Marschrichtung Zuckerökonomie: Wem gehört die Natur?

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Die internationale ETCgroup hat einen neuen Report zur „Kommodifizierung“ (marktwirtschaftlichen Verwertung) der Wissensallmende und zur Konzentration des Zugriffs auf natürlichen Ressourcen veröffentlicht.

ETCGroup steht für eine hervorragende Spürnase der Themen von morgen, für die treffsichere Identifizierung neuer „Einzäunungen der Gemeingüter“ und für topaktuelle Informationen aus Forschung und Wirtschaft.

Titel des neuen Reports: Wem gehört die Natur?

Er hat 48 Seiten und steht hier als pdf zur Verfügung.

Zentrale Themen: Ernährung, Landwirtschaft, Gesundheit, Biotech aber auch Soft- und Hardwareproduktion sowie die strategischen Bewegungen auf globaler Ebene, um noch die letzten natürlichen Reserven der kapitalistischen Landnahme einzuverleiben. Kurz: ETC bringt die Zahlen zur Einzäunung der Nahrungskette als „ultimate enclosure“ (Vandana Shiva).

Teil des Reports sind die aktuellen TOP 10 Listen der Aufkäufer unserer Lebensgrundlagen und der Wissensallmende. Letztere umfassen genetische und andere immaterielle Ressourcen, die in der Regel in biologische Ressourcen eingeschrieben sind, somit den gesamten Saatgut- und Pharmabereich aber auch Informationen und kulturelle Inhalte.

Beim Saatgut sieht das im Jahr 2007 so aus: (Zahlen der ETC Group)

1. Monsanto (US)                                 23% (Anteil am globalen Markt)
2. DuPont (US)                                     15%
3. Syngenta (Switzerland)                     9%
4. Groupe Limagrain (France)               6%
5. Land O‘ Lakes (US)                            4%

Dann weiter mit KWS AG (Germany), Bayer Crop Science (Germany), Sakata (Japan), DLF-Trifolium (Denmark) und Takii (Japan) .

Die Top 10 halten damit  67%. Die Top 5 sind mit 57 % mit von der Partie.

Bei Pestiziden liegt nach wie vor „Deutschland ganz vorn“ (Man ist hier ja so gern Weltspitze. Es gibt eben zweifelhafte Weltrekorde.)

1. Bayer (Germany)                             19%
2. Syngenta (Switzerland)                  19%
3. BASF (Germany)                              11%
4. Dow AgroSciences (USA)               10%
5. Monsanto (USA)                                9%
Dann weiter mit DuPont (USA), Makhteshim Agan (Israel), Nufarm (Australia), Sumitomo Chemical (Japan), Arysta Lifescience (Japan).
Hier halten 10 Firmen 89% der Anteile am Globalen Markt und 5 Firmen 68 %.

(Source: Agrow World Crop Protection News, August 2008)

Und schließlich der Pharmabereich. Die Zahlen gelten für 2006 und die Prozentangaben beziehen sich auf den Anteil der Verkäufe unter den TOP 100.

1. Pfizer                          8.9%
2. GlaxoSmithKline        8.0%
3. Sanofi-Aventis           7.6%
4. Roche                        5.4%
5. AstraZeneca             5.3%

Weiter geht es mit Johnson & Johnson, Novartis, Merck & Co., Wyeth und Lilly. Die TOP 10 kommen auf 55 %.

(Source: Scrip 100, 2007/2008)

Es ist immer gut zu wissen, wer über den Inhalt unserer Kühl- und Apothekerschränkchen verfügt.

Von circa 1,000 biotech start-ups der letzten 15 Jahre kontrollieren nun 10 Firmen circa drei Viertel der Einnahmen. Und auch im Hard- und Softwarebereich sieht es ähnlich aus: Auf Seite 33 werden die Einnahmen  der größten IT-Firmen aufgelistet. (An erster Stelle Hewlett-Packard, dann weiter mit IBM, Microsoft, Fujitsu Limited, Apple, Oracle und Google.)

Mit dem Kollaps der Systeme -Ökosysteme, insbesondere Klima, Nahrungsmittelproduktion und Finanzsystem- wird es einen neuen Anreiz des „engineering of living organisms at the nano-scale (a.k.a. synthetic biology)“ geben, warnt der Bericht.

Jeder technologische Sprung erhöht die Privatisierungsmöglichkeiten, da die bereits entzifferten Bausteine von Wissen und Leben immer kleiner werden. Heute gibt es Patente auf chemische Elemente und Gensequenzen. Morgen können es die unvorstellbar kleinen Bestandteile dieser Elemente auf Nanoskala sein. (siehe Eröffnungsrede zum Elevate Festival.)

Dazu auch der alternative Nobelpreisträger und Gründer der ETC Group Pat Mooney:

„About one-quarter of the world’s biomass has already been commodified. With extreme genetic engineering, we’re seeing new corporate strategies to capture and commodify the three-quarters of the world’s biomass that has, until now, remained beyond the market economy.“

und weiter:

„Advocates of synthetic biology – the creation of designer organisms built from synthetic DNA – are promising a post-petroleum future where fuels, chemicals, drugs and other high-value products depend on biological manufacturing platforms fuelled by plant sugars. In the
21st century „sugar economy,“ industrial production will be based on biological feedstocks (agricultural crops, grasses, forest residues, plant oils, algae, etc.) whose sugars are extracted, fermented and converted into high-value products. Synthetic microbes will become „living chemical factories“ that require massive quantities of plant biomass.“

Woher kommt die Hoffnung? „From the edges“ (Von den Rändern), würde Mooney sagen: Auch wenn Monsanto fast ein Viertel der gesamten proprietären Saatgutproduktion kontrolliert, haben noch immer drei Viertel der Bauern weltweit ihr Saatgut unter Kontrolle. Sie bewahren es von der letzten Ernte auf, tauschen, säen erneut aus, passen es den lokalen Bedingungen an. Nur so geht Adaption an veränderte (Klima-) Bedingungen, nicht so: siehe Bild oben. Und nicht mit dem Ruf nach Genmanipulation für mehr Klimaresistenz.

Das gleiche gilt für die Vertriebswege: Wal-Mart mag der weltgrößte Auf- und Verkäufer von Lebensmitteln sein (46% des globalen Umsatzes!), aber noch immer werden 85% der weltweit produzierten Lebensmittel im unmittelbaren Umfeld der Produzenten konsumiert. Ausserhalb des Marktsystems.

Den Commonssektor auszuweiten heißt, diese -nicht marktförmig zugerichteten- Produktions- und Reproduktionsformen zu unterstützen. Überall und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

Zur Zuckerökonomie mehr hier.

Foto: dies und vieles mehr hier

6 Gedanken zu „Marschrichtung Zuckerökonomie: Wem gehört die Natur?

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