Commons stiften Integration

Vor kurzem habe ich hier einen Artikel von Elisabeth Meyer-Renschhausen zur Community Garden Bewegung diskutiert. Nun bin ich über die Stiftung Interkultur auf einen Beitrag von Christa Müller gestoßen: „Interkulturelle Gärten – Urbane Orte der Subsistenzproduktion und der Vielfalt„. Der Artikel wirft u.a. einen Blick auf Entwicklung der Community Gardens oder Interkulturellen Gärten hier in Deutschland.

Mittlerweile gibt es in Deutschland bereits 80 Interkulturelle Gärten. Weitere 54 befinden sich im Aufbau. Spitzenreiter ist Berlin mit 17 existierenden Gärten und 11 in Planung. 54 Städte sind bislang mit von der Partie.

Sie basieren auf vielfältigen Motivationen und Organisationsformen, vor allem aber auf Eigeninitiative und „der Verknüpfung mitgebrachten Wissens“.

Interkulturelle -man müsste hinzufügen interaktive– Gärten sind keine Kleingartenanlagen (damit das klar ist ;-):

„auf Kante geschnittene Hecken fehlen hier ebenso wie umzäunte Parzellen“

Vielmehr dominieren „unauffällige Grenzziehungen“ zwischen Gemeinschafts- und privat bewirtschafteten Flächen.

Hier ein paar Zitate, die die Dimension des Ansatzes verdeutlichen helfen:

„.. nicht nur der Boden muss umgepflügt und neu gestaltet werden, sondern auch die heterogene soziale Gemeinschaft, und darüber hinaus der Stadtteil in dem der Garten liegt. Diese konzentrische Bewegung von innen nach außen, die an die Zeit- und Raumvorstellungen der urbanen Gärtner/innen anknüpft, ist ein Integrationsprozess im genuinen Sinn, in dem die Akteure ihre Wirklichkeit mit Anderen verhandeln und sich das dabei entstehenden Neue aneignen.“ (Herv. S.H.)

Eine der GärtnerInnen aus den vorgestellten multikulturellen Projekten, sagt es so:

„Wenn wir nur an Industrie und an Geld machen denken, bringt uns das am Ende gar nichts. Wir kommen an eine Stelle, wo es alles gibt, aber es gibt kein Leben mehr. … Ich bin stolz, dass ich in einem Verein aktiv bin, der sich um brachliegende Grundstücke kümmert und der sie dann bearbeitet anstatt dieses Bauen, Bauen, Bauen ohne Ende.“

Eine Göttinger Schülerin meint:

„Ich bin im Garten, seit ich drei oder vier war. Ziemlich alle, die Mitglieder sind in den Internationalen Gärten Göttingen, sind meine „Tanten und Onkel“. Es ist wie ein zweites Zuhause. „

Commons haben nicht immer einen konkreten Ort. Sie sind nicht immer anfassbar. Vielmehr sind sie ein sozialer Raum, als Oase erlebbar. Bei den Interkulturellen Gärten ist es beides: man kann sie sehen, riechen und anfassen. Als immaterieller sozialer Raum sorgen sie für Bindung und Integration. In den Worten von Christa Müller:

„Die zunehmende Prekarisierung von formellen Arbeitsverhältnissen geht mit einem zunächst gegenläufig erscheinenden Trend einher: DIe bislang kaum wahrgenommenen informellen Lebenswelten, die parallel zum formellen Arbeits- und Gütermarkt immer schon existiert haben, erhalten heute eine wachsende Bedeutung für Identitätsbildungsprozesse sowie für gesellschaftliche Inklusionsprozesse.“ (Herv. S.H.)

Ich würde sagen: Commons als spezifische Beziehung zwischen mir/“uns“ und den umgebenden Ressourcen; Commons, als das weitgehend unsichtbare Dritte jenseits von Markt und Staat, haben immer schon existiert und werden jetzt zunehmend sichtbar.

Der Artikel transportiert auch einen anderen Aspekt: Gemeinschaftsgüter werden gern eingeteilt in die „alten“ und die „neuen“. Die einen werden von den „Ökos“ verteidigt, die anderen von den „global communities“ der Wissensgesellschaft. Diese Kategorisierung ist teilweise sehr hilfreich (mitunter unerlässlich), um sich den Charakter der jeweiligen Dinge (z.B. ob rival oder nicht) zu vergegenwärtigen, aber der Commonsdiskurs als solcher ist integrierend. Er vermag es, Tradition und Moderne zu verbinden, denn:

„Die Moderne setzt sich zwar aller Geschichte entgegen (sonst wäre sie nicht modern); doch zugleich verkörpert sie, mehr als andere Epochen, die Gegenwart aller Zeiten (sonst wäre sie nicht).“ (Böhme, Hartmut: Fetischismus und Kultur eine andere Theorie der Moderne, 2006)

Müllers Text vermittelt eindrücklich, dass und wie Commons Für-Sorge statt Ver-Sorgung symbolisieren. Die Diskussion um Gemeinschaftsgüter unterscheidet sich auch darin von der Debatte um öffentliche Güter und Dienstleistungen.

Schon neugierig, wo in Ihrer Nähe es Interkulturelle oder Community Gärten gibt? Dann klicken Sie einfach hier.

Bildnachweis: Fotos interkultureller Gärten mit freundlicher Genehmigung der Stiftung Interkultur: Foto 2: Generationengarten in Kreuzberg III

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