Finanzkrise: Banker erklärt „Tragik der Allmende“

Heute packt in der WELT ein fiktiver „deutscher Börsenmakler … aus, was in der Finanzwelt wirklich zählt

Mal abgesehen davon, dass er nachvollziehbar (!)  die Finanzkrise erklärt… habe selten so eine treffende Beschreibung der „Tragik der Allmende“ gefunden. Ein Begriff, der ja immer nur Verwirrung anrichtet. Es gibt kein zwangsläufiges Scheitern des Klimas, des Waldes, des Wassers oder der Finanzstabilität.

Es gibt nur tragische Folgen menschlicher Verantwortungslosigkeit, mangelnder Tranzparenz und nicht vorhandener aber dringend benötiger Institutionen. Solche, die einfach nur tun, was sie tun sollten. Der fiktive deutsche Börsenmakler ist einer von denjenigen, denen das Management der Finanzsysteme überantwortet wurde. Er erklärt, dass und warum er etwas anderes tat, als er sollte. Der fiktive deutsche Bankenmensch stellt sich vor:

„… bei der Deutschen, Dresdner, Commerz- oder sonst irgendeiner Bank tätig…. Sagen wir einfach, dass ich bei einem großen deutschen Kreditinstitut arbeite, mein Alter irgendwo zwischen 30 und 40 Jahren liegt, ich mich in London, New York, Frankfurt und an anderen Börsenschauplätzen ganz gut auskenne und dass ich nicht völlig unerhebliche Summen Kapital bewege, indem ich mit Aktien und Wertpapieren handele.“

Und dann erklärt er, wie eine „Tragik der Allmende“, die eine Tragik der Gemeinschaft ist, tatsächlich funktioniert:

„Die Versuchung ist für uns Banker in so einem Spiel immer die gleiche: Wenn ich gewinne, kann ich dadurch schnell reich werden, wenn ich verliere, kostet mich das höchstens den Job. Dann kann ich mir immer noch überlegen, was ich als Nächstes mache. Die Münze wird geworfen. Kopf: Ich gewinne viel. Zahl: Ich verliere nur begrenzt. Die Gewinnanreize überbieten den möglichen Verlust also bei Weitem. Da bleibt für große moralische Gedanken kein Platz.“

Garrett Hardins Metapher von der „Tragik der Allmende“  beschreibt exakt dasselbe:

Sein Beispiel -der Klassiker der Allmenddebatte- ist eine Weide, zu der alle Zugang haben. Ein permanent in Nutzenmaximierungskategorien denkender Herdenbesitzer über­weidet quasi zwangsläufig die kostenlos zur Verfügung stehende Natur (die Gemeinressource), da er den Nut­zen einer größeren Herde vollständig privatisieren, die Kosten der Überweidung aber auf alle Herdenbesitzer abwälzen könne.

Im Original klingt das wie ein simples mathematisches Problem, dessen  „inhärente Logik zwangsläufig in die Tragik führt“

„Picture a pasture open to all. …As a rational being, each herdsman seeks to maximize his gain. Explicitly or implicitly, more or less consciously, he asks, „What is the utility to me of adding one more animal to my herd?“ This utility has one negative and one positive component.

1) The positive component is a function of the increment of one animal. Since the herdsman receives all the proceeds from the sale of the additional animal, the positive utility is nearly +1.

2) The negative component is a function of the additional overgrazing created by one more animal. Since, however, the effects of overgrazing are shared by all the herdsmen, the negative utility for any particular decision-making herdsman is only a fraction of -1.

Adding together the component partial utilities, the rational herdsman concludes that the only sensible course for him to pursue is to add another animal to his herd. And another; and another. .

Und noch ein Kredit, noch einer und noch einer. Jeder  gewissenlose Banker kam offenbar zum gleichen Ergebnis. Es roch unangenehm. Und noch ein Kredit. Es stank schon… und noch ein Kredit, noch einer und noch einer… Bis die Gemeinressource (Finanzstabilität) an schnöder menschlicher Verantwortungslosigkeit, an fehlender Transparenz, dunkelgrauzonigen Geschäftspraktiken und zahnlosen Institutionen zusammen brach.

foto on flickr by Stépane Delbecque

3 Gedanken zu „Finanzkrise: Banker erklärt „Tragik der Allmende“

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