Gesundheits-Commons

Das Health Commons ProjektTherapy Development in a Networked World– wurde gestartet. Ein Ableger von Science Commons. Das wiederum ist aus dem Shooting Star Creative Commons hervor gegangen.

„It’s time to bring the same efficiencies to human health that the network brought to commerce and culture. And to do that, it takes a Commons.„,so John Wilbanks in seiner 6-minütigen Einführung. Sehens- und hörenswertes Video!

Science Commons bezeichnet es als seine Mission, den Entwicklungsprozess von der Grundlagenforschung bis zum Endprodukt (ein wirksames Medikament) zu beschleunigen. Die bislang benötigten durchschnittlich 17 Jahre könnten sich weder die Gesellschaft noch einzelne Firmen leisten.

Es gehe also darum, mehr und bessere Therapien und Heilmittel schneller auf den Markt zu bringen. Bisher seien die Transaktionskosten zu hoch. Datenverknüpfung, Standardisierung, Zugriffserleichterung usw. stehen auf der Tagesordnung, um selbige zu senken. Konkret heißt das:

…databases of the results of chemical assays, toxicity screens and clinical trials; libraries of drugs and chemical compounds; repositories of biological materials (tissue samples, cell lines, molecules); computational models predicting drug efficacies or side effects; and contract services for high-throughput genomics and proteomics, combinatorial drug screening, animal testing and biostatistics.

Worum es in der Selbstdartstellung bislang weniger geht ist, von wem konkret diese Turbomedikamentenentwicklung vorangetrieben werden soll, und wer sie finanziert.

Die motivationale Begründung liefern -wie immer im Pharmabereich- Krankheiten, die vorwiegend in Ländern des Südens anzutreffen sind. Das zitierte Einführungsvideo startet mit dem Beispiel der Flußblindheit. 18.000.000 Menschen sind betroffen, die meisten davon in Entwicklungsländern. Rund 300.000 sind erblindet. Solche Zahlen beeindrucken. Natürlich geht es auch darum.

Doch gerade der Medikamentenbereich ist extrem vermachtet. 10 Firmen kontrollieren nach einem Forschungsbericht der ETC-Gruppe 62% des Weltmarktes. Wie Health Commons damit umgeht, ist mir noch nicht klar. Denn schließlich ist schneller, mehr und besser nicht unbedingt transparent und gerecht.

Die Macher von Health Commons sagen, ihr Ziel sei…

to enable more companies, foundations, laboratories or even individuals to conduct research on disease targets efficiently, by providing better access to the resources that large pharmaceutical companies assemble and integrate „in house.“ To do this, Health Commons will facilitate the emergence of a „virtual marketplace,“ or ecosystem (Sic! S.H.), through which participants can more easily access the data, knowledge, materials and services for accelerating research.

Das klingt schwer nach PPP; Public Private Partnership (auch kritisiert als Public Payed Publicity). PPP scheint als Finanzierungskonzept bei Science & Health Commons hoch im Kurz zu stehen. Es birgt jedoch die Gefahr, dass vor allem solche Bereiche miteinander vernetzt werden, an deren Prozessende Medikamente stehen, die einem kleinen, aber zahlungskräftigen Patientenkreis zu Gute kommen. Denn, so Steven Strauss:

… they (die Pharmakonzerne) aren’t in the „selling-a-more-efficient-process“ business. They’re drug companies, after all. They want a $5 billion-a-year „treatment“ for male impotence and not a bundle of assays or imaging technology to make the whole process better for everyone.

Das ist genau der Punkt! Ich habe keinen Zweifel daran, dass es Health Commons darum geht,:

Wissen aufzubereiten… und dieses Wissen in Lebensrettung zu übersetzen (vgl. Video)

Aber wer „rettet“ wen zu welchen Bedingungen und für welche Gegenleistung? Wer entwickelt welche Therapien und Medikamente mit welchen Methoden und Normen? Wer ist daran interessiert, die Malaria zu bekämpfen, für deren Therapie weder die Armen selbst noch die entsprechenden Staaten wirklich einen fürstlichen Lohn hinlegen könnte. Wer also finanziert die Turboentwicklung wirksamer Medikamente möglichst unkontaminiert von Gewinnerwartungen?

Entscheidend ist, was hinten rauskommt dh. wie demokratisch, transparent und frei von wirtschaftlichen Verwertungsinteressen die Pharmaforschung gehalten wird.

Was wir vor allem brauchen sind:

  • Eine Allmende des für die Pharmaforschung notwendigen Wissens.
  • Weitgehend barrierefreien Zugang zu diesem Wissen -in Abhängigkeit von der konkreten Nutzung desselben
  • Eine stabile öffentliche Finanzierung der Forschung.

Und vor allem:

  • Keine Monopolisierung im Pharmasektor
  • keine Patente auf Medikamente und
  • keine Monopolpreise für die zu erwartenden Ergebnisse dieser „effizienteren“ Forschung.

foto on flickr by street preacher

3 Gedanken zu „Gesundheits-Commons

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