Kapitalismus 3.0

Ich hab’s fast verschlafen. Seit anderthalb Jahren liegt das englische Original auf meinem Schreibtisch. Inzwischen gibt’s das Buch schon auf deutsch. Die Lesereise mit dem Autor ist angekündigt und noch immer kein Beitrag auf diesem Blog.

Peter Barnes: Kapitalismus 3.0 Ein Leitfaden zur Wiederaneignung der Gemeinschaftsgüter herausgegeben von der Heinrich-Böll- Stiftung im VSA Verlag.

Aus dem Klappentext:

Der Kapitalismus ist nicht zum Untergang verurteilt oder unfähig; aber es wird Zeit, dass er an die Bedürfnisse und Risiken des 21. Jahrhunderts angepasst wird. … Unser Wirtschaftssystem hat Wohlstand geschaffen, Arbeiten erleichtert, Krankheiten besiegt, Mobilität geschenkt. Doch seine Nachteile werden immer deutlicher: … Unsere Art zu wirtschaften muss sich ändern, …. Die Lösung wird weder in noch mehr Privatisierung und Deregulierung noch in Planwirtschaft und Verstaatlichung liegen. Sie wird in der Sicherung und Stärkung der Gemeingüter zu finden sein….

Zu Beginn des kapitalistischen Zeitalters war Natur im Überfluss vorhanden, Kapital hingegen war knapp. Heute gibt es genügend Kapital, während unsere natürlichen Ressourcen immer knapper werden. Es wird neue Regeln und Institutionen brauchen, um unsere Wirtschaftsweise für das 21. Jahrhundert tauglich zu machen – und gerechter. Dieses Buch darf als Anleitung dafür verstanden werden.

Hier die Ankündigung (im Herbstprogramm 2008/ nach Peter Barnes suchen.) und die Kritik eines selbstbekennenden Zynikers.

Zur Atmosphäre als Gemeinschaftsgut hat Jörg Haas (dem übrigens die Initiative zur Übersetzung des Buches zu verdanken ist) noch einen sehr nachdenklichen Beitrag gebracht. Was nützt es, wenn wir etwas – z.B. den atmosphärischen Raum- als Gemeinschaftsgut definieren, und somit gleiche Anteilsrechte an diesem Gut ableiten, wenn die verbleibende Ressource schlicht nicht für alle reicht? Was bedeutet Fairness unter diesen Bedingungen?

3 Gedanken zu „Kapitalismus 3.0

  1. Ich hab das Buch nicht gelesen und werde es wohl auch nicht, weil ich schon den Titel ziemlich daneben finde. Wir brauchen kein Upgrade sondern eine Neuinstallation (und für die Übergangszeit vielleicht einen Emulator). Upgrades von Monopolbetriebssystemen sind ja bekanntlich oft schlechter als die Vorgänger.

    Die „Einwände des Zynikers“ finde ich insofern nachvollziehbar, als dass es nicht darum gehen kann einen Masterplan zu entwerfen, der dann politisch nur noch durchgesetzt werden muss. Statt dessen muss es darum gehen, dass man „von unten“ experimentiert um Lösungen zu finden um zu einer „commons based peer-production“ auch für die materielle Produktion zu kommen, die dann den alten Kapitalismus „auskooperiert“. Aber dafür treffen wir uns ja auch am Wochenende😉

  2. benni, lesen, das Buch ist kein Plädoyer für einen Masterplan, sondern der Versuch durchzubuchstabieren, was „geteilte Besitzansprüche“ im konkreten Fall einer globalen natürlichen Ressource heißen. Bis zum Wochenende, freu mich🙂 Silke

  3. Guten Morgen,

    als ‚Zyniker‘ würde ich mich nicht beschreiben, nur weil ich in dem Barneschen Zusammenhang zum Zynismus neige. Ich muss aber noch mal auf mein ‚von Unten‘ zurück kommen.

    Der Kraft des Kapitalismus besteht darin, eine dezentrale Lösung zu sein. Es gibt Pleiten und Scheitern in großem Ausmaß, aber das System ist daran bis Dato nicht zusammengebrochen. Und es hält sich dadurch in Stand, dass die Ergebnisse die Weiterentwicklung vorantreiben.(Gewinn => Investitionen). Der Kapitalismus ist also ein Prozess ‚von Unten‘🙂

    Peter Barnes Vorschlag würde ich auch als Masterplan verstehen. Jedenfalls nicht als Lösung, denn jede mögliche ausgedachte ‚Lösung‘ verkennt den Prozesscharakter des Kapitalismus (oder des Lebens im Allgemeinen vielleicht).

    Ich bezweifel, ob experimentieren von Unten reicht. Regulierung von Oben kann auch vieles beitragen. Kohlekraftwerke verbieten. Haftung auch für Aktionäre. Regulierung der CO2-Emissionen statt Emissionshandel. Verbot von CO2-schleudernde Autotypen. Der Kapitalismus wird sich anzupassen wissen.

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