Economist entdeckt Commons

Das macht aus dem Economist noch keinen Ecommonist – ist aber höchst bemerkenswert. Niemand kommt am Trend der Zeit vorbei! (vía)

Commons Sense – so der vieldeutige Titel dieses Beitrags. Das einflußreiche marktliberale britische Wochenblatt begründet, warum es „noch lohnt, sich mit mittelalterlichen englischen Grundbesitzsystemen und dem Nomadismus im Sahel zu befassen“. Der Text beginnt mit der unvermeidlichen Metapher von Garrett Hardin zur so genannten „Tragik der Allmende“.

Mit klarer Bewertung; Spätestens seit Hardin betrachte man die Idee der Commons/ Allmende als rückwärtsgewandt. Allmende verbinde man mit indigenen Gemeinschaften, Nomaden und dem Mittelalter. In der Tat scheinen in Mitteleuropa natürliche Allmendsysteme als Ausnahmefälle wahrgenommen zu werden, die allenfalls in abgelegenen Almwirtschaften funktionieren.

Zudem werde, so der Economist, seit Hardin die „Tragik der Allmende“ als zwangsläufig betrachtet. Dem sei nur mit starker öffentlicher Hand oder privateigentumsrechtlichen Regelungen beizukommen. Soweit die so bekannten wie kurzsichtigen Schlussfolgerungen, die die ganze Rezeptionsgeschichte des Hardinschen Aufsatzes kennzeichnen.

Wie wir wissen ist das, was verkürzt als Commonsproblem bezeichnet wird (also die Übernutzung natürlicher Ressourcen) längst nicht gelöst. Daran hat gerade die Privatwirtschaftseuphorie der letzten Jahrzehnte nichts geändert. Auch nationalstaatliche Regierungen haben sich in Sachen nachhaltiges Commonsmanagement nicht mit Ruhm bekleckert.

Warum nun die Auseinandersetzung mit den Commons topaktueller ist denn je, begründet der Econmist höchst treffend:

„It is not simply that three-quarters of those living on less than $2 a day still depend in some way on commonly held resources. The concept of the commons is also spreading to new areas.“ (Herv. S.H.)

Es ist die lebenswichtige Funktion unserer „commons pool ressources“, die schlichte Tatsache, dass nicht nur die Mehrheit der Armen dieser Welt, sondern auch wir ohne gerechten Zugang zu Wasser, Land und Luft nicht leben können bzw. sozialen Sprengstoff sondergleichen produzieren. Und es ist die Tatsache, dass partizipative, faire, transparente, kreativ-produktive Nutzung der Commons funktionieren kann – wie nicht nur zahlreiche Beispiele der Verwaltung natürlicher Ressourcen zeigen. Zitat:

„When economists began to look at how systems of commonly managed resources actually worked, they found to their surprise that they often worked quite well. Swiss Alpine pastures; Japanese forests; irrigation systems in Spain and the Philippines. All these were examples of commons that lasted for decades.“

Nicht nur quite well sondern very well funktoniert insbesondere die New Commons Economy rund um Freie Software, Freie Inhalte, Freie Enzyklopädien, Open Innovation.

„Indeed an entire industry seems to have sprung up to identify „new commons“ (such as the internet) or to claim as commons things not always seen that way. Silence, for example, should arguably be seen as a commons, because if one person interrupts it, there is less of it for others to enjoy.“ (Herv. S.H.)

Der Economist lässt eine der wichtigsten Commonsforscherinnen weltweit zu Wort kommen. Elinor Ostrom. (Hier die Rezension eines ihrer aktuellsten Werke.) Governing the Commons (dt. Die Verfassung der Allmende Jenseits von Markt und Staat) gehört zu den Standardwerken der Commonsliteratur. Commons brauchen (und haben) wie Ostrom unermüdlich nachweist, Regeln: Zugangs- und Nutzungsregeln (bei manchen -aber längst nicht allen- Gemeingütern heißt die Zugangsregel schlicht: open access). Sie brauchen Grenzregeln und Sanktionsmechanismen sowie durchsetzungstarke und anerkannte Institutionen oder Akteure- gleich ob formell oder informell. Dramatisch ist nur, wenn die formellen (z.B. staatlichen) Institutionen, die informellen (traditionellen) ignorieren und überrollen.

Vor allem aber brauchen sie die Beteiligung der Zugangsberechtigten in der Definition dieser Regeln oder zumindest ein hohes Maß an Akzeptanz derselben. Dann kann es durchaus zu einer „Comedy of the Commons“ (Carol Rose) kommen. Probleme bleiben, Zitat:

„The big unanswered question is how far the things that economists have learnt about traditional commons apply to the „new commons“.“

Unter „new commons“ werden hier offenbar nicht nur digitale Allmende (Softwarecode, digital verfügbares Wissen usw.) verstanden, sondern auch globale natürliche Ressourcen. Natürlich kann man nicht einfach Regeln und Institutionen eines kleinräumigen indischen Bewässerungssystems auf den Umgang mit der globalen Klimaerwärmung übertragen. Commonsmanagement muss zwangsläufig so divers sein wie die Gemeingüter selbst.

Doch dass es auch gute Beispiele internationalen, bürgerinitiierten Commonsmanagements gibt, zeige sich in Deutschland. Elinor Ostrom spricht vom „Wunder des Rheins“

„…the clean-up of Europe’s busiest waterway-should be seen as an example of successful commons management because it was not until local pressure groups, city and regional governments and non-governmental organisations got involved that polluters were willing to recognise the costs they were imposing on others, and cut emissions. An inter-governmental body (the International Commission for the Protection of the Rhine) did not have the same effect.“

Von Rückwärtsgewandtheit der Commonsdebatte also keine Spur. Auch nicht in Sachen natürliches Ressourcenmanagement.

„Die Ökonomie der Neuen Commons steckt noch in den Kinderschuhen. Es ist zu früh, ihren Hypothesen zu vertrauen.“, schließt der Economist.

Aber, wie der Artikel zeigt: Es ist zu spät, sie zu ignorieren, denn diese Hypothesen, können

„sich als sehr nützlich herausstellen für den Umgang mit Problemen wie dem Internet, intellektuellen Eigentumsrechten, Verschmutzung auf globaler Ebene, da brauchen Entscheidungsträger jede Hilfe, die sie kriegen können.“

foto on flickr by cfarivar

Ein Gedanke zu „Economist entdeckt Commons

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