Commons, Ameisen und Stigmergie

Mein Moderationseinfall ist zum Titel dieses Beitrags im Chilli.cc avanciert🙂. Es geht um die Abschlußdiskussion des Festivals „Elevate the Commons“, vor zwei Wochen im österreichischen Graz. Thema: Reclaiming the Commons: Gemeinsamkeiten, Strategien, Visionen.

Das Bild der Ameisen (als Bild für die individuelle, vielfältige und produktive Praxis der commoners) kam mir in den Sinn, weil bei der Frage „Was nun?“ immer so etwas Erdrückendes entsteht. Das Gefühl:  „Die Aufgabe ist zu groß. Das schaffen wir nie.“

Weil wir uns dann immer alle ganz klein fühlen. Wie die Ameisen.  Wir sind klein, aber wir sind vieleund jeder kann, darf und soll was anderes machen, wenn es um Gemeingüter geht.

Das Bild hat interessante Antworten provoziert. Ich konnte als Moderatorin zwar nicht mitschreiben, aber an eine Idee erinnere ich mich noch gut:

Ameisen laufen hin und her, um an einem staatenähnlichen Gebilde zu bauen, an einem Ort für alle. Die Spezialisten unter ihnen sind dabei so effizient wie die Generalisten. Die Hochqualifizierten so wichtig wie die „einfachen Arbeiter“. Doch es ist nicht nur ein Hin- und Hergerenne, keine rein physische Anstrengung, sondern jede Ameise fügt dem Herbei Getragenen etwas hinzu: Neue Informationen. Diese Informationen werden über Pheromone mit den anderen ausgetauscht. Und nur im gemeinsamen tun und kommunizieren, kann das Werk entwickelt werden, entstehen und sich im Entstehen ständig verändern. So ist es auch mit den Commons.  Anders gesagt: Commoning ist das was Ameisen machen.

Der Begriff dahinter heißt Stigmergie.

„ein Konzept zur Beschreibung, wie Kommunikation in einem dezentral organisierten System, das eine große Anzahl von Individuen umfasst, koordiniert wird: Die Individuen des Systems kommunizieren miteinander, indem sie ihre lokale Umgebung modifizieren. Das gemeinsam Erstellte wird gleichsam zur allgemeinen Anleitung dafür, wie mit dessen Erstellung fortzufahren ist.“

Es liegt fast schon auf der Hand, dass der Begriff, der ursprünglich auf Prozesse in der Natur angewendet wurde, eben auf Ameisen-Kolonien oder Termitenhügel, bereits auf die Kommunikation in Computernetzen übertragen wurde.

Commoning, also das miteinander gestalten, produzieren und reproduzieren von Commons, ist stigmergisch. (hinweis-basiert, von gr. stigma, vgl hier)

Das heißt auch: Am Anfang weiß man nie ganz genau, was rauskommt. Aber man weiß schon sehr genau, wozu es dienen wird.

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