Lebensmittel Copyright: oder „Mein Hummus, alles meins“

Wie dpa berichtet reklamiert die Association of Lebanese Industrialists (ALI) das „Geistiges Eigentum“ des Libanon auf Hummus, Falafel, Tabouleh & Co (vía). Sie wollen der libanesischen Regierung ermöglichen, einen Prozess gegen Israel anzustrengen…

for taking the identity of some Lebanese foods“ and thus violating a food copyright.

Lassen Sie sich nicht irre machen. Ein Food Copyright gibt es nicht. Noch nicht!

Die Begründung ist bemerkenswert: „In a way the Jewish state is trying to claim ownership of traditional Lebanese delicacies like falafel, tabouleh and hummus….“ Ergo: We are working on registering all the foods and ingredients which will be submitted to the Lebanese government so it can appeal to the international courts against Israel,“ sagt ALI Chef Abboud.“

(Der arabische Staat soll den jüdischen Staat verklagen, wo doch die halbe Welt Hummus und Falafel isst und vermarktet. Ein Schelm wer Religiöses dabei denkt.)

„Auf gewisse Weise“ stehlen die Israelis den Libanesen ihre Identität. Aber auf welche? Haben wir uns auf diese Weise -pizzaliebend-  längst die Identität der Italiener einverleibt und -gyrosmümmelnd- die der Griechen?

Doch Scherz beiseite. Die Lage ist ernst. Und der Punkt der ewig gleiche: Wenn die Israelis Falafel als Falafel und nicht als Falifel oder als Falufel essen, dann nehmen sie doch den Libanesen ihre Falafel nicht weg. Die Israelis stehlen den Libanesen nichts. Sie nutzen etwas, was die Libanesen noch immer haben. Rezepte.

Rezepte sind seit Urzeiten getauscht aber auch -aus kommerziellen Gründen- verheimlicht worden. Meine Kindheit ohne die selbstgeschriebenen Backbücher meiner Mutter? Undenkbar. Ein Sternekoch ohne das Besondere, das nicht verraten wird? Undenkbar. Von mir aus kann der Sternekoch sein Rezept für sich behalten. Wenn er anderen damit nicht schadet, ist das ok.

Doch jetzt stell ich mir vor, die Frauen in meinem Dorf hätten sich gegenseitig den Hausfrauenkrieg erklärt, weil die eine das Rezept der anderen „stiehlt“. Oder der Sternekoch verklagt einen Konkurrenten weil dessen Gericht aus den gleichen Zutaten und ähnlichen Verarbeitungsschritten besteht. Genau das versuchen die libanesischen Industriellen nun auf nationaler Ebene.

Dabei geht es -natürlich- um ökonomische Argumente: Um das Exportgeschäft, wo man mit dem Eitkett der Einzigartikeit und Originalität (Herkunft) zusätzlich Geld verdienen kann. Es geht um die Idee, die auch den geographischen Herkunftsbezeichnungen zu Grunde liegt. Und die sich segensreich auf bestimmte Regionalwirtschaften auswirkt. Zum Beispiel die der Champagne oder die Region um Parma. Die Liste der geschützten Produkte ist lang. Nationalgerichte gibt es allerdings bislang nicht darunter, da scheint man „Identität“ doch eher teilen als für sich behalten zu wollen.

Wenn das erste Nationalgericht mit geographischer Herkunftsbezeichnung geschützt wird, ist wieder ein Damm gebrochen. Wieder ein Schritt in Richtung Ausweitung der so genannten „Geistigen Eigentumsrechte“ getan.

„Das, Leute, passiert, wenn man eine Gesellschaft um die Idee herum aufbaut, dass man immaterielle Güter besitzen kann“, schreibt techdirt.

Recht hat er.

foto on flickr by tschörda

Ein Gedanke zu „Lebensmittel Copyright: oder „Mein Hummus, alles meins“

  1. Pingback: falafel and hummus | Small Food Processors

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