auf dem Markusplatz, gegenüber dem Dogenpalast, am Correr-Museum, ist eine Werbefläche von 240 Quadratmetern hochgegangen (die halbe Größe eines Schwimmbeckens von olympischem Format..:“

„Natürlich gab es sofort Streit. Und natürlich konnte man sich die Argumente, die beide Seiten vorbringen würden, denken, bevor die Debatte losging. Da steht auf der einen Seite die Kulturschande, auf der anderen das Geld, das sich mit ihr verdienen lässt.“

Und Geld ist immer ein Argument, dass die ganze Denke in Schieflage bringt.

Heute sind es „nur“ Werbeflächen, die Baugerüste verdecken und die dringend benötigten Sanierungen finanzieren sollen. Morgen sind es die verlockenden Mehreinnahmen, die für diese Werbeflächen auch dann noch zu erzielen sind, wenn die Baugerüste weg sind. Übermorgen wäre noch mehr Geld mit der Zulassung von Multimediaflächen zu verdienen und irgendwann wird der Markusplatz von Werbung verhüllt, irgendwas fehlt, aber keiner kann genau sagen was. Eben weil es fehlt. Und dann fällt es irgendwann aus dem Bewußtsein.

Die Süddeutsche resümiert die „kühl dialektische Argumentation“ so:

„Die exorbitanten Preise, die sich an diesem Ort fordern lassen, verdanken sich seiner Einzigartigkeit, die zentral in der Abwesenheit bestimmter Dinge wurzelt, welche uns überall sonst auf der Welt belästigen, und nur hier nicht da sind; …die Omnipräsenz der Werbung.“

Und kontert, gekonnt:

Wer also hier, auch hier und gerade hier, das Werbebanner hisst, hebt das ihm so kostbare Alleinstellungsmerkmal auf; er zerstört letztlich den Gegenwert dessen, wofür er gezahlt hat.“

Was es bedeutet, ein Kulturelles Gemeingut zu kommerzialisieren, merken wir oft erst, wenn es zu spät ist.

foto on flickr by svenwerk

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s