Come Back der Kalthäuser

Im Kalthaus bleiben nicht nur die Produkte der Schlachthöfe, sondern auch die Lebensmittel und Vorräte ganzer Dorfgemeinschaften frisch. Jedenfalls in Hohne, denn in der niedersächsischen Gemeinde gibt es noch eine „Kalthausgemeinschaft“, deren  Mitglieder Beiträge zahlen, Nutzungsregeln befolgen und sich kümmern. Ein richtiges Commons eben.

Vor einem halben Jahrhundert noch normal, drohen Kalthäuser allmählich aus der kollektiven Erinnerung zu verschwinden. Doch das kann sich ändern: Dieser Beitrag des Deutschlandfunks berichtet vom Kalthaus in Schmarsau und kommt zu dem Schluß:

„Ein paar wenige (Kalthäuser aus den 50ern) haben überlebt, werden noch immer von Dorfgemeinschaften betrieben und sie überzeugen mit einer guten Energiebilanz.“

Das ist viel in Zeiten des Klimawandels. Der Wahnsinn der Gegenwart ist ja weniger, dass wir soviele Geräte pro Einzelhaushalt haben. Die meisten Menschen können sich nicht vorstellen, wie man ohne Spülmaschine, Gefriertruhe, Fernseher und Auto lebt. Der Wahnsinn ist vielmehr, dass sie uns oft mit  „Umweltschutzargumenten“ verkauft werden.

Die PC Nutzung sollte zum papierfreien Büro führen. Stattdessen stieg die Papierflut und der Energieverbrauch. Spülmaschinen seien wassersparend. Weil keiner über Virtuelles Wasser redet. Waschmaschinen stehen in manchen Mietshauskellern. Hübsch aufgereiht nebeneinander und meist still. MIt den Gefrierschränken ist es ähnlich. Jeder hat (s)einen. Die Zeiten der Vorratswirtschaft sind seit Jahrzehnten vorbei (selbst im Osten), aber der Gefrierschrankboom setzte just dann ein, als es bereits alles jederzeit zu kaufen gab. Jetzt ist Klimakrise: Kein Wunder. Kein Wunder auch, dass wieder über Kalthäuser berichtet wird:

‚Ich glaube, wir haben 6.000 Liter, dann haben wir 400, 200, 150 und 100 Liter-Fächer und die sind dann aufgeteilt: linke Seite, rechte Seite. Dafür zahlt jeder seinen Beitrag und dadurch unterhält sich das.‚“, sagt Dietmar Kusak, einer der Freiwilligen, die sich um das Schmarsauer Kalthaus kümmern. „Monatlich zahlen die 40 Anteilseigner zwischen vier und acht Euro. Die meisten haben Fleisch aus der eigenen Hausschlachtung eingefroren.“

Kusak wünscht sich,

„dass wieder mehr Kalthäuser betrieben werden. …Weil dort im Vergleich zu Gefriertruhen weniger Energie verbraucht wird. Einmal in der Herstellung. Dass ich anstatt zehn, 20 Gefriertruhen zu produzieren, nur ein Gefrieraggregat und Isolierung herstellen muss. Das ist der eine Vorteil. Und dann zum zweiten: Im Betrieb wird natürlich ein großer Raum gekühlt und nicht 20 kleine – das ist energetisch auch günstiger.

Kalthäuser sind Rudimente dörflicher, sozialer Allmende. Nicht unwahrscheinlich, dass sie ein Come Back erleben. In Celle haben sich Bürger zusammengeschlossen, um eines bauen. Sinn macht das freilich nur, wenn nicht noch mehr eingelagert, sondern wenn die heimischen Gefriertruhen tatsächlich auch abgeschafft werden.

foto on flickr by slworking2

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